Shamblemaths – Shamblemaths

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shamblemaths(56:18, CD, Eigenproduktion, 2016)
Die Shamblemaths sind ein norwegisches Duo, das mit seinem selbstbetitelten Debütalbum ein dickes Ausrufezeichen setzt – dieses Werk hat sensationell viel zu bieten. Bereits vor rund zehn Jahren fanden Simen Ǻdnøy Ellingsen und Eirik Mathias Husum zusammen. Damals brachten sie unter dem Namen Fallen Fowl ein Album namens „Do They Love You Now?“ heraus. Danach gingen sie zunächst getrennte Wege, um sich eine Dekade später wieder zu treffen und gemeinsam zu musizieren. Die Zeit zwischen den beiden Alben scheint Mastermind Ellingsen recht sinnvoll verbracht zu haben, besitzt er doch mittlerweile zwei Doktortitel – einen in Quantenphysik, den anderen in Politikwissenschaft, wo er über Nuklearterrorismus promovierte.

Die Arbeitsteilung der Shamblemaths ist leicht zu beschreiben: Husum spielt Bass, Ellingsen den Rest. Na ja, „den Rest“ stimmt nicht ganz, denn einige Gastmusiker sorgen mit für das ungemein breite Klangspektrum. Ellingsen hat sämtliche Titel komponiert, er überzeugt als Sänger und bedient elektrische sowie Gitarren, Tasteninstrumente, eine Zither, Percussion-Instrumente und Saxophon. Das Album enthält lediglich drei Songs mit entsprechend langen Spielzeiten. Alle sind in einzelne Sektionen unterteilt, was in diesem Fall viel Sinn ergibt, denn die Norweger wechseln permanent von einem Genre zum nächsten, legen immer wieder wilde Sprünge hin. Das mag hin und wieder etwas zerstückelt wirken und im ersten Moment etwas irritieren, aber mit der Zeit stellt man fest, dass dies durchaus stimmig zusammengesetzt ist. So gibt es hier ungemein viel zu entdecken.

Keine Zeit zum gemütlichen Eingewöhnen – die beiden legen im in zehn Abschnitte aufgeteilten 27-Minüter ‚Conglomeration‘ (Untertitel: ‚The Grand Pathetic Suite‘) gleich mächtig los. Hier dürften sich Freunde frickeligen Avant-Progs angesprochen fühlen. Sowohl die Gesangsarrangements als auch die instrumentale Ausarbeitung sind vom Feinsten. Fans der eher melodischen Prog-Variante müssen nicht gleich das Handtuch werfen, denn plötzlich findet man sich in sinfonischem Fahrwasser wieder. Und so geht es immer weiter, die Shamblemaths bleiben mit vielen Stimmungswechseln unberechenbar. Eigentlich ein typisches Album für das italienische AltrOck Productions-Label, Fans dieses Labels sollten direkt zuschlagen. Aber „Shamblemaths“ ist in Eigenregie entstanden. Die erste auf 200 Stück limitierte Auflage ist bereits so gut wie ausverkauft, eine weitere Pressung steht bevor.

Nach dem ersten Hören bleiben neben den Stimmungswechseln hauptsächlich das feine Orgelspiel und einige Saxophon-Einlagen hängen, weitere Durchläufe lassen immer mehr Feinheiten erkennen. Dabei kommt auch der Symphonic-Prog-Fan auf seine Kosten, wunderbare Mellotron-Einlagen inbegriffen. Letztere  zeigen einen enormen Ideenreichtum: Wer kommt beispielsweise schon auf die Idee, Babygeräusche und Mellotron miteinander zu kombinieren? Wilde Bläser-Einlagen und frickelige Parts gehören ebenso dazu wie solierende Akustikgitarre, leises Piano und komplexe Chor-Arrangements. Dabei hört man in Ansätzen auch mal Magma, Gentle Giant, die Flower Kings, King Crimson, Zappa oder auch Yes heraus, ohne dass allerdings zitiert wird.

Neben diversen Chorsängern wirken als Gäste mit:
Eirik Ǿyvind Dischler – keyboards
Jon Even Schärer – drums
Halvor Lund – Hammond organ
Colin Howarth – tenor sax
Jan Røe – guitar

„Shamblemaths“ ist eine jener Platten, wo nach dem ersten Durchgang noch wenig haften bleibt, aber auf Anhieb Gewissheit darüber herrscht, dass viel zu entdecken bleibt. Und so ist es in der Tat: Mit der Zeit wächst das Album enorm zu einem der bisherigen Highlights des Jahres.
Bewertung: 13/15 Punkten (JM 13, KR 12, KS 11)

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Shamblemaths – Shamblemaths

von Juergen Meurer Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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