Manuel Schmid – Seelenparadies

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Manuel Schmid_Seelenparadies(47:10, CD, A&O Records, 2016)
Seit 2012 ist Manuel Schmid Sänger der legendären Stern-Combo Meißen. Er hat sich dort glänzend eingefügt, mit ihm ist die Band glücklicherweise auf einem Weg, der sie für Prog-Fans wieder hochinteressant macht. Belege dafür sind die Aufnahmen „Stern-Combo Meißen im Theater am Potsdamer Platz“ und die Neueinspielung „Bilder einer Ausstellung – The Rock Version“. Was sich der junge Mann vorgenommen hat, ist nichts weniger als in die Fußstapfen des großen Reinhard Fißler zu treten – er meistert es mit Bravour. Und nicht nur das, Manuel Schmid spielt zusätzlich Keyboards. Nicht nur in begleitender Form, sondern auch bei sehr ansprechenden Solo-Parts, sodass er inzwischen auch die durch den Tod des langjährigen SCM-Keyboarders Thomas Kurzhals entstandene Lücke schließt. Mit der Stern-Combo Meißen ist also wieder zu rechnen und sie ist wieder sehr aktiv.

Trotzdem blieb für Schmid noch Zeit, sein zweites Soloalbum fertigzustellen. Zuvor hatte er beim aktuellen Album der deutschen Prog-Band Cyril als zweiter Sänger fungiert und dort mit Marek Arnold zusammengearbeitet. Arnold, selbst auch mal Mitglied der Stern-Combo, revanchierte sich, indem er Schmid bei „Seelenparadies“ tatkräftig unterstützte. Das gilt nicht nur für die Abmischung, sondern auch für seine Beteiligung an Tasteninstrumenten und Saxophon, sowie an einigen Arrangements. Arnold hat auch einige Titel zusammen mit Schmid komponiert, ihre Zusammenarbeit funktioniert offensichtlich recht gut. Das „Seelenparadies“-Material stammt aus den letzten vier Jahren, und für das Mastering war Eroc zuständig.

Nun sollte man nicht den Fehler begehen, ein Prog-Album zu erwarten – man würde enttäuscht. Vielmehr handelt es sich um ein deutsches Popalbum mit Singer/Songwriter-Appeal, das auf Manuel Schmids schöner Stimme und ansonsten im Wesentlichen auf Tastenarbeit basiert. Letztere allerdings nicht in der typischen bombastischen Form wie bei SCM, sondern eher zurückhaltend, aber sehr effizient eingesetzt.

„Seelenparadies“ startet entspannt mit einem kurzen Instrumentaltitel und sanften Synthesizer-Sounds. Das darauffolgende ‚Das Paradies‘ ist dann schon ein schönes Musterbeispiel für das, was Schmid hier in einer Vielzahl von Songs anzubieten hat. Auch wenn in diesem Fall neben ihm selbst und Marek Arnold mit Rainer Oleak gar ein dritter Keyboarder mitwirkt, ist dies keine Keyboardbombast-Nummer, sondern ein feiner, gefühlvoller Song mit geschickt abgestimmtem Saxophon- und Tastenspiel.

Diese Form von Pop mit ganz leichten Artrock-Elementen ist mehrfach anzutreffen, einiges hat Ohrwurmcharakter. Zwar gibt es auch einen kurzen Ausrutscher in Schlager-Nähe, doch insgesamt ist ein feines Pop-Album gelungen, das natürlich auch sehr von der schönen Stimme Schmids profitiert.  Einige flotte Titel sind ebenfalls zu hören, so zum Beispiel seine eigene Version des SCM-Klassikers ‚Also was soll aus mir werden‘ im Duett mit Sängerin Anna-Marlene Bicking, der Tochter des Ex-SCM-Musikers Andreas Bicking. Seine Sangeskünste stellt er außerdem im Acappella-Song ‚Liebe‘ eindrucksvoll unter Beweis.

Ein weiteres Highlight ist das emotionale, sehr intensive ‚Seelenlieder‘, das Schmids Nähe zum großen Reinhard Fißler zeigt. Dies ist eine Hommage an diesen großartigen Sänger, dessen Stimme im ersten Teil in Form eines Telefonmitschnitts zu hören ist, während Teil zwei mit der Band Cyril (siehe oben) eingespielt wurde. Hier wird dann tatsächlich auch mal eine Prog-Nummer geboten, und die geht ziemlich unter die Haut. Tolle Nummer, bei der übrigens auch Sänger Dirk Zöllner mitwirkt. Den Abschluss bildet passenderweise der Song ‚Das Ende vom Lied‘, eine weitere feine Pop-Ballade.

Wie bereits erwähnt, sollte man an diese Platte nicht mit Prog-Maßstäben herangehen, dementsprechend erfolgt die Bewertung auch nicht auf der Prog-Skala. Nicht nur was die Songtitel betrifft hat dieses Album viel Seele!
Bewertung: 10/15 Punkten

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Manuel Schmid – Seelenparadies

von Juergen Meurer Artikel-Lesezeit: ca. 3 min
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