Pink Floyd – Vinyl-Remasters, Part 1

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(3 LPs, 1 DLP, Pink Floyd Records/Warner Music Entertaiment, 2016)
Pink Floyd und Vinyl – für viele Fans der Ausnahme-Band gehört das einfach zusammen. Nicht zuletzt auch wegen der legendären LP-Covers von Hipgnosis, die im CD-Format nicht mehr so zur Geltung kommen konnten, wie es die für LP-Hüllen entworfenen Kunstwerke verdienten. Hauptgrund ist jedoch, dass das Schaffen der Band mit Ausnahme der letzten beiden Alben ohne Roger Waters komplett dem Vinyl-Zeitalter zuzurechnen ist. Wie bereits angekündigt, werden alle Studioalben von Pink Floyd im Laufe dieses Jahres wieder auf Vinyl aufgelegt. Die ersten vier erscheinen Anfang Juni.

Da wäre zunächst das 1967er-Debüt „The Piper At The Gates Of Dawn“, mit dem legendären Syd Barrett. Die von dem Team Grundman, Plante, Guthrie remasterte Ausgabe ist der ersten UK-Stereo-Ausgabe nachempfunden, die ca. einen Monat nach der originalen Mono-Ausgabe auf dem Markt kam. Die im gleichen Jahr erschienene US-Version hatte ein völlig anderes Track-Listing und beinhaltete beispielsweise die Single ‚See Emily Play‘, wohingegen ‚Astrominy Domine‘ auf der US-Version fehlte. Details hierzu können auf Discogs und Wikipedia nachgelesen werden. Das Cover ist ein einfaches Single Sleeve. die LP steckt in einer schwarzen Schutzhülle. Das Design von Hülle und Label hält sich sehr nahe an das des Originals. Selbst die aufliegenden Klebelaschen der Originalhülle wurden im Druck imitiert. Das gilt im Übrigen auch für alle anderen hier vorgestellten LPs. Musikalisch ist „The Piper At The Gates Of Dawn“ das zugänglichste Werk der Frühphase der Band.

Die ausgiebige Experimentierfreude sollte sich erst auf den nächsten Alben in den Vordergrund spielen. Trotzdem enthält das Album mit ‚Interstellar Overdrive‘ und ‚Astronominy Domine‘ bereits zwei Klassiker. Daneben gibt es etliche kompaktere Psychedelic-Popsongs, die man in dieser Art später nicht mehr von Pink Floyd hören sollte. Auffällig sind die teils extremen Stereo-Effekte. Bezüglich des Klangs sollte man keine Wunder erwarten. Das Debüt wurde mit kleinem Budget eingespielt. Das Remastering kann sich allerdings hören lassen. Die Pressung des Rezensionsexemplars ist perfekt. Das ergibt in der Summe einen angenehmen Hörgenuss.

„A Saucerful Of Secrets“ wirft einen Großteil des vorhandenen Pop-Appeals des Debüts über Bord. Space Rock und psychedelische Experimente geben den Ton an. ‚Set The Controls For The Heart Of The Sun‘ wird ein Klassiker. Daneben stechen der Titelsong und ‚Let there Be More Light‘ heraus. Barretts Einfluss schwindet aus hinlänglich bekannten Gründen. Der Sound des Albums ist dichter. Erstmals hört man Klänge, die später als Pink Floyds Trademarks bezeichnet werden. Auch im Fall von „A Saucerful Of Secret“ richtet man sich bei der Wiederveröffentlichung an der ersten UK-Stereo-Version. Der klangliche Vergleich mit der CD aus der „Shine On“ Box zeigt hörbare, jedoch keineswegs gravierende Unterschiede. Die aktuelle LP-Ausgabe klingt insgesamt etwas angenehmer und ausgewogener. Die CD ist dagegen leicht höhenlastig. Vergleiche zwischen CD und Vinyl sind grundsätzliche eine heikle Angelegenheit, da insbesondere der Klang einer LP stark vom eingesetzten Tonabnehmer abhängt. Selbstverständlich klingt auch nicht jeder CD-Player gleich. In gewisser Weise vergleicht man also Äpfel mit Birnen.

Der Soundtrack zu dem Film „More“ ist seit jeher ein etwas weniger beachtetes Album von Pink Floyd, darf aber als vollwertiges Album betrachtet werden. Sehr gelungen ist beispielsweise der Song ‚Cymbaline‘, der ja auch schon von den Floyd-Bewunderern RPWL gecovert wurde. Epische Tracks, wie auf „A Saucerful Of Secrets“ findet man auf „More“ nicht. ‚The Nile Song‘ ist für Floyd-Verhältnisse geradezu heavy. Einige experimentelle instrumentale Stücke der zweiten LP-Seite haben allerdings typischen Soundtrack-Charakter. Die in nur einer Woche eingespielte LP klingt trotzdem wirklich gut.

Bleibt noch das Doppelalbum „Ummagumma“, an dem sich seit jeher die Geister scheiden. Die erste, aus Liveaufnahmen bestehende LP enthält großartige Versionen von ‚Set The Controls For The Heart Of The Sun‘ und A Saucerful Of Secrets‘ sowie den Klassiker ‚Careful With That Axe, Eugene‘. Das ist psychedelischer Space Rock at its best. Die allzu experimentelle zweite LP, auf der sich Waters, Wright, Mason und Gilmour jeweils eine halbe Seite mit Solokompositionen teilen, findet ein eher geteiltes Echo bei Fans und Kritikern. Auch innerhalb der Band hat das Werk keinen guten Ruf. Zudem bringt der gewaltsame Tod einer Stubenfliege am Ende von Seite drei den Tierschutzbund auf den Plan. Ein Klangvergleich mit einer alten Ausgabe aus den Siebzigern lässt die neue Version als unüberhörbar klaren Sieger hervorgehen.

Die komplette erste Serie der Wiederveröffentlichungen wurde bei Optimal Media GmbH gepresst. Die Gravuren in den Auslaufrillen lassen vermuten, dass die LPs teilweise bereits im vergangenen Jahr hergestellt wurden. Die Pressqualität der Rezensionsexemplare ist einwandfrei. Die schwarzen Scheiben stecken in gefütterten Innenhüllen, was man nicht hervor heben müsste, wenn es Standard wäre. Ist es aber nicht. Auf beigelegte Download Codes wurde verzichtet. Da ein Großteil der potentiellen Käufer die Alben vermutlich schon in irgend einer anderen Form besitzt, fällt dieser Umstand wohl nicht sonderlich ins Gewicht. Das Design und Ausstattung in Anlehnung an die Erstausgaben wurde schön umgesetzt. Im Umkehrschluss verzichtet man auf jegliche interessante Zusatzinfos wie Liner Notes oder Texte.

Damit ist die Frühphase von Pink Floyd gebührend auf Vinyl reproduziert und die Vorfreude auf die nächsten Veröffentlichungen wächst. Das werden aller Voraussicht nach „Atom Heart Mother“, „Obscured By Clouds“, „Meddle“ und „The Dark Side Of The Moon“ sein. Angesichts dieser Aussichten lässt die Bewertung der besprochenen LPs noch etwas Luft nach oben.
Bewertung: „The Piper At The Gates Of Dawn“ 10/15 Punkten,  „A Saucerful Of Secrets“ 11/15, „ More“ 9/15, „Ummagumma“ LP1 12/15, LP2  7/15

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Über den Autor

Dieter Hoffmann

Dass der Prog-Virus hoch infektiös ist, musste ich bereits in meiner frühen Kindheit erfahren. Während meine Schulfreunde noch sorglos Ilja Richters Disco mit The Sweet und den Bay City Rollers schauen konnten, hatte mich mein älterer Bruder bereits in den frühen Siebzigern mit ELP und Yes verkorkst. Mein erster Radiorekorder und die LP-Hitparade von SWF3 gaben mir mit Genesis und Eloy dann den Rest.

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von Dieter Hoffmann Artikel-Lesezeit: ca. 4 min
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