Ben Craven – Last Chance To Hear

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(46:16, 40:00; CD, DVD, Desert Comb Music/Just For Kicks, 2016)
Der australische Multiinstrumentalist Ben Craven legt mit „Last Chance To Hear“ sein drittes Album vor. Die Produktion fungierte als Pilotprojekt der Musikplattform TuneLeak, die unter dem Motto „Viva la album“ ein neues Vermarktungsmodell für Musik etablieren möchte. Die Idee dahinter ist, ein Album Stück für Stück während des Produktionsprozesses zu veröffentlichen und zu verkaufen. Ob sich dieses Konzept in der Praxis bewährt, bleibt abzuwarten.

Craven selbst bezeichnet sich als Cinematic-Progressive-Rock-Singer-Songwriter. Das trifft die Bandbreite seines Output relativ gut. Einschränkend sei erwähnt, dass Gesang auf Cravens neuem Werk eine recht untergeordnete Bedeutung zukommt. Weite Strecken des Albums sind instrumental. Trotzdem ist es ein Konzeptalbum, das sich zudem mit dem Thema des Ausverkaufs im Musik-Business beschäftigt. Der Einstieg, mit dem von Craven gesungenen ‚Last Chance To Hear Part I‘, gefällt mit einer dezenten Swing-Note. Die leicht verfremdete Stimme hinterlässt allerdings keinen bleibenden Eindruck. Die folgenden Titel sind instrumental und bewegen sich auf symphonischem Breitwand-Kino-Terrain. Dabei überzeugt ‚Spy In The Sky Part 2‘ am meisten. Tauscht man das Wörtchen „Spy“ gegen „Eye“ aus, weiß man auch gleich, wohin dieser Flug geht – das Alan Parsons Project lässt schön grüßen. Der Beitrag von Gaststar William Shatner auf ‚Spy In The Sky Part 3‘ ist einigermaßen albern. Abgesehen davon, dass sein Name in gewisser Weise werbewirksam ist, gibt es wenig Argumente für diesen Einsatz. ‚The Remarkable Man‘, nochmals von Ben Craven gesungen, eröffnet den zweiten Teil des Album ähnlich wie den ersten. Dass das Thema Gesang damit erledigt ist, darf man als gute Nachricht interpretieren. ‚Spy In The Sky Part 1‘ ist ein gelungenes Symphonic-Rock-Instrumental, das man sich auch auf David Gilmours letztem Output hätte vorstellen können. ‚The Revenge Of Mr. Komodo‘ klingt so, wie es der Titel vermuten lässt. Menschen, denen ‚Are You Ready, Eddy? oder ‚The Sheriff‘ auf alten ELP-Platten gefallen haben, sind hier goldrichtig.

In ‚Last Chance To Hear Part 2″ packt Ben Craven einen lebensgroßen Satriani aus dem Schrank. ‚Mortal Remains‘ schließlich entlässt die Hörerschaft mit sanften Piano- und Gitarren-Klängen.

Auf der beiliegenden DVD befinden sich vier Musikvideos, ein interessantes „Making of“ und eine Audio-Version von ‚Spy In The Sky‘ mit Cravens Gesang.

„Last Chance To Hear“ ist mächtig produziert und lässt einen vielseitigen, uns sympathischen Musiker erkennen. Eine eigene Handschrift erkennt man allerdings nicht allzu oft. Die Reminiszenzen sind überdeutlich und mit einem Augenzwinkern vermutlich auch so gewollt. Streckenweise ist das auch ganz charmant. Es hat aber zur Folge, dass sich das Werk ein wenig wie ein musikalischer Gemischtwarenladen anhört. Kurzweilig, aber ohne größeren bleibenden Eindruck.
Bewertung: 9/15 Punkten (WE 10, DH 9, KR 9)

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Ben Craven (Foto: Künstler)

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Über den Autor

Dieter Hoffmann

Dass der Prog-Virus hoch infektiös ist, musste ich bereits in meiner frühen Kindheit erfahren. Während meine Schulfreunde noch sorglos Ilja Richters Disco mit The Sweet und den Bay City Rollers schauen konnten, hatte mich mein älterer Bruder bereits in den frühen Siebzigern mit ELP und Yes verkorkst. Mein erster Radiorekorder und die LP-Hitparade von SWF3 gaben mir mit Genesis und Eloy dann den Rest.

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Ben Craven – Last Chance To Hear

von Dieter Hoffmann Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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