Amarok – Hayat Yolunda

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Amarok(57:38, 52:32, 2CD, Azafrán Media, 2015)
Beim Namen Amarok denkt man zunächst an ein Album von Mike Oldfield. Ein recht gelungenes, nebenbei bemerkt. Ob es hier eine Inspirationsquelle war, ist unbekannt – jedenfalls nennen sich auch Künstler und Bands so. Zum Beispiel ein polnischer Multiinstrumentalist, der seine Alben unter diesem Pseudonym veröffentlichte. Weil bei BetreutesProggen aber keine polnische sondern eine spanische Woche beginnt, widmen wir uns der von Keyboarder Robert Santamaria ins Leben gerufenen Gruppe Amarok aus Europas Süden.

Die Gründung erfolgte 1990. Seitdem hat es viele Veröffentlichungen und sowie einige personelle Veränderungen und mit ihnen verbundene wechselnde musikalische Akzente gegeben. Das letzte Lebenszeichen liegt schon rund acht Jahre zurück: Damals erschien das Vorgängeralbum „Sol de Medianoche“auf dem Progrock Records Label. Nach langer Pause sind Amarok nun also zurück. In leicht veränderter Zusammensetzung zwar, aber der Kern ist nach wie vor aktiv – und das bedeutet im Detail:
Robert Santamaría – keyboards / 12string guitar / glockenspiel / bar chimes / bells / vibraslap
Marta Segura – voices
Alan Chehab – bass
Manel Mayol – transverse flute / recorder.

Diese vier Musiker kennt man von früheren Alben, Schlagzeuger Pau Zanartu und Gitarrist Xavi Saiz vervollständigen die derzeitige Besetzung. Amarok zeichneten sich immer durch eine interessante Verschmelzung von Symphonic Prog, Folk und World Music aus. Aktuell sind sie auch mit dieser Schnittmenge unterwegs, allerdings ist der Ethno-/World-Music-Anteil zurückgenommen. An Santamarias Tastenspiel dürften Retro-Fans Gefallen finden – er arbeitet sehr variabel und mit viel Liebe zum Detail. Mit seinen Keyboards erzeugt er klassischen Symphonic Sound, ebenso prägnant sind zahlreiche Flöteneinsätze. Die Band zeigt ihre Stärken gerade in den ruhigeren Passagen. Was sie mit der Kombination aus akustischer Gitarre, Blockflöte und Keyboards produziert, ist zum Teil von betörender Schönheit, auch ein Glockenspiel findet in diesen fragil wirkenden Parts hier und da seinen Platz. Das Ganze erinnert bisweilen an die italienische Band Eris Pluvia, und auch mal an XII Alfonso. Manche Gesangseinlagen von Frau Segura mögen gewöhnungsbedürftig sein, doch insgesamt kann sie mit kräftiger Stimme überzeugen. Übrigens firmierte ein Großteil dieser Gruppe einst auch unter dem Namen Parthenon, um das Album Mare Tenebris herauszubringen. Von „Hayat Yolunda“ kann man sich hier einen Eindruck verschaffen:

Die Bonus-CD „Archivos 2009-2015“ beinhaltet eine über 50-minütige Sammlung von Songs jener Jahre. Dies zeigt, dass die Band in der Pause zwischen dem letzten und ihrem aktuellen Album nicht untätig war – eine sinnvolle Ergänzung, bei der es hinsichtlich der Qualität nichts zu bemängeln gibt. Bei diesen elf Archiv-Stücken kam auch eine Geige zum Einsatz, die eine besondere Note einbringt, insgesamt geht es hier in Richtung Folk-Prog. Alles in allem ein schönes Package, im Digipak angeboten und vom mexikanischen Label Azafran Media auf den Markt gebracht. Die Tendenz in der Benotung geht zur 11.
Bewertung: 10/15 Punkten (JM 10, KR 8)

PS: Im Progressive Newsletter erschienen Rezensionen zu den Amarok-Alben „Els Nostres Petits Amics“ (1994), „Amarok“ (2002), „Mujer Luna“ (2002), „Neo Way“ (2003), „Quentadharkën“ (2004), „Sol De Medianoche“ (2007).

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Amarok – Hayat Yolunda

von Juergen Meurer Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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