Otarion – Monument

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Otarion_Monument (72:14, CD, Mellow Jet, 2015)
Rainer Klein aus Siegen hat sich als Solokünstler den Namen Otarion zugelegt und 1997 mit „Es Werde Licht“ sein erstes Album bei Manikin Records veröffentlicht. Es folgten ab 2000 dann im 2-Jahres-Rhythmus drei weitere hochwertige EM Alben, die beim renommierten Neu Harmony Label erschienen. Danach wurde es lange Zeit still um den Siegener Elektronikmusiker. 2013 erschien dann eine Art Comeback-Album, diesmal bei dem für den Elektronik-Fan ausgesprochen angesagten Label des Eifeler Musikers Bernd „Moonbooter“ Scholl, Mellow Jet Records. Für Klein beginnt damit eine sehr kreative Phase – er produzierte nun bereits das dritte Album innerhalb relativ kurzer Zeit. Auch jetzt wieder komplett im Alleingang eingespielt.

Auf „Monument“ fällt die Vielfalt der gebotenen Spielarten im Bereich der elektronischen Musik auf. Er beschränkt sich nicht auf eine bestimmte Ausrichtung auf den insgesamt zehn Titeln, sondern ist in verschiedenen Subgenres unterwegs. Da mag es dann mal mehr, mal weniger gefallen, aber Eintönigkeit lässt sich ihm wohl kaum vorwerfen. Und der Mut, auch einige neue Dinge auszuprobieren, ist angesichts des gelungenen Gesamtwerkes belohnt worden.

Der Opener ‚Movement‘ startet eher bedächtig und mit leicht düsteren Zügen, nimmt dann aber im weiteren Verlauf Fahrt auf und klingt bisweilen wie ein Soundtrack zu einem Sci-Fi Film. Im zweiten Track mischt sich eine elektrische Gitarre im Stil einer Steel Gitarre in die Synthesizer-Welt ein. Insgesamt handelt es sich um eine beschauliche, ruhige Nummer und diese Grundstimmung herrscht auch im nachfolgenden Titel vor. Auf ‘Hidden Place’ werden Erinnerungen an Vangelis wach, die fragilen Arrangements mit Glockenspielsound wissen zu gefallen. Wie auch schon beim Vorgängeralbum „Genius“ bringt Otarion auch gerne mal Spielereien mit menschlichen Stimmen ein.

Zur Albummitte hin beschreitet er dann andere Pfade, da wird die Musik rhythmischer und hat Ähnlichkeiten mit dem Sound von Schiller oder Blank&Jones.
Danach geht es wieder in sinfonische Gefilde, speziell im fast 15-minütigen Titelsong, dem Highlight des Albums, fährt er noch einmal alles auf, Gitarre inklusive. Hier wird dann am ehesten auch der Prog-Fan bedient, denn gewisse Prog Tendenzen sind gelegentlich durchaus herauszuhören. Besonders deutlich wird das dann im nachfolgenden ‚Lost Past‘, einer sehr schönen Nummer, die deutliche Reminiszenzen an Pink Floyds ‚Shine On You Crazy Diamond‘ Intro aufweist.

Die Musik von Otarion ist sehr melodisch, atmosphärisch dicht und bisweilen auch mal in manchen sinfonischen Klanggebilden recht mächtig angelegt, halt „monumental“. Die Berliner Schule ist ebenso vertreten wie Ausflüge in rhythmusbetonte, moderne Bereiche, die eine weitere Facette des Künstlers aufzeigen, über dessen benutztes Instrumentarium man auf seiner Homepage bestens informiert wird. Synthi-Freaks mögen sich gerne hier schlau machen.
Auf der EM-Skala ergibt das lockere 11 Punkte – mit Tendenz zu 12.
Bewertung: 11/15 Punkten

Surftipp zu Otarion:
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Otarion – Monument

von Juergen Meurer Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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