Autor: Klaus Reckert

"everything happy, and progressive, and occupied" K. Grahame, The Wind In The Willows

(44:20, Digital, CD, LP, Ataraxia Productions/Just For Kicks, 2021) Der Rezensent bekennt sich ratlos, die Erste: So durch und durch begeisternd der 2019er Vorläufer "In Amazonia" dieser ehrwürdigen Kooperation auch erlebt wurde, so achselzuckend lässt der Nachfolger zurück. Da das Teil allerdings andernorts stets mit Schaum vorm Mund vor Enthusiasmus besprochen wurde, muss es also an mir liegen und nicht am Kunstwerk. Konkret hakt es wohl am Allermeisten bei dem anstrengenden, entstellenden Telefonstimmen-Effekt, der über sämtliche Hammillsche Gesangsparts gelegt wurde. Ansonsten waren die Voraussetzungen hier zwar entscheidend anders als bei "In Amazonia": Kein Live-Auftritt als Initialzündung, stattdessen Corona-bedingtes Hin- und…

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AHU und Amen für ein Hallelujah Was für ein Live-Package! Eine ideale Manier, den Oktober einzuläuten, fanden wir. Sowie für den Autor (beinahe) auch die diesjährige Konzertsaison. Doch vor den - in diesem Fall gigantischen - Konzertspaß haben die Götter und die Veranstalter ja bekanntlich den Einlass gesetzt. Und das war bei diesem Club-Gig ein unnötig unspaßiges Thema… Der Event-Beginn, gewöhnlich als Doors/Einlass zu übersetzen, war überall mit 19 Uhr kommuniziert worden. Und schon deutlich vor diesem Zeitpunkt belagerte eine erfreulich große Meute den Club – und sperrte gleichzeitig die freitagsabends auch ohne Metalheads schon recht belebte Zülpicher Straße beinahe…

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(48:47, CD, Sireena/Broken Silence, 1979/2021) Lange nicht so viel Spaß an einem Reissue aus deutschen Landen gehabt. Die dem Autor bislang völlig unbekannten, bereits 1972 gegründeten Tibet klingen auf ihrem (leider einzigen) gleichnamigen Opus (1979 auf Bellaphon erschienen), als hätte Renate Knaup-Krötenschwanz mal mit Triumvirat, Camel, Eloy und Nektar gejammt, zu deren jeweils besten Zeiten. Das Lustige bei diesen vor dem Lesen der tatsächlichen Besetzung erfolgten Assoziationen: Die "Renate" auf diesen herrlichen Aufnahmen heißt Klaus Werthmann und ist eben nicht nur namentlich ein Kerl. Der allerdings über eine auch in mittleren bis hohen Lagen kehlig-druckvolle Stimme mit viel Timbre und…

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(68:27, 66:40, 2CD, Digital, Eigenveröffentlichung, 2021) Ob hier nicht mal die Selbstbeteuerungen der Band einfach ausreichen? Zero Times Everything machen nämlich nach eigenem Bekunden: "Avant-garde post-industrial pre-cambrian pan-ethnic serial noise proto-punk neocortex music. Zero Times Everything lives at the intersection of “My Life in the Bush of Ghosts” and Autechre, mixing glitchcore, ambient, and progressive rock." Ihr uns hier beschäftigendes zweites Album folgt dann noch einem Konzept – und zwar wie folgt: "Everything splits the two sides into a "Black Hole" and a "White Hole." The first 10 tracks correspond with the "Black Hole" and the final 6 tracks comprise…

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(41:16, Digital, CD, LP, InFiné/Al!ve,, 2021) Dies hier ist wenn überhaupt, dann interessant für Menschen, die bei Cello nicht an Udo Lindenberg oder Apocalyptica denken. Sondern z.B. an die hinreißende Jo Quail, an Daniela Savoldi, das verzaubernde Echo Collective, an die großartigen Hinterlandt, vielleicht auch an Sickerman. Es geht also um so etwas wie moderne Kammermusik und um das Cello als Solo-Instrument. "Tancade" ist das Solodebüt des Cellisten und Kurator des Labels Les Disques du Festival Permanent Gaspar Claus. Es befasst sich laut Waschzettel "mit dem imaginären Strand Tancade, an dem sich eine kleine Gruppe gleichgesinnter Individualisten zwischen den abgelegenen…

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(CD, Digital, New Joke Music / Dutch Music Works, 2021) Das bisherige Soloschaffen von Kristoffer Gildenlöw (u.a. Ex-Pain of Salvation, Kayak, Dial, For All We Know plus Sessions für u.a. Neal Morse, Dark Suns, Lana Lane, Damian Wilson, Mr. Fastfinger, Ian Parry, The Shadow Theory) war ja schon überwiegend introspektiv und introvertiert. Doch was auf Solo-Album Nr. 4 passiert, das ist schon Melancholie- bis Depressions-schürend. Oder kann zumindest so wirken. Thematisch scheint es - uns lagen keine Texte vor - mehrheitlich um menschliche Fehler und Schwächen zu gehen, vielleicht auch um daraus resultierendes Scheitern. Und da passt ein Soundtrack für…

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(48:44, Digital, CD, Eigenveröffentlichung, 2021) Die eröffnende Hymne - Au ja, gleich mal'n Longtrack - auf den "Dämon oder Großherzog der Hölle, zusammen mit Beelzebub und Luzifer", nämlich 'Astaroth: The Eternal Prince Of Darkness Parts I&II', klingt schon mal mehr nach Psychedelic bzw. Space Rock denn nach dem Okkult-Doom, den man hätte erwarten können. Eine enorm flüssig gespielte E-Gitarre kontrastiert angenehm mit den viel ruhigeren, stets angenehmen Gesangsbögen von Amanda Kim Sanderson. In einem deutlich verlangsamten Zwischenteil umspielen sich Saxophon und Synthesizer (beides Kris Aylesburg), bis die Verhältnisse wieder energischer werden und wir dem Finale entgegengrooven. Das war ja schon…

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(40:06, CD, Eigenveröffentlichung, 2021) Fühlen wir doch eingangs den wichtigsten Namen hier mal auf die Fangzähne… Witchdoctors waren/sind Heiler von durch Hexenkunst entstandene Krankheiten. Und ein sticky hickey wäre entweder ein klebriger Knutschfleck. Oder ein klebriges Dingsbums. Als spontan zum Knutschen und dabei lange anhaftend erweist sich auch das Debütalbum dieser bemerkenswert zusammengesetzten Formation. Rezensent ist normalerweise bekennender Rap-Flüchter. Aber der (nur taktweise, dann aber mit authentischem Jahmeycaaaah-Akzent) angerappte Vortrag von Sänger Pablo passt auf Stücken wie dem Titelstück mit seinen rattenscharfen Bläsersätzen (Arrangements von Til Schneider) einfach großartig zu dieser elektrisierenden Mixtur aus Oldschool Funk und Reggae. Das umweltbewegte…

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(71:25, CD, digital, Sempleton Productions (Eigenveröffentlichung)/Just For Kicks, 2021) Mit "Connected" ist dem Quartett aus Chicago ein schöner Qualitätssprung im Vergleich zum auch schon ansprechenden Debüt von 2019 gelungen. Der lässt sich an den nochmal packenderen Melodien festmachen, die auch so einen fast zehnminütigen Brocken wie 'Interrogation Room B' als Aufmacher bestens funktionieren lassen. Außerdem hat sich gesangtechnisch einiges verbessert, hin und wieder klingt es hier schon sehr nach Enchant. Und das ist als dickes Kompliment gemeint. Dazu ist das auch insgesamt lange Opus noch recht abwechslungsreich geworden – Metal-Power Chords? Bitte sehr. Funk-Bass wie von anno dunnemals? You got…

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(42:33, CD, Eigenproduktion/Zoundr, 2021) Der bereits dritte Wurf der Bremer Stadtparanoiker Thomas Schaefer (Bass, Gesang), Björn Göran Detjen (Schlagzeug, Gitarre, E-Piano, Orgel, Gesang). Und erneut ein Homerun? Kann man sagen. Vordergründig poppig-flockig, ja tanzbar gelingt dem Duo das Kunststück – hierin z.B. They Might Be Giants oder Timbuk3 vergleichbar - , dass man den an sich durchaus glaubwürdig wirkenden Mix aus Alternative Rock, Indie Pop, urbanem Folk, Gospel ('Swing Sweet Sin'), Reggae und Ska in Zeitlupe ('Blackboard', 'Almighty Daughter') nie zu 100 Prozent ernst nehmen mag. Oder vielleicht besser gesagt, dass man zu spüren glaubt, dass diese Künstler sich selbst…

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(61:15, CD, digital, Hostile Media/Just For Kicks, 2021) Eine Vollbedienung für Prog-Metal-Fans, das wird gleich anfangs klar, wenn sich das bombastische instrumentale Intro des Titelstücks entfaltet. Und wenn Bandboss und Gitarrist Graham Kean zum ersten Mal zeigt, aus was für Holz er geschnitzt ist. Eine recht edle Sorte nämlich, die mehr in die Richtung Vinnie Moore als z. B. John Petrucci geht. Also mit einem nicht besonders stark verzerrten, leicht näselnden und oft hellauf jubelnden Ton. Und einer Spielweise, die bei allem Riffing und durchaus vorhandenen Speed-Passagen vor allem auf Melodik setzt und daher Töne auch mal etwas länger hält,…

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(49:24, 54:10, 2 CD, digital, Moosicus/MiG-Music, 2021) Hier handelt es sich um den Mitschnitt eines Radiokonzerts aus dem Sendesaal des Radio Bremen vom 14.03.1974. Zum Zeitpunkt der Aufnahmen hatte das Quartett gerade einen Plattenvertrag mit Vanguard ergattert, dem das kommerziell erfolgreiche dritte Band-Album "Winter Light" folgen sollte. Wir erleben folgende Besetzung: Ralph Towner – Gitarre (Keyboard, Trompete) Paul McCandless – Blasinstrumente (Bassklarinette, Flöte) Glen Moore – Kontrabass Collin Walcott († 1984) – Perkussion (Tabla), Sitar, Hackbrett. Für Fans ist die Ausgrabung gerade vom Live-Repertoire her bereichernd, so gibt es z.B. nur je eine Titel-Überschneidung mit sowohl "In Concert" von 1975…

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(49:14, Digital, CD, Vinyl, RareNoiseRecords, 2021) Wikipedia weiß: J. Peter Schwalm (* 1970 in Frankfurt am Main) ist ein deutscher Komponist und Musikproduzent der im Bereich elektronische Musik, Film, Theater, Ballett und Neue Musik tätig ist und einer breiten Öffentlichkeit vor allem durch seine Zusammenarbeit mit dem britischen Musiker Brian Eno bekannt ist. Er lebt und arbeitet in Frankfurt am Main. Diese Zusammenarbeit mit Eno manifestierte sich übrigens u.a. in einem Auftritt in der Bonner Kunst- und Ausstellungshalle, an dem auch Holger Czukay und Jem Atai beteiligt waren. Zu neuen Ufern geht es jetzt mit "Aufbruch", dem Auftakt einer Kooperation…

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(31:09, CD-R, Eigenveröffentlichung, 2021) Und gleich eingangs wieder ´was gelernt, desdawären gleich drei schöne Worte: a) Estompe (fr.: b) Papierwischer), "umgangssprachlich auch c) Schummelnudel genannt, ist ein aus zusammengerolltem Leder oder Löschpapier bestehendes, stiftartiges, unten zugespitztes Zeichengerät" (Wikipedia). Dazu noch einen hierorts bislang völlig unbekanten Musicus (Matthias Schrön, aka Estompen) kennengelernt. Und einen neuen Zustand bei der Musik-Rezeption: estompismatisiert – das liegt so in etwa zwischen fasziniert und bis hart an die Toleranzgrenze schmerzerfüllt. An das geheimnisvolle Opus herangetraut hat sich der Rezensent in erster Linie aufgrund des wundervollen, mit Lebens-Ansichten des Katers Murr ein lebenslanges Lieblingsbuch zitierendes Artworks. Das…

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(49:34, CD, digital, Eigenveröffentlichung/Blank Records Berlin, 2021) Der studierte Cellist Tobias Vethake arbeitet seit 1999 als Komponist für zunächst Werbung, Film und TV-Serien, seit 2004 auch fürs Theater. Das Alter Ego Sicker Man ist nur eines seiner zahlreichen Projekte, aber sicherlich eines der interessantesten, auch und gerade im (wie stets bei uns: im weiteren Sinne) Prog-Kontext erlebt. Das soeben erschienene "Dialog" ist bereits das zweite rein instrumentale Sicko-Release und führt den Wahl-Berliner laut eigenen Aussagen zurück zu … … his earliest musical influences and relying solely on his cello’s expressive voice - an attempt to remeasure the musical field in…

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Unser Excel-Black Belt und ProgStat(ist)iker Christoph hat wie schon in den Vorjahren freundlicherweise auch für das Year of the Plague die folgende traurige Auflistung für Euch erstellt – wie immer völlig ohne Anspruch auf Vollständigkeit der Liste selbst, der angegebenen Referenzen bzw. Genres oder Instrumente. 2020 leider verstorbene Musiker, meist Rock-, teils auch Progrock-Künstler und -Größen Januar 03.01. Bo Winberg (The Spotnicks) Instrumental Rock Gitarre, Dobro, Sitar, Gesang 07.01. Neil Peart (Rush) Progessive Rock Schlagzeug 10.01. Wolfgang Dauner (Et Cetera, United Jazz+ Rock) Jazz, Jazz ‚Rock, Electronic Klavier, Synthesizer 15.01. Geoff Castle (Nucleus, Carmina) Rock, Fusion, Jazz Synthesizer 15.01. David…

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(30:32, CD, LP, Bastardized Recordings/Membran, 2021) Wer mit intensiver Nahhörsturzerfahrungs-Musik mit guten deutschen Texten etwas anfangen kann, wer Napalm Death und Carcass als stilbildende Klassiker begreift und nicht als Auspeitschmucke missversteht, wer gar die "Three of a perfect Pain" alias The Hirsch Effekt verehrt und diese hier noch nicht kennt, der kann das hiermit vielleicht schnell und schmerzarm nachholen: Der Code of Horror des Krefelder AvantGrindCore-Quartetts Japanische Kampfhörspiele (von ihren - laut Band: "weltweit ca. 100" - Fans erschauernd zu "JaKa" abgekürzt) lässt sich u.a. ihren Texten ganz gut entnehmen... 'Der Schweinetransport': Tausende von Kalorien machen Jagd auf Menschen Mit…

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(43:50, Download, CD, CD/DVD (5.1 Mix) Eigenveröffentlichung/RecordJet, 2015) Der zweite Wurf der immer noch jung wirkenden Berliner nach ihrem atemberaubend reif klingenden Debüt "Good Morning Dystopia" von 2009 hält dessen Niveau. Die tiefe Verwurzelung in den Siebzigern wurde hier ein wenig für modernere Sounds und eher verspielt als mächtig klingende Arrangements aufgegeben. Geblieben ist aber günstigerweise Tobias Geberths charakteristischer Gesang zwischen Okta Logue und Steve Harley. Und geblieben sind die warmen, analogen oder zumindest sehr analog anmutenden Sounds (vgl. 'Down To The River'). 'The Sea' startet sehr sanft und vom Piano dominiert, legt dann aber um einige Windstärken zu. 'Black…

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(38:24, Download, CD, LP, The Flenser/Bertus, 2016) The missing link, jedenfalls auf diesen Seiten – dieses beim Autor leider "untergegangene" Album von 2016 war der Vorläufer des starken 2019er Opus "Blasphemy". "PHOBOS" à la Kayo Dot ist kein Mars-Mond, aber durchaus ein wenig furchteinflößend durch seine verhallten, klaren bis eiskalten Elektronik-Klangwelten. Zwar kam sogar ein Chor zum Einsatz sowie haufenweise analoge, alte Instrumente, beispielsweise Violine, Viola, Cello, Kontrabass, Trompete, Flügelhorn, Kirchenorgel, Cembalo, Celesta, Fender Rhodes oder Mellotron. Dominiert wird das Hörerlebnis jeoch von Toby Drivers hier manchmal ein wenig übermenschlich wirkenden Gesang wie bei Bowie etwa der 'Heroes'-Phase, von häufig…

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(62:22, CD, Eigenveröffentlichung/Just for Kicks, 2015) Das ausgezeichnete Album "Sparrows" (2009) der niederländischen Formation The Barstool Philosophers zeigte die Band in internationaler Form und – in Gestalt von Leon Brouwer – mit einem festen Sänger, dem viel von dieser Klasse zu verdanken war. Umso heftiger wird man den Verlust gespürt haben, als sich Leon 2012 final von seinem Barhocker abseilte. Die Situation wurde dadurch noch pikanter, dass zu diesem Zeitpunkt der Zweitling bereits nahezu komplett geschrieben und auch die Backing Tracks dazu bereits im Kasten waren. Doch sie wären keine richtigen Philosophen, wenn die Band nicht geraume Zeit mit einem…

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