(49:54, CD, Digital, I Hate Records/Soulfood, 09.12.2022) Nur keine Hektik. In der Ruhe liegt die Kraft. Deswegen langsam. Ganz langsam. Und noch langsamer… Die Hellenen The Temple strecken auch auf ihrem Zweitwerk, für das man sich (die Gründe sind halbwegs bekannt) ganze sechs Jahre Zeit genommen hat, ihre Tracks Doom-gerecht in die Äonen des Selbstvergessens, während man bei den hier offerierten schleifenden Mächtigsounds wahrlich dem Selbstvergessen entgegenschlittert. Of Solitude Triumphant by The Temple Nach dem hochheiligen, majestätischen Chorintro 'Me To Lichno Tou Astrou' präsentiert das Kollektiv um Sänger/Bassist Father Alex mit 'The Foundations' gleich den längsten Klopper von „Of Solitude…
Autor: Carsten Agthe
(26:52, CD, Vinyl, Digital, Tru Thoughts/Groove Attack, 18.11.2022) Musik wie Samt und Seide. Es gibt sie, Alben, wie Goldfrapps "Felt Mountain" oder Melanie Di Biasios "Lilies", die in Form von Musik gebrachte Sehnsucht und Melancholie vermitteln und auf die Spitze treiben. Oder eben Karolinas viertes Album "All Rivers". Die israelische MC, Gitarristin und Sängerin Keren Avratz aka Karolina kreierte zusammen mit ihrem Landsmann Rejoicer (der produzierte, arrangierte und Jazzgrößen wie Avishai Cohen, Jenny Penkin, Amir Bresler, Eyal Talmudi und Nitai Hershkovits mit integrierte) ein wundersam wundervolles Kleinod aus Afrobeat, Soul, Jazz, Electro und Trip Hop – aufwendig und trotzdem behutsam…
(47:03, CD, Vinyl, Digital, Hammerheart Records, 2022) An epic soundtrack of sorrow and longing as we journey into the unknown. Das klingt nach mehr. Nach viel mehr. Und weiter im Text: "Sorrow, pain, yearning and hope all wrapped up in a solo Doom Metal project by Simon Bibby.". Da kann man sich schon auf eine gehörige Portion tieftrauernde, doommetallige Ungemach einstellen. Nun ist besagter Simon Bibby, der hier sein Solodebüt an den Start wuchtet, eigentlich kein Unbekannter, war dieser doch einst bei Seventh Angel und ist heute bei My Silent Wake aktiv. Hier, auf "Pilgrims On The Path Of No…
(35:41, CD, Vinyl, Digital, Apollon Records/Plastic Head, 2022) Die Orgel am Anfang kommt mit Galopp in Richtung Déjà-vu, das dann doch keines ist, gab es doch schon einmal ein derartige beim 'Frankenstein' der 22 Pistepirkko. Und die Orgel soll es, nebst räudigem Gesang und schmierigem Garage Punk, dann auch sein, die das gesamte Album trägt. "Here Goes Nothing" ist das Debüt der norwegischen Band mit dem vielversprechenden Namen Nix & The Nothings. Here Goes Nothing by Nix & the Nothings In der Garage wird derweil das reichlich schrottreife Gefährt so auf Touren gebracht, dass es gleich mit Vollgas in Richtung…
(47:13, Vinyl, Digital, Seeing Red Records/Kozmik Artifactz, 27.05.2022) Hard’n Stonerrock aus Albuquerque/New Mexico. Das kann nur gut werden beziehungsweise sein, hat doch die Nähe der angrenzenden Wüste doch auch positiven Einfluss auf den staubtrockenen Sound von Blue Heron, die hier, mit "Ephemeral", eigentlich mit ihrem Debüt-Album kommen. Bereits beim Eröffnungsstück 'Futuroia' befindet sich die Band im Kyuss-Modus, mit Riff-Offensive und einem Sänger, der seinen Durst mit Feuerwasser zu stillen scheint. Schon mit dem nachfolgenden 'Sayonara' bewegen sich Blue Heron auf ihrem Höhepunkt, einem Dreizehnminüter mit Sabbath'scher Eloquenz und tatsächlich einem Gitarrensolo. Interims-Instrumentals wie 'Infinition Field' oder 'Where One Went Together'…
(35:21, CD, Vinyl, Digital, Cruz Del Sur Music, 18.12.2022) Da freut es des Metallers Herz. Mit "Pathological" präsentiert Mythosphere nämlich gut abgehangenen Seventies-Hardrock derweil die Ausführenden, wenn man so will, auch gut abgehangen sind. Der neue Stern am Metallhimmel ist nämlich die neue Band beziehungsweise das aktuelle Sideproject der Pale Divines Dana Ortt (vocals, guitar), Darin McCloskey (drums) und Ron McGinnis (bass), die mit ex-Fates Warning Guitarero Victor Arduini das Quartett vollmachten und mit Siebenmeilenstiefeln back to the Seventies stolzieren. Ortts Vocals vereinnahmen (oder versuchen es zumindest) Dickinson und Dio, wobei der hier gefahrene Sound genau in jenem Fahrwasser zu…
(38:55, CD, Vinyl, Digital, Season Of Mist/Soulfood, 11.11.2022) Metal aus Südafrika ist ja nicht unbedingt selbstverständlich, womit Constellatia in diesem Refugium sicherlich zu den Exoten gehören. Auch nimmt man der Band eben nicht ab, Black-Metallische Auswüchse aus Passion zu spielen, weil am Kap der Guten Hoffnung die Verhältnisse nun einmal andere sind als im dunklen Skandinavien. So scheint auf „Magisterial Romance“, dem zweiten Album der Band um ex-Wildernessking-Sänger und -Bassist Keenan Oakes zwar nicht pausenlos die Sonne, wohl ist die Musik dermaßen transparent, dass es der lichten Momente mehr als dunkle gibt. Oakes schreit sich hin und wieder, Acts wie…
(63:08, CD, Vinyl, Digital, Blues Funeral Recordings, 21.10.2022) Schwer wie zähflüssige Lava kriecht der Sound von The Otolith in unsere Gehörgänge, auf dass sich die Zähigkeit auch auf unsere Wahrnehmung ausbreitet. Wer SubRosa mochte, der wird The Otolith lieben. Denn vier Mitglieder, nämlich Sarah Pendleton (violin, vocals), Andy Patterson (drums), Levi Hanna (guitar) und Kim Cordray (violin), und somit zwei Drittel dieser jener Band, finden sich hier wieder. Mit Bassisten Matt Brotherton macht man sich nun auf zu neuen Gestaden, die eigentlich die alten geblieben sind. Nur der Blickwinkel hat sich geändert, verschoben. Respektable sechs Doombrocken knallt uns das Kollektiv…
(39:51, Tape, Digital, Unique Records/PIAS, 14.01.2022) Klingt dramatisch, ist es am Ende aber weniger. Nun sind die Mañana People eben keine Ansammlung von Anhängern der Bruderschaft des Jüngsten Gerichts, sondern einfach nur zwei "einfache" Musiker (aus dem einfachen Städtchen Bonn, die Schlussred.), die "einfache" Musik für "einfache" Leute machen. Gut, bei der Beschreibung machen wir es uns selbst auch zu einfach, zelebriert das deutsch-kolumbianische Duo doch Kleinode aus Freak-Folk, Lo-Fi und Art-Pop, die so zart besaitet und behutsam daherkommen, dass es für "The End Of Our Times" noch längst nicht an der Zeit scheint. Alles wirkt hier seltsam entrückt, nebulös,…
(37:58, Digital, Tape, All Good Clean Records, 11.11.2022) Nach ihrem "Moons Of Uranus", das die Stoner-Szene vor zwei Jahren schon dezent aufmischte, setzen Dune Sea hier zu einem weiteren Höhenflug an. In überschaubaren Rahmen (einzig das finale 'Hevn' macht auf semi-episch) lässt sich jedes Ziel via Warp fast schon in Sekundenschnelle erreichen. Space ist die Devise, was mit einem zünftigen Rock ein Genre definiert, das von den Themen her hoch hinaus will, bezüglich Sound und Heavyness dann aber eher bodenständig zugange ist. Dune Sea nun liefern mit "Orbital Distortion" genügend Argumente, hier eine weitere Großtat in diesem Metier zu vermuten.…
(37:35, Vinyl, Tape, Digital, Schatulle Bömm/Record Jet, 11.11.2022) Honoris Causa? Jein, obwohl H. C. Behrendtsen diesen Titel durchaus zuerkannt bekommen könnten. "Der Ehre wegen". Ehre, wem Ehre gebührt. Und der Math-Rock des Leipziger Trios schrammt schon haarscharf an der Dissertation zum Universitätsprofessor für mathematisch präzise Klangerzeugung vorbei. Aber – H.(ans Arnold), C.(hristian Dähne) und (Konni) Behrendt-sen haben diesen ganzen Bohei überhaupt nicht nötig und überraschen uns aus dem Eiskalten mit einem Debüt, das im ersten Anlauf schwer zu erfassen ist. H. C. BEHRENDTSEN by H. C. BEHRENDTSEN Weil es eben keine klaren Strukturen gibt, an denen man sich festkrallen könnte.…
(102:41, Digital, Eigenvertrieb, 25.11.2022) Nach den aufwendigen Vinyl-Copies des Vorgängeralbums "Laocoön" erscheint das aktuelle Album der amerikanischen Postrocker (vorerst) leider nur digital. Was irgendwie schade ist, fahren Ravena doch einen Sound, der sich vor allem in der haptischen Form überaus gut macht. Nun kommt ganze sechs Jahre nach dem Debüt das zweite Album der aus dem kalifornischen Modesto stammenden Band, die sich über die Jahre vom Trio zum Duo reduzierte (Gitarrist Justin Cook wird hier nur mehr als 'additional musician' gelistet), was man dem Sound dann auch dezent anhört, sind hier, auf „Æther“ die wuchtigen Momente eben nicht mehr so…
(11:03, Vinyl, Digital, Pelagic Records/Soulfood, 02.12.2022) Zweimal Norwegen. Zweimal Oslo. Liegt dann wohl in der Familie. Sozusagen. Die beiden Projekte Sâver und Frøkedal huldigen und ergänzen sich hier, auf dieser kurzweiligen EP. Zwei Tracks beinhaltet eben diese. Einer von den Postmetallern Sâver, einer von dem Folkprojekt der gleichnamigen skandinavischen Elfe Frøkedal. Jeweils von dem Anderen gecovert. Dabei liegen die Ausführenden hier gar nicht so weit auseinander, ja, haben sich in Sound und Gefühlswelt fast schon einander angepasst. Sâver Frøkedal Split EP by SÂVER Eben fast schon auffallend zerbrechlich intonieren die Brachialsounderzeuger um Sänger Ole Christian Helstad das Frøkedal-Kleinod 'Shot-Put', wobei…
(44:00, Vinyl, Digital, Red Lama, 2022) Hier funktioniert er noch – der Klirrfaktor früherer U2-Großtaten. Was nicht bedeuten soll, dass Red Lama bewusst in den Achtzigern steckengeblieben wären. Dafür ist die Musik der Dänen zu zeitlos, zu frisch. Der Sechser, der immerhin mit zwei Gitarren sowie einem Arsenal von Percussion-Instrumenten aufwartet, verbindet Groove mit der Eleganz des Post Rock, was die Songs, allen voran die elegant-pathetischen 'Memory Terrain' und 'Someone', in die Sphären des Rock-Olymp hinaufwuchtet. Dabei ist „Memory Terrain“ noch nicht einmal ein Debüt sondern schon das vierte Album (Bandcamp: "third full album") einer gestandenen Band, die in ihrem…
(72:21, DC, Vinyl, Digital, Milan Records/Sony Music, 2022) Viel liegt an, im Hause Sakamoto. Nicht nur, dass die japanische Musiklegende im Januar dieses Jahres seinen 70. Geburtstag beging, er veröffentlicht demnächst mit "12" gar ein neues Album. Sein erstes nach dem epochalen "async", das auch schon vor sechs Jahren erschien. Hier verarbeitet er in zwölf minimalen Klavierkleinoden tagebuchartig seinen zweieinhalb Jahre währenden Kampf gegen den Kehlkopfkrebs. Erscheinen soll "12" dann genau zu seinem 71. Geburtstag, am 17. Januar 2023. "A Tribute To Ryuichi Sakamoto – To The Moon and Back" nun ist eine Laudatio an den Meister der entspannten bis…
(56:55, CD, Vinyl, Digital, Kapitän Platte/Cargo, 2022) Da steht wieder etwas Großes an. Nach der opulenten, aus den Alben "Berlin 1927", "USSR 1926" sowie "USA 198" bestehenden "Cinematic Trilogy" sowie den "Classical Re:Works", in denen das belgische Quartett Werke von Vivaldi bis Bach im Post-Rock-Kontext präsentierte, kommt mit "Away" nun wieder ein "richtiges" Album. Also eines, das weder Adaptionen anbietet noch einem Konzept untergeordnet ist (bzw. doch, wie der Kapitän der Plattenfirma post festum verlautbarte - im Waschzettel jedoch verschwieg: "eome Neuvertonung zum gleichnamigen lettischen Animationsfilm"). Trotzdem oder gerade deshalb ist auch "Away" ganz, ganz großes Kino. Judith Hoorens' Pianofiguren…
(44:20, Digital, Vinyl, Noisolution/edel, 2022) Das ging ja fix. Gerade erst das Freak Valley gerockt und schon werden die spürbaren Ausschläge in Plastik gepresst. Auf dem diesjährigen Freak Valley Festival zeigten sich Daily Thompson von ihrer besten Seite, hat das Trio aus dem Großraum Dortmund doch mit seinen letzten Platten "Oumuamua" sowie "God Of Spinoza" mächtige Argumente in petto. Fünf Tracks wurden für dieses Release aus dem Gig selektiert, mit dem sich Daily Thompson in der Szene unverzichtbar machten. Dreimal wird der Weltraumzigarre "Oumuamua", die 2017 die Astronomen in helle Aufregung versetzte, Tribut gezollt, zweimal dem "God Of Spinoza" gehuldigt.…
(21:36, Vinyl, Digital, Pelagic Records/Soulfood, 2022) Seinen Namen trägt dieses Release dann wohl zurecht, erscheint die "Heart – EP" als Vinyl in Form eines rosa Herzens. Also macht es schon Sinn, sich dieses Mal auch tatsächlich die haptische Version zuzulegen. Nun ist es so, dass Kjetil "Tall Man" Nernes und Karin "Dark Diva" Park, die gerade als Årabrot ihr bereits neuntes Studioalbum veröffentlicht haben, hier ihre Einflüsse offenlegen. Wobei dieses Kleinformat vier Coverversionen nebst einer 'Prelude' (die eigentlich eine Version des Gainsbourg/Birkin Skandalsongs 'Je t'aime moi non plus' ist) enthält. Erst einmal ist da der Nancy Sinatra-Song ‚'Lightnings', der wirkt,…
(51:38, CD, Vinyl, Digital, Svart Records, 02.12.2022) Das sind Storys, die das Leben schreibt. Die beiden hinter Isafjørd stehenden Protagonisten trafen sich, der Sage nach, auf der Straße ihrer Heimatstadt, die man vermutlich atemlos durch die Nacht durcheilte. Sólstafirs Aðalbjörn "Addi" Tryggvason und Ex-Pain Of Salvation Ragnar Zolberg sind die beiden Figuren, die ab diesem Augenblick nichts anderes machen konnten, als eine Band zu gründen. Und diese geriet mit Isafjørd dann wundersam wie die isländischen Sagen und Mythen. So wie eben auch jener Mythos, dass die Songs dieses Debüt-Albums in einem alten Haus im isländischen Winter auf einem kaputten Klavier…
(20:13, CD, Digital, Atypeek Music, 2022) Da liegen Electronica in der Luft. Hier ist das französische Duo Ghoster dann auch in guter Gesellschaft. Daft Punk, Air oder Justice – das alles sind immerhin französische Projekte mit elektronischer Ausrichtung und Vorzeigestatus. Nun haben sich Ghoster schon mit Werbekampagnen für Chanel N°5 sowie Citroën eine Namen gemacht, wobei man hier schon anmerken muss, dass das nicht unbedingt eine schlechte Credibility ist. Vier Tracks enthält dann die EP, die übersichtlich mit 'Crame 1' bis 'Crame 4' betitelt wurden. Das war’s dann aber auch schon mit interessanten Neuigkeiten. SOMBRE CRAME by Ghoster Weil Ghoster…