Das Blue Moon in Cottbus ist und bleibt ’ne Blaupause!
Das gemütliche Blue Moon in und über Cottbus wird wohl auch für mich zu einem alljährlichen Ritual an der Spree. Atmosphäre, Bands, Publikum sind die verdiente, ja berühmte Blaupause vom Alltag. Einladend in Sachen Organisation, Ablauf, Stimmung und Bandauswahl war man wieder im Soll, nur wirklich schade, dass die guten Colour Haze für den Samstagabend kurzfristig absagen mussten. Da hatte ich mich zugegebenermaßen im Besonderen drauf gefreut. So wurden es mal wieder zwei fast volle Tage in der Lausitz, den dritten musste ich leider passen. Das Wetter war ja eher mau in der Vorhersage, aber zu sehen und vor allem zu hören gab's natürlich am Stück mehr als genug. Erneut nutzte man zwei Bühnen im steten Wechsel, wobei die Sidestage diesmal sogar etwas geräumiger, üppiger in Stellung gebracht wurde als das Mini-Vehikel der letzten Jahre. Für die Frühstarter fand bereits ein erstes kleines Warm-up am Donnerstag im Inneren des Chekov statt, aber kommen wir zu den erlebten Bands …
Freitag:
Narbo Dacal
Dank etwas widriger Anfahrt und alltäglicher Verpflichtungen kam ich erst zu den Polen von Narbo Dacal ins Venue. Die Band aus Krakau um die charismatische Frontfrau Eliza zeigte kraftvoll, dass ihr Debüt "Elysium Now" aus 2023 keine Eintagsfliege war (da muss ich mich glatt nochmal wieder reinhören). Den Bandsound zu definieren, fällt mir ehrlich gesagt nicht so leicht, verschiebt man hier doch viele Elemente aus Sludge, Stoner Doom, Folk, Progressive und Metal auf eigentümliche Weise ineinander und lässt darauf den exaltierten Gesang balancieren. Spannend war's allemal und so kam der meist schwere, heavy Sound gut an beim hochmotivierten Publikum.
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Mephistofeles
Die Argentinier wurden von so manchem beim Blue Moon als Geheimtipp benannt, und ihr Mix aus Doom, Fuzz Rock, Drone und düsterem Stoner Psych hatte auch was, ohne dass ich behaupten würde, das Trio käme mit völlig originellen Klängen um die Ecke. Die Mainstage wurde in jedem Fall amtlich gerockt, manche Riffs mit absolut konsequenter, monotoner Hingabe über jedes Maß ausgereizt. Hier und da drückte man mehr als nur satt auf die Effektgeräte. Mit ordentlich Fuzz auf'm Pedal sorgte die südamerikanisch-sympathisch dröhnende Doomster-Variante im Tageslicht für entspanntes Headbanging und wohlwollende Reaktionen.
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Green Milk From The Planet Orange
Schnell wieder rüber zur kleinen Sidestage, der Platz ist beschränkt direkt vor der Bühne. Bei GMFTPO war ich zugegebenermaßen völlig unbeleckt, und dies ist ja manchmal die perfekte Voraussetzung für den maximalen Überraschungsschock. Drei Japaner – Bassist und Gitarrist sitzend – setzten musikalisch zur komplett energetischen Reizüberflutung an und wurden vermutlich nicht nur für mich zum absoluten Erweckungsmoment. Konventionen, Erwartungen, vorhersehbare Strukturen … forget it. Prog Core, Jazz, verrückte Gitarren-Abfahrten und ganz viel Gefühl für Breaks und Atmosphäre, und fertig ist der niemals definierbare Sound von Green Milk From The Planet Orange. Magnetisierend übertrug sich die Chose innerhalb von Minuten auf jeden weiteren Zuschauer, so viel ist mal sicher. Ausgiebiges Tanzen und positiv überforderte, aber glückliche Gesichter waren das Resultat. Hier hätte ich noch ’ne Stunde gekonnt, obwohl die Musik alles andere als Fast Food darstellt. Es war einfach nur erfrischend, und die drei Japaner freuten sich am Ende über den liebevollen Zuspruch. Dass der Merch-Stand danach unter erhöhter Absatz-Anspannung stand, ist glücklicherweise für die Band wohl selbstredend.
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Zerre
Die Würzburger Zerre hatten für mich persönlich nach dem japanischen Wahnsinn mit ihrer oldschooligen Attitüde aus Thrash Metal und irgendwie Hardcore-Punk-Anleihen einen ganz schweren Stand – bin ich einfach kein Fan dieser Art von Metal. Sympathisch und handwerklich war dies alles ohne Zweifel, und die Jungs wussten, was sie tun, keine Frage. Satte Riffs, eingängige Songs und trotz kurzer technischer Probleme pushte der Sänger mit freudigem Stagediving am Ende sogar nochmal richtig die Stimmung hoch. Definitiv musikalisches Kontrastprogramm und ja, Geschmäckle ist und bleibt nun mal verschieden.
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Wolves In The Throne Room
Die Amerikaner von Wolves In The Throne Room gehören seit Jahren zur Speerspitze des "neuen modernen Black Metal". Eine starke Diskographie und überschaubare Live-Präsenz machten die Headliner-Rolle am Freitag zu einem Muss. Im passenden Licht wirkten die Präsenz und die Aura der Amis wirkungsvoll. Ein tighter Sound mit zwar seltsamen Kurzausfällen in der Technik brachte die Vocals – welche gern im Wechsel untereinander zelebriert wurden – stimmungsvoll zur Geltung. Hymnische, teils doomige Passagen wechselten sich mit den üblichen, intensiv nach vorne treibenden Black-Metal-Ausbrüchen ab und zeigten die Band konzentriert, energisch und auf den Punkt. Es war mein erstes Mal, also kann ich Vergleiche nicht nutzen. Ich empfand das Ganze als sehr atmosphärisch, authentisch und mit der typischen Ernsthaftigkeit performt. Guter, stimmungsvoller Black Metal zur späten Abendstimmung geht ja irgendwie immer.
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Zur mitternächtlichen Stunde war es dann für mich gut, auch wenn viele der Besucher vor Ort (nicht wenige zelten ja direkt auf dem Gelände) noch die Gelegenheit hatten, ins kleine Chekov zum Auslaufprogramm mit den Stoner/Doomstern von From Yuggoth zu wechseln und im Anschluss mit DJane Zofy Zyndikat noch durch die Nacht zu streunern.
Hier noch die Bands vom frühen Nachmittag – sie sollen trotzdem ins rechte Bild gesetzt werden:
Cursed To Occult
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Deaf Giant
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Samstag:
Gavial
Meine zweite Runde Blue Moon 2026 begann ich nach langanhaltendem Dauerregen etwas verspätet. Auf dem Plan standen die Sachsen von Gavial, die ich auf keinen Fall verpassen wollte, konnte mich deren letzte Studio-Rille "Thanks, I Hate It" mit schön entspanntem Slo-Mo/Psych/Blues Rock doch sehr begeistern und so ging es endlich ohne dauerhaften Regen in einen zweiten gemütlichen Abend voller schöner Musik. Im kleinen Sidestage-Office hatte man viel Freude am Auftritt der Band. Ein feiner, tief driftender Live-Sound mit vielen atmosphärischen Bass/Gitarren-Akzenten zeigte, wie gut der warme und eigenständige Klang der vier Jungs nicht nur auf Platte, sondern vor allem auch auf der Bühne in die Synapsen spielt. Ein paar klare, politische Ansagen vom Sänger wollte das letztlich musikinteressierte Publikum mit Lust auf Eskapismus nicht so richtig in sich aufnehmen, was soll's … Ein trotzdem sehr gelungener, intimer Auftritt, der einen gleich gut in die richtige Vibration brachte.
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V'GER Galaxis
Die Cottbuser Lokalmatadoren von V'GER Galaxis bekamen durch die Absage von Colour Haze (leiderrrrr) ihre spontane Chance, die Mainstage zu rocken, und ja, die Jungs haben alles richtig gemacht. Geiler Sound, irgendwo instrumentaler Stoner Rock zwischen Kyuss (ja, das ein oder andere Riff kannte ich, haha) und auch mal entspannt und psychedelisch-luftiger. Sympathisch-lässige Ansagen, kurzweiliger Auftritt und einfach gute Songs, ohne damit ’ne Stoner-Revolution anzetteln zu wollen. Die Jungs waren, soweit ich weiß, die Jahre schon im Nachtprogramm des Chekov. Nun mal eben die Hauptbühne – also der Sprung ins kalte Wasser wurde hiermit perfekt genutzt.
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Skyjoggers
Waren im letzten Jahr die Cannabineros für den Spaß auf der kleinen Sidestage zugange, so durfte man sich in diesem Jahr über die drei Finnen von Skyjoggers freuen, die Outfit-/Frisuren-technisch auf alle Fälle ein liebevolles Schmunzeln provozierten. Sehr sympathische und spielfreudige Zeitgenossen und mit dem 2025er Album "12021: Post-Electric Apocalypse" hat man eine zupackende Rille im Gepäck. Ein neuer Endlos-Longtrack fand sogar zusätzlich in die Setlist und wurde gleich mal live mitgefilmt. Die Jungs sind einfach drei gut aufeinander eingespielte Strahle-Männer, haben Spaß, rocken wie Hölle und die Abfahrt zwischen Stoner, Space- und Vintage Rock mit endlosem Jam-Charakter ließ die Audience feiern und rocken. Selbst ein kleiner Moshpit überraschte am Ende des Sets niemanden mehr, machte der wilde Tanz der Finnen einfach Bock. Songs bis zu einer Viertelstunde sind eher Standard als Ausnahme und mit einem Dauergrinsen im Gesicht kamen die Finnen, sahen und siegten. Geiler Auftritt mit viel Energie auf und vor der Bühne.
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Dead Meadow
Dead Meadow, bereits 1998 in Washington D.C. gegründet, gehören längst zu den Veteranen des Psych/Drone Rock und ja, schön, die Amis im Rahmen des Blue Moon bei langsam schwindendem Licht live zu erleben. Mit "Foundlings" hat man ein neues Album im Gepäck, welches aber eher aus raren Stücken und Cover-Versionen besteht. War man eben noch im Zappelrausch der Finnen Skyjoggers, so entschleunigte das Trio mit seiner in sich gekehrten Mixtur aus Slo-Mo-Neo-Psych, Drone Rock und fast shoegazigem Trip-Sound augenblicklich. Energetisch somit komplett anders, also eher introvertiert, in sich selbst kreisend, konzentriert, ließ der driftende, eher dynamikarme Sound mehr ein Zuhören als Abrocken zu. Diese Art Zentriertheit, der sehr engmaschige Sound, hatte unbedingten Reiz, hätte aber vermutlich auf einer kleinen Bühne eine andere Art Wirkungskraft. Hat mich auf alle Fälle sofort motiviert, die Band zu Hause gleich mal wieder auf Vinyl zu hören.
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1000Mods
Die Griechen sind natürlich seit Jahren ’ne Hausnummer in Sachen modernem Stoner Rock, dürfen sich irgendwie als griechisches Äquivalent zu den Queens Of The Stone Age u.ä. feiern lassen. Keine Frage, tightes Spiel, kraftvolle Power Chords, schnittige Performance und in jedem Fall gute Songs brachten die Jungs mit. Ich mag es ja grundsätzlich eher psychedelisch, aber der Drive und die Energie auf der Bühne waren in jedem Fall mehr als unterhaltend, auf den Punkt und mit sattem Sound für mich ein perfekter diesjähriger Rausschmeißer. Mit den Berlinern Piece und Diane Sister Snake ging es im Chekov noch in die Nacht.
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Piece
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… auch hier noch die Fotos der Bands vom frühen Nachmittag:
Valea Viilor
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Kyuper
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Crimson Creek
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Fazit:
Mit Fu Manchu und Kylesa standen noch zwei größere Namen für Sonntag auf dem Programm, dem konnte ich aus persönlichen Gründen nicht beikommen. Ich sage wie immer danke an das Team vom Blue Moon für ’ne gute, entspannte Zeit voll guter Musik, bei der die Mische aus Vintage, Stoner, Doom, Psych und etwas Metal einfach jederzeit passt. Kleinere Namen und die ausgewählten größeren Bands sind auch 2026 gut justiert gewesen, allemal Respekt dafür! Das kleine, familiäre Desert Fest in Cottbus machte somit aus meiner Sicht wieder alles richtig, was der Zuspruch über die Abende nachweislich aufzeigte. Es ist zum Glück auch zur Headliner-Zeit nie quetschvoll, sondern immer maximal angenehm gefüllt. Die Leute haben ausnahmslos Spaß, die Spree wird von einigen natürlich zum Baden genutzt – Getränke und kulinarische Angebote sind seit Jahren ein fester Bestandteil. Stände mit Shirts, etwas Kunst und natürlich Vinyl machen die kleine Laufmeile perfekt. Ich komme immer wieder sehr gern nach Cottbus und feiere letztlich den Sound jeder Band. Auch diesmal waren wieder einige spannende Trios am Start und es rockteeeee gnadenlos! Danke für die Einladung, Blue Moon, und danke an Jörg Kandziora für wie immer sehr stimmungsvolle Foto-Eindrücke.
Sonntag:
Van Groover
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Acid Sitter
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The Tazers
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Sons Of Arrakis
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Kylesa
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Fu Manchu
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Impressionen:
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Alle Fotos wurden uns freundlicherweise von Kandziora-Photo zur Verfügung gestellt.






























































































