
Hardcore Punk • Noise Rock • Experimental Punk • Art Punk
(36:56; Vinyl, Digital; Loma Vista Recordings/Universal; 10.07.2026)
Drei Jahre ist es her, dass mir beim Roadburn Festival erstmals der Name Show Me The Body begegnete. Live verpasst, blieb zunächst nur der Name hängen – und der weckte bei mir ungefähr die falschen Assoziationen, die ein Bandname nur wecken kann. Irgendwo zwischen Black Metal und finsterem Untergrund hatte ich die New Yorker einsortiert. Wie falsch man doch liegen kann.
Denn als "Alone Together" erstmals seine Runden dreht, beginnt die Überraschung bereits nach wenigen Sekunden: Bläser, wildes Getrommel und Spoken-Word-Elemente im Street-Style eröffnen ein Album, das sich zunächst jeder Erwartung entzieht. Die Beteiligung von Standing On The Corner erklärt diese erste Irritation zwar, doch auch danach bleibt Show Me The Body weit davon entfernt, einfach nur die nächste Hardcore-Band zu sein.
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Natürlich blieb es nicht bei "Alone Together". Nach dieser unerwarteten Begegnung führte der Weg zwangsläufig auch zurück zu den früheren Veröffentlichungen. Und siehe da: Show Me The Body waren noch nie eine Band, die sich gemütlich in irgendeine Genre-Schublade setzen ließ. Hardcore, Noise, Punk, Industrial, Hip-Hop-Einflüsse und experimentelle Klangzerlegung waren schon immer Teil des eigenen Mikrokosmos. Der Unterschied: Auf "Alone Together" wirkt das Chaos weniger wie ein Unfall und mehr wie ein bewusst gesteuerter Kontrollverlust.
Die Bezeichnung Post-Hardcore mag irgendwo auf dem Papier stehen – in meinem Regal findet sie allerdings keinen Platz. Denn was das New Yorker Trio hier veranstaltet, ist deutlich schwerer zu greifen. Die Grundlage bleibt roher Hardcore, irgendwo zwischen der kompromisslosen Energie von Black Flag und einer unüberhörbaren Americana-Note. Das zentrale Alleinstellungsmerkmal bleibt dabei das wohl ungewöhnlichste Instrument im aktuellen Hardcore-Zirkus: Das verzerrte, durch Effektgeräte gejagte Banjo von Julian Cashwan Pratt ersetzt die klassische Gitarre und verleiht der Band einen Sound, den man kaum mit jemand anderem verwechseln kann.
Doch das Banjo ist nur die Spitze des Eisbergs. Show Me The Body haben gelernt, ihre eigene Abrissbirne gezielter einzusetzen. Die rohe Energie ist weiterhin vorhanden, aber sie wird von mehr Struktur und Klarheit zusammengehalten.
Bereits 'Eat For Peace' ist das Paradebeispiel für das Konzept Show Me The Body: maximal aggressiv, aber mit einer völlig eigenen Klangsprache. Der Song ist kein einfacher Hardcore-Angriff, sondern ein Statement dafür, wie weit sich die Band von klassischen Genregrenzen entfernt hat.
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'No God' funktioniert dagegen zunächst wie ein musikalischer Überfall. Der Song erschließt sich nicht sofort, sondern überrollt den Hörer erst einmal. Erst nach mehreren Durchläufen werden die Strukturen sichtbar, bis sich aus dem scheinbaren Chaos plötzlich eine Melodie herausarbeitet.
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Mit 'Good Time' zeigt die Band eine andere Seite. Der Song ist groovy as fuck, nur um diese vermeintliche Zugänglichkeit sofort wieder mit dissonanten Momenten zu brechen. 'Dance In The USA' macht seinem Namen ebenfalls alle Ehre – allerdings nicht als Aufforderung zum entspannten Tanzabend. Hier geht es um Pogo, unterstützt von spannenden elektronischen Einsprengseln, die den Hardcore-Kern weiter aufbrechen.
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Eines der Highlights des Albums ist 'Do What's Right (Happy)'. Hier entsteht die Heaviness nicht durch maximale Geschwindigkeit oder brachiale Gewalt, sondern durch Langsamkeit und Tiefgang. Doomige Schwere, Sludge-Kante und Grunge-Anleihen verwandeln den Song in eine tonnenschwere Wand, die keine Eile benötigt, um Wirkung zu erzielen.
'Interlude' ist die musikalische Verschnaufpause des Albums. Die Bläser kehren zurück, dazu gesellt sich eine deutliche Hip-Hop-Atmosphäre – ohne dass Show Me The Body tatsächlich zum Rap-Act werden. Es bleibt eine weitere Momentaufnahme dieser Band, die lieber mit Andeutungen arbeitet, als sich eindeutig festzulegen.
'See You Again' gehört zu den ruhigsten Momenten der Platte. Das Banjo rückt in den Vordergrund und klingt hier deutlich weniger verzerrt, fast verletzlich. Zusammen mit der Hip-Hop-Rhythmik entsteht einer der emotionalsten Songs des Albums und zeigt, dass Show Me The Body nicht ständig mit der Abrissbirne arbeiten müssen.
'Mileage' ist der Moment, in dem der Hardcore-Panzer plötzlich durch ein Schlammloch fährt und dabei merkt, dass genau das verdammt viel Spaß macht. Sludge in Reinform – schwer, dreckig und zäh, ohne die eigene Identität zu verlieren.
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'New Line' verzichtet dagegen auf Umwege. Kompakt und direkt trifft der Song wie ein Schlag in die Magengrube. Keine langen Erklärungen, kein unnötiger Aufbau – einfach Wirkung.
Mit 'Trust' lässt die Band tatsächlich so etwas wie Hoffnung zu. Natürlich nicht, ohne vorher noch ein paar Noise-Schrauben in die Mechanik zu drehen. Southern-Rock-Anklänge treffen auf Noise-Flächen und Spoken Word, bevor sich aus einer vorsichtigen Melodie ein gewaltiger Abschluss entwickelt.
'Finale' ist anschließend der Hip-Hop-lastige Abspann mit Bläsern. Eigentlich läuft der Abspann bereits, das Licht geht langsam an – nur hat Show Me The Body offenbar vergessen, nach Hause zu gehen. Statt eines klassischen Schlussakkords bleibt noch ein letzter schräger Gruß aus diesem völlig eigenwilligen Klangkosmos.
Der eigentliche Abschluss gehört schließlich dem Titeltrack 'Alone Together'. Beats, Rap-Elemente, Metal-Riffs, Industrial-Einflüsse und die gesamte emotionale Spannung zwischen Wut und Hoffnung treffen hier aufeinander. Dazu gesellt sich eine Melodie, die mich tatsächlich kurz an das Thema von "Knight Rider" denken lässt – ein Vergleich, der vollkommen absurd klingt und im Universum von Show Me The Body trotzdem erstaunlich gut funktioniert.
Auch lyrisch bleibt die Band kompromisslos. Zwischen Isolation, Verlust, Selbstzweifeln und dem Gedanken von Gemeinschaft geht es nicht um einfache Parolen, sondern um die Frage, wie Überzeugungen tatsächlich gelebt werden können.
Radical Love Compels Me To Fight
Der Satz ist weniger ein pathetischer Slogan als eine Aufforderung, sich nicht mit Rückzug und Gleichgültigkeit abzufinden. Die persönliche Tragik im Hintergrund verleiht diesen Aussagen zusätzliche Schwere, ohne dass Show Me The Body daraus emotionales Kapital schlagen.

Wer die völlig entfesselte Rohheit früherer Tage sucht, könnte die kontrolliertere Ausrichtung von "Alone Together" kritisch sehen. Der dreckige Schlag aus dem Hinterhof wurde durch den organisierten Aufstand ersetzt. Aber keine Sorge: Die Abrissbirne hat ihre Zähne behalten.
Show Me The Body bleiben unbequem, eigenwillig und angenehm schwer einzuordnen. "Alone Together" ist ein Album, das ständig auseinanderbrechen möchte und genau dadurch zusammengehalten wird. Und manchmal muss man eben drei Jahre nach einem verpassten Roadburn-Auftritt feststellen, dass hinter einem Namen, den man lange nur gehört hat, tatsächlich eine der eigenständigsten Bands des aktuellen Hardcore-Universums steckt.
Bewertung: 13/15 Punkten
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Besetzung:
• Julian Cashwan Pratt - Gesang, Banjo
• Harlan Steed - Bass
• Nijol Benjamin - Schlagzeug
Gastmusiker:
• Standing On The Corner - Bläser, zusätzliche Arrangements, Klanggestaltung
Surftipps:
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Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise von Starkult zur Verfügung gestellt.

