
Post Metal • Gothic Metal • Shoegaze • Doom Metal
(40:25; Vinyl, CD, Digital; Prosthetic/MNRK Heavy/OPEN; 26.06.2026)
Manche Alben lassen sich einfach nicht vernünftig in eine Schublade stecken. Bei Junius und "Sotera" müsste man vermutlich gleich eine ganze WG einrichten: Paradise Lost, Type O Negative, Katatonia, My Dying Bride, A Perfect Circle, Deftones, Manes und Cult Of Luna würden gemeinsam einziehen. Eine ziemlich düstere Wohngemeinschaft – aber eine, in der erstaunlich harmonisch musiziert wird.
Der Titel passt dabei fast schon unverschämt gut: "Sotera" steht im Griechischen für Rettung, Heil und Bewahrung, während der Begriff in der Psychiatrie eine offene Wohngemeinschaft für Menschen in akuten Krisen beschreibt. Bei Junius ist diese Krise allerdings weniger Zusammenbruch als kontrollierte Klangtherapie.
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Nach fast zehn Jahren Pause fühlt sich "Sotera" tatsächlich wie eine Wiedergeburt an. Junius errichten keine stumpfen Post-Metal-Betonklötze, sondern weitläufige Klangkathedralen aus Shoegaze-Flächen, schweren Riffs, Gothic-Melancholie und gelegentlichen Industrial-Post-Punk-Kanten, die an Killing Joke erinnern. Die Musik schwebt, drückt und wächst – und entfaltet ihre volle Wirkung erst mit etwas Geduld.
Doch genau hier liegt die eigentliche Stärke der Bostoner: Bei all der Dunkelheit vergessen sie niemals die Schönheit. Die Hooklines sind großartig, die Melodien zum Verlieben. Junius verstecken ihre Ohrwürmer nicht hinter Nebel, Pathos und schweren Gitarrenwänden, sondern setzen sie ganz bewusst ins Zentrum. Die Schwere zieht hinein, die Melodie hält fest.
Joseph E. Martinez liefert dazu eine Stimme zwischen Nick-Holmes-Klangfarbe und Aaron-Stainthorpe-Phrasierung: dunkel, leidend, beschwörend. Perfekt für ein Album, das lyrisch Hekate, Lucifera, Orakel und Transformation beschwört. "Sotera" ist weniger eine klassische Geschichte als ein Ritual aus Tod, Wiedergeburt und innerer Wandlung.
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Und trotz all der Etiketten – Post Metal, Shoegaze, Gothic, Doom und Industrial – tauchen immer wieder progressive Elemente auf. Nicht in Form von virtuosen Selbstzweck-Ausflügen, sondern durch die großen Spannungsbögen, die detailreichen Arrangements und die Art, wie Junius ihre Songs langsam entfalten. "Sotera" sprengt keine Genregrenzen mit der Brechstange, sondern lässt sie elegant ineinanderfließen.
Am Ende bleibt eine musikalische WG, in der die alten Gothic-Doom-Mitbewohner zwar die dunklen Tapeten aufgehängt haben, aber jemand heimlich die Fenster geöffnet und ein paar Sonnenstrahlen hereingelassen hat.
Bewertung: 123/15 Punkten (FF 13, RB 13)
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Credit: Matt Darcy[/caption]
Besetzung:
• Joseph E. Martinez - Gesang, Gitarre, Synthesizer
• Dana Filloon - Schlagzeug
• Orion Wainer - Bass
• Eoghan McCarthy - Gitarre
• Matthew Vincenty - Gitarre
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Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise von Oktober Promotion zur Verfügung gestellt.

