The Pineapple Thief – Give It Back

0
The Pineapple Thief - Give It Back (Kscope/Edel, 13.05.22)

Credit: Carl Glover

(54:06; Vinyl, CD, CD & Blu-ray, Digital; Kscope/Edel, 2022)
Schon wieder eine neue Veröffentlichung von The Pineapple Thief und schon wieder kein neues Studio-Album? Nur indirekt! Denn nach den akustischen Interpretationen der “The Soord Sessions” und dem Live-Stream-Album “Nothing But The Truth” beglücken uns die Briten nicht einfach nur mit einer weiteren Kompilation, welche die ersten 15 Jahre der Band-Geschichte abdeckt. Stattdessen führen sie genau jenes Konzept fort, mit dem sie ihre Fans schon in Form des 2020er Record-Store-Day-Releases “Uncovering The Tracks” angefüttert haben. Nämlich einer Neu-Aufnahme ausgesuchter Stücke, gemeinsam mit Gavin Harrison, lebende Schlagzeuger-Legende und aktuellem Mitglied von King Crimson und Porcupine Tree sowie seit dem 2016er Album “Your Wilderness” als festes Bandmitglied auch bei den Ananas-Dieben.

Dass die Ankündigung einer solchen Zusammenstellung einem vollwertigen neuen Studio-Album gleichzusetzen ist, muss man wahrscheinlich nur denjenigen erzählen, die The Pineapple Thief erst nach 2016 kennengelernt haben. Sowie jenen, die sie nach 2016 nie mehr live gesehen haben. Denn so viel kann man sagen ohne auch nur im Geringsten zu übertreiben: Seit dem Dazustoßen von Gavin Harrison sind Bruce Soord, Steve Kitch und Jon Sykes musikalisch in die höchste Liga des Art Rock gestoßen; sowohl kompositorisch als auch spieltechnisch. Besonders deutlich wurde dies bei einem Stück wie dem vom 2018er “Dissolution”-Album stammenden ‘White Mist’, bei welchem dem Schlagzeug quasi die Funktion eines Lead-Instrumentes zukommt. Vor allem aber auch immer wieder auf den Bühnen der Konzertsäle, sobald sich die Engländer daran machten, eines ihrer alten Stücke live aufzuführen. Denn mit der Unterstützung Harrisons erlebten diese Lieder eine wahre Transformation.

Natürlich könnte man jetzt sagen, dass man das doch alles schon auf den diversen Live-Alben der letzten Jahre gehört hat. Ein Einwand, der genauso berechtigt wie falsch ist. Denn Gavin Harrison spielte für “Give It Back” nicht nur das Schlagzeug neu ein, auch die übrigen Instrumente wurden von seinen Kollegen komplett neu aufgenommen. Doch selbst hier war noch nicht Schluss, da Harrisons Interpretationen in Bruce Soord die Geister der Inspiration weckten. Stücke wurden umarrangiert, um neue Teile erweitert und manchmal auch gekürzt. Und manche halbgaren Texte fanden endlich zu einem für Bruce Soord nun stimmigeren Ende. Es wäre mühselig, alle Veränderungen in einem Eins-zu-Eins-Hörvergleich der verschiedenen Versionen herauszufiltern. Vieles ist augenscheinlich, anderes eher subtil. Fest steht jedenfalls, dass v.a. die Rewired-Versionen ganz alter Stücke wie beispielsweise ‘137’ oder ‘Start Your Descent’ viel wärmer, runder und voller klingen. Selbst im Vergleich zu den Remasters. Und manche Unterschiede drängen sich einem so sehr auf, dass sie einen nie wieder verlassen werden. Denn wer einmal ‘Build A World’ mit Vibraphon-Klängen gehört hat, der möchte niemals wieder zum Original zurückkehren müssen.

Teapot of the Week

“Teapot of the Week” auf Betreutes Proggen in der KW19/2022

Und so muss man gestehen, dass Gavin Harrison das Beste ist, was The Pineapple Thief und vor allem Bruce Soord passieren konnte. Denn geniale Songwriter brauchten in der Vergangenheit immer wieder einen kongenialen Partner, um über sich hinauszuwachsen. Wie viele Leute würden wohl heute Paul McCartney kennen, wäre er nicht zuvor auf John Lennon gestoßen..?
Bewertung: 13/15 Punkten (WE 11, FF 13, MK 12, KR 12)

Besetzung:
Bruce Soord (Gitarre & Gesang)
Gavin Harrison (Schlagzeug)
Steve Kitch (Keyboards)
Jon Sykes (Bass)

Diskografie (Studioalben):
“Abducting The Unicorn” (“Abducted At Birth”) (1999/2017)
“One Three Seven” (2002)
“Variations On A Dream” (2003)
“10 Stories Down” (2005)
“Little Man” (2006)
“What We Have Sown” (2007)
“Tightly Unwound”” (2008)
“Someone Here Is Missing” (2010)
“All The Wars” (2012)
“Magnolia” (2014)
“Your Wilderness” (2016)
“Dissolution” (2018)
“Versions Of The Truth” (2020)
“Give It Back” (2022)

Surftipps zu The Pineapple Thief:
Homepage
Facebook
VKontakte
Instagram
Twitter
MySpace
Bandcamp
Soundcloud
YouTube Music
YouTube
Spotify
Apple Music
Amazon Music
Deezer
Tidal
Napster
Qobuz
Shazam
Last.fm
Discogs
MusicBrainz
ArtistInfo
Prog Archives
Wikipedia

Konzertbericht: 26.10.21, Mainz, Kulturzentrum
Rezension: “The Soord Sessions Volume 1-4” (2021)
Rezension: “Versions Of The Truth” (2020)
Rezension: “Hold Our Fire” (2019)
Konzertbericht: 28.09.18, Köln, Live Music Hall
Rezension: “Dissolution” (2018)
Rezension: “Where We Stood” (2017)
Konzertbericht: Köln, Luxor, 13.09.17
Konzertbericht: 25.01.17, Oberhausen, Zentrum Altenberg
Rezension: “Your Wilderness” (2016)
Interview: Bruce Soord, The Pineapple Thief, zu “Your Wilderness” (2016)
Rezension: “Magnolia” (2014)
Rezension: “Build A World” (EP) (2013)
Rezension: “All The Wars” (2012)
Rezension: “Show A Little Love” (2011)
Rezension: “Someone Here Is Missing” (2010)
Rezension: “Tightly Unwound” (2008)
Rezension: “What We Have Sown” (2008)
Rezension: “Little Man” (2006)
Rezension: “10 Stories Down” (2005)
Rezension: “4 Stories Down” (EP) (2005)
Interview With Bruce Soord (2003)
Rezension: “Variations On A Dream” (2003)
Rezension: “137” (2001)
Rezension: “Abducting The Unicorn” (1999)

Abbildungen: Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise von CMM-online zur Verfügung gestellt.

image_pdfArtikel als PDF herunterladenimage_printArtikel drucken
Teilen.

Über den Autor

1978 in Traben-Trarbach geboren und seit 2014 in Köln ansässig bin ich noch immer ein echter Globetrotter. Ziehe ich gerade einmal nicht trampend und couchsurfend mit meiner Frau Inga durch die Welt, so arbeite ich als Sozialpädagoge in der Inklusionsbegleitung sowie in der Einzelfall- und Familienhilfe. Nebenberuflich bin ich als Stadtführer für Free Walk Cologne tätig. Außerdem nähen Inga und ich hin und wieder noch immer unsere Travelling Monkeys, handgefertigte Stoffaffen. Musikalisch in den 90ern sozialisiert, wuchs ich mit Grunge (Pearl Jam, Nirvana), Prog (Marillion, Dream Theater), Punk (Bad Religion, NoFX), Gothic Metal (Paradise Lost, My Dying Bride) und Crossover (Rage Against the Machine, Faith No More) auf. Für mich sind die letzten zehn Jahre musikalisch so ziemlich die spannensten, die ich bisher erlebt habe, da in dieser Zeit viele jener verschiedenen Stile musikalisch zusammengführt worden sind.

Antworten

Hinweis: Mit dem Absenden deines Kommentars werden Benutzername, E-Mail-Adresse sowie zur Vermeidung von Missbrauch für 7 Tage die dazugehörige IP-Adresse, die deinem Internetanschluss aktuell zugewiesen ist, in unserer Datenbank gespeichert. E-Mail-Adresse und die IP-Adresse werden selbstverständlich nicht veröffentlicht oder an Dritte weitergegeben. Du hast die Option, Kommentare für diesen Beitrag per E-Mail zu abonnieren - in diesem Fall erhältst du eine E-Mail, in der du das Abonnement bestätigen kannst. Mehr Informationen finden sich in unserer Datenschutzerklärung.

The Pineapple Thief – Give It Back

von flohfish Artikel-Lesezeit: ca. 3 min
0