District 97 – Screenplay

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District 97 - Screenplay (Cherry Red, 26.3.21)(54:31 + 79:09, CD, Digital, Cherry Red Records/Just For Kicks, 2021)
Eigentlich haben District 97 in ihrer knapp 15-jährigen Karriere vieles richtig gemacht. Spätestens seit dem Einstieg von Sängerin Leslie Hunt fand man einen progmusikalischen Weg, der überaus gekonnt Komplexität mit Melodik vereinte. Dazu fungierte die Band aus Chicago als zeitweilige Begleitband von John Wetton und ließ dessen King Crimson-Ära wieder aufleben. Mit ihrem 2019er Studioalbum „Screens“ im Gepäck trat die US-Formation im Herbst des gleichen Jahres in der legendären Boederdij im holländischen Zoetermeer auf, was nun in um diverse Bonustracks ergänzt als umfangreiches Tondokument vorliegt.

Der erste Teil des Konzert, der das komplette „Screens“ Album umfasst, überzeugt als wuchtiger Mix aus verschachtelt gestaltetem Progressive Rock bzw. Progressive Metal und diversen Jazz-Rock-Schlenkern und lässt deutlich erkennen, was qualitativ und musikalisch in dieser Band steckt. Leider kommt sie noch immer nicht über den Geheimtipp-Status hinaus, was sich leider auch an den eher überschaubaren Publikumsreaktionen erkennen lässt.

Das hält jedoch den Fünfer – neben Frontfrau Leslie Hunt, bestehend aus Andrew Lawrence (Keyboards), Jim Tashjian (Gitarre, Gesang), Tim Seisser (Bass), Jonathan Schang (Schlagzeug, Percussion) – nicht davon ab, eine fulminante und sehr spielfreudige Performance abzuliefern. Da wird zeitweilig kräftig Gas gegeben, aber genauso lässt man Ruhe einkehren und es gelingt District 97 einen mehr als ansprechenden Spannungsbogen in ihrer modernen Progressive Rock-Interpretation voller interessanter Wendungen einzuweben.

Der zweite Tonträger hinterlässt dann eher einen etwas unhomogenen Eindruck. Denn neben einigem originären Material, dem komplett neuen, sehr gelungen Studiotrack ‚Divided We Fall‘ und weiteren Titeln, die vom gleichen Konzert wie CD1 stammen, sind hier eine Reihe durchaus erwartbare, wie auch unerwartete Coverversionen aus anderen Konzerten der Jahre 2010-2018 zu vernehmen. Manche davon beeindrucken, andere hinterlassen jedoch einige Fragezeichen hinterlassen.

Das King-Crimson-Material ‚Red‘ und das noch mit John Wetton aufgenommene ’21st Century Schizoid Man‘ funktioniert bestens. Genauso wie auch die Bill-Bruford-Nummern ‚Travels with Myself – And Someone Else‘ sowie ‚Fainting in Coils‘ virtuosen jazz-musikalischen Reiz ausströmen. Auch Genesis‘ ‚Back In N.Y.C.‘ oder ‚Long Distance Runaround‘ von Yes passen zur Band. Doch die von Gitarrist Jim Tashjian intonierte John-Lennon-Nummer ‚Jealous Guy‘ ist eher vernachlässigbar, das fröhliche ‚Walking On Sunshine‘ im Original von Katrina & The Waves immerhin ein netter Rausschmeißer.

Damit bekommt man einen umfangreichen Doppelpack von District 97, der über weite Strecken deren Klasse ebenfalls im Live-Kontext bestens transportiert. Die zweite CD ist größtenteils eine nette Dreingabe – nicht unbedingt essentiell, aber meistens sehr unterhaltsam.
Bewertung: 11/15 Punkten

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Kurzfilm ‚Ghost Girl‘

Abbildungen: District 97

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Über den Autor

Höre eigentlich alles quer durch den bunten Gemüsegarten des Progressive Rocks, vergesse dabei aber auch nicht den Blick über den Tellerrand hin zu "normaler" Rock- und Popmusik, auch wenn mir vom aktuellen Mainstream leider immer weniger gefällt.

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District 97 – Screenplay

von Kristian Selm Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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