Multi Story – CBF10

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(57:49, CD, F2 Music / Just For Kicks, 2020)Multi Story - CBF10 (F2 Music/JFK, 6.11.20)
Schön, dass Multi Story sich nach dem 2016 mit dem Album “Crimson Stone” eingeleiteten Comeback nicht gleich wieder aufs Altenteil verziehen. Mit “CBF10” liegt nun das zweite Post-Reunionierungs-Album vor, was effektiv bedeutet, dass die Band quantitativ mit ihrer ersten Periode gleichzieht. Dank eines extrem cool aufgemachten Digipacks mit 24seitigem Booklet und einem schönen Frontcover, für das Tonny Larsen von den Kollegen von ProgPlanet.com verantwortlich zeichnet, freut man sich als Sympathisant der Band natürlich sofort über das neue Lebenszeichen.

Von “harten” Proggern werden Multi Story ja gerne als Leichtgewichte abgetan, da auf den bisherigen Alben der AOR-Anteil ziemlich exakt in Balance mit dem Neoprog-Element stand. Fans der Band argumentieren hingegen durchaus zurecht, dass sich Multi Story mit dieser Mixtur einen gewissen Wiedererkennungswert im Neoprog-Zirkus erarbeitet haben. Nun, “CBF10” zeigt schon an der Länge der Songs, dass sich das Gewicht 2020 in Richtung proggiger Klänge verschiebt. Nur drei von neun Songs bleiben unter der Sechs-Minuten-Grenze, und ebenfalls drei laufen über acht Minuten lang. Auch sind die Gitarrenriffs deutlich kantiger und tendenziell härter geraten, als man das bisher von der Band gewohnt war. Dafür bleibt leider die bisherige Trumpfkarte der Band diesmal größtenteils außen vor: das Erschaffen von großartigen, ohrwurmhaften Hooklines. Viel bleibt nämlich diesmal nicht hängen, auch nicht beim dritten, vierten Durchgang, dafür entlarvt das mehrfache Hören unglücklicherweise einige Momente, in denen sich die Band kräftig mit den Arrangements verzettelt. So klingt der eigentlich sehr catchy ausgefallene, an Galahad erinnernde Refrain des Vierminüters ‘Freeway Army’ dank der holprigen Drums ziemlich chaotisch, und die Wendungen in Songs wie dem Opener ‘Signs And Traces’ oder ‘Celluloid Star’ prallen recht ungelenk aufeinander, ohne den Eindruck eines gewollten Ganzen zu erwecken. Gelungener sind da das akustikgitarrenlastige ‘Rebel Inside’ oder der dreieinhalbminütige Rocker ‘Firing On Six’, der an alte Magnum (circa ‘The Eleventh Hour’), die Goalby-Phase von Uriah Heep oder auch Saracen erinnert – beide klar an den traditionellen Band-Sound erinnernd.

Wie man’s aber dreht und wendet, der größte Knackpunkt bei “CBF10” ist die Produktion. Natürlich, die war schon auf “Crimson Stone” nicht ideal ausgefallen, aber die Hoffnung, die Band hätte in den vergangenen vier Jahren dazugelernt und würde einen Schritt nach vorne machen, hat sich leider ganz und gar nicht erfüllt. Eher das Gegenteil ist der Fall: matschig, undurchsichtig und dumpf klingt das Ganze, zusätzlich belastet durch ein ziemliches Ungleichgewicht der Instrumente. Meist steht der Gesang zu weit isoliert im Vordergrund, quasi zum Ausgleich wird er bei anderen Songs fast erdrückt. Auch enthalten einige Songs – der erwähnte Opener ist einer davon – Gesangstakes, bei denen Paul Ford hörbar ein gutes Stück am richtigen Ton vorbeischrammt. Auch im Gitarrenbereich zeigen sich deutliche klangliche Defizite. Gerade, wenn man versucht, eine etwas härtere Gangart zu fahren, sollte ein druckvoller Gitarren- und Drumsound eigentlich die Regel sein, aber “CBF10” enttäuscht in beiden Disziplinen. Auch die Drums, die bei drei Songs auch uncoolerweise noch aus dem PC oder einer Drum Machine stammen, können soundtechnisch nicht punkten, klingen drucklos und muffig. Warum die Band sich nicht entschieden hat, das ins erwähnt aufwändig gestaltete Booklet gesteckte Geld besser in eine ordentliche Produktion respektive einen vernünftigen Mix zu stecken, bleibt fraglich – und erscheint subjektiv betrachtet als klarer Fall von falsch gesetzten Prioritäten.

So bleibt ein offen gesagt enttäuschendes Album, das statt einer Weiterentwicklung einen Rückschritt darstellt. In einer Ära, in der eine zumindest ordentlich klingende Produktion für jeden Hobbymusiker erreichbar und erschwinglich ist, müssen sich auch in die Jahre gekommene Helden am zeitgemäßen Standard messen lassen – und “CBF10” klingt im Vergleich zu 90 Prozent der aktuellen Eigenproduktionen einfach zu unausgegoren. Selbst eingefleischten Fans der Band sei also diesmal eine vorherige Hörprobe empfohlen. Schade.
Bewertung: 6/15 Punken

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SaschaG

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von SaschaG Artikel-Lesezeit: ca. 3 min
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