dCoded – Perceptual Isolation

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(53:54, Digital, Eigenveröffentlichung, 2020)
dCoded aus Barcelona sind wahrscheinlich den meisten hier Lesenden noch gänzlich unbekannt. Das Trio existiert bereits seit 2012 und erschien erstmals mit dem 2016 veröffentlichten Album “Synapse” auf der internationalen Bildfläche. So richtig ist dCoded der Einstand vor vier Jahren noch nicht gelungen. Am 01. April 2020 jedoch wurde in Eigenveröffentlichung das Nachfolgewerk “Perceptual Isolation” nachgelegt. Deutlich gefestigter und mit mehr Selbstvertrauen präsentieren die drei Katalanen hier fast eine Stunde instrumentale Musik auf sieben neuen Stücken. In einem Punkt stimmt dieser Satz nicht, aber dazu später mehr.

Bassist Xavier Orga, Schlagzeuger David Marcè und Gitarrist Victor Martínez haben ein Faible für abwechslungsreiche Themen, progressive Strukturen und gelegentliche, sehr interessante Samples. Im Lied ‘Demagogy’ wird Donald J. Trumps berühmte Phrase “We will make America great again” zum Aufbau der Spannung über eine Bridge gelegt.

Musikalisch grasen dCoded ein weites Feld ab. Selbst grenzen sie ihren Stil in Instrumental, Progressive und Post Rock ab. Der Eröffnungstitel ‘Serial Communication’ passt auch sehr gut in dieses Schema mit seinen angenehmen Prog-Riffs und der düster-rauen Post Rock-Atmosphäre. Spätestens ab dem zweiten Lied ‘Soundwaves’ jedoch offenbaren dCoded, dass sie auch unheimlich gerne funky Licks spielen. Über das Album verteilt werden Funk-Motive an allen drei Instrumenten mal mehr und mal weniger in den Vordergrund gehoben.

Angenehm ist vor allem, wie dCoded Mal um Mal über gekonnte Übergänge von sehr rabiaten Post Rock-Passagen in komfortable Funk-Lounges und wieder zurück gleiten. Das beste Beispiel hierfür ist der Song ‘Adriana’s Maze’, auf dem die Band in weniger als einem Wimpernzucken zwischen sanften Klängen und heftigen Riffs wechselt.

Wenn dCoded mal nicht funky durch die Gegend tanzen oder mit finsterem Post Rock auf den Putz hauen, bewegen sie sich in anmutigen Prog-Figuren. In einigen der ruhigen Parts können gewisse Parallelen zu frühen Russian Circles gezogen werden. Aber abgesehen davon bewegen sich dCoded äußerst frei in ihrem wilden Tanz durch Genres, Takte und Tempi. Abwechslungsreich ist wohl das Prädikat, das hier am besten angebracht ist. Auf ihrem zweiten Werk schaffen es dCoded, dass ihre Musik niemals eintönig oder ausgeleiert erscheint. Spannungsbögen heben und senken sich und es bleibt stets spannend, hier zuzuhören.

Und dann ist da noch der Bonus Track für alle, die sich das Album auf Bandcamp holen möchten, statt es zu streamen. Als einziges Lied, das nicht neu, nicht von dCoded geschrieben und nicht instrumental ist, bildet dieser Bonus den Abschluss des Albums. Es handelt sich um eine sehr starke Cover-Version von Massive Attacks ‘Teardrop’. Am Gesang hat hier Vanesa Paris einen grandiosen Gastpart.

Mit ihrem zweiten Album “Perceptual Isolation” sollte dCoded eigentlich ein deutlicherer Durchbruch gelingen. Denn das Album strotzt vor versatilen und eindrucksvollen Songs. Interessanterweise funktionieren die Übergänge innerhalb der Stücke so reibungslos, dass manchmal die Verbindung zweier Songs untereinander etwas auf der Strecke bleibt.
Bewertung: 13/15 Punkten (RG 13, KR 11)

Surftipps zu dCoded:
Homepage (kommt bald; Stand: 13. April 2020)
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Über den Autor

Raphael Lukas Genovese

Kontemporär in Würzburg ansässig. Irgendwo zwischen Punk, Psychedelic, Kraut, Wahnsinn und Jazz zuhause.

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dCoded – Perceptual Isolation

von Raphael Lukas Genovese Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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