Leprous – Malina

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(58:56, CD, InsideOut Music/Universal, 2017)
„Live at Rockefeller Music Hall“ war für Leprous ein fulminanter Schlussstrich unter das bisher Erreichte. Dass die Norweger ihre Karriere nicht nach der Devise „Höher, schneller, weiter“ fortsetzen wollen, spiegelt ihr aktueller Output „Malina“ wider.

Hier wirkt alles ein paar Gänge zurückgeschaltet, weniger überfrachtet und überladen, dafür konzentrierter auf den Punkt gebracht. Dabei weisen die elf Tracks weiterhin für die Band typische Sounds zwischen Artrock, Progressive und  Alternative Rock mit melodischer Schlagseite auf.

Vor allem im ersten Teil des Albums nimmt sich die Band wohltuend zurück, sie setzt auf mehr Eingängigkeit und gibt sich nicht pathetischer Überdrehtheit hin. Fans verqueren Bombasts werden dennoch bedient, nur eben nicht über die gesamte Spielzeit. Neue Zutaten fügen der Musik interessante Facetten hinzu – seien es der unterschwellige, leicht jazzige Einfluss beim Opener ‚Bonneville‘ , die unaufgeregte Holprigkeit und Griffigkeit beim Alternative Rocker  ‚Stuck‘, oder die hymnische, leicht elektronisch geprägte Eingängigkeit von ‚From The Flame‘.

Durch den wesentlich direkteren Ansatz wirken gelegentliche Dynamikverschärfungen noch eine Spur euphorischer, zünden die ausladenden sinfonischen Parts eindrucksvoller. Die Band verabschiedet sich immer mehr von ihren Progmetal-Wurzeln und komplexer Polyrhythmik.

Natürlich wird wie immer am nölenden, bisweilen enervierenden Gesang Einar Solbergs Kritik entzünden, doch das ist Geschmackssache. Sicher kann man der Band auch ankreiden, jetzt mit mehr Zugänglichkeit eine breitere Klientel anzusprechen. Leprous loten eben neue Möglichkeiten aus, das manifestiert sich besonders faszinierend beim abschließenden ‚The Last Milestone‘. In düstere, melancholische Atmosphäre gekleidet, wird hier Weltschmerz greifbar. Vielleicht ein neuer,  für die Zukunft gangbarer Weg? Jedenfalls reiht sich mit ‚Malina‘ ein weiteres gelungenes Album in die Diskografie der Gruppe von Leprous ein.
Bewertung: 11/15 Punkten (KR 11, GH 11, KS 11)

Leprous (Foto: Band)

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Über den Autor

Kristian Selm

Höre eigentlich alles quer durch den bunten Gemüsegarten des Progressive Rocks, vergesse dabei aber auch nicht den Blick über den Tellerrand hin zu "normaler" Rock- und Popmusik, auch wenn mir vom aktuellen Mainstream leider immer weniger gefällt.

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Leprous – Malina

von Kristian Selm Artikel-Lesezeit: ca. 1 min
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