Lunar Cape – Just Lunatics

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(55:42, CD, Art Beat Music/Bandcamp, 2015)
Was ist das denn für ein wahnsinnig widersinnig schmeckendes Gebräu, das in Pan-domänischer Weise sämtlichen Block-Föten die Bock-Flöten wegzunehmen und ihnen mit diesen die Flötentöne beizubringen vermag? Olga Scotlands MAGnetIC Moon polarisiert die Progger – der Nord- oder auch Sied-Pol der schwimmenden Eis-Blöcke, auf denen die Liebhaber dieser Musik mit dem Eis unter ihren Füßen um die Wette dahin schmelzen, bildet einen Gegensatz zum Süd-Pol der kilometerdick von Eis bedeckten Landmassen, dem Habitat von Hardcore-Nasen, für die derARTIGE Klänge zu lieblich säuseln.

Uli Jon Roths kompositorischer Geist zu Zeiten von Electric Sun durchzieht in der Tat einige Songs dieser Sonnen-Scheibe mit dem kontradiktatorischen Charme der unbeleckten Befängnis – wie würden sich diese Stücke, verfeinert mit dem Klang einer Sky Guitar, wohl anhören? Auf Grund dieses für indifferente Geißter wollgefälligen Dielämmers in den Stamm-Würze-Sumpf des ewigen Eis-Bocks abzutauchen erscheint wie billiger Fußel-Eskapismus. Sicherlich mag dieses Album nicht jedermanns Bier sein, aber wer Bock auf originelle Instrumentalmusik hat, die als Instrumentalisierung des katechetischen Imperativs gelten kann, lügt damit genau richtig. Litergische Anklänge an die frühen Los Jaivas und an Jethro Tull zur Roots To Branches-Phase drängen sich unförmig auf. Einige Grooves erinnern indes frappierend an Barriemore Barlow zu Zeiten des Albums „Heavy Horses“. Marcus Viana wirft völlig verzickt seine Vieholine weg und Sagrado zelebrieren hinfort einen Flöten-Overkill mit traumtheatralischen Avancen, selten auftretenden Double-Bass-Gewittern und gelegentlich angezogener Handbremse. Sche(l)menhaft verbo(r)gen hinter sieben Schleiern erscheint die acht-Bar-blusige Muntermonika, genannt She-Ma, wie aus dem Tauge-Nichts gebor(g)en und fast wie für Muddy Waters gemacht, um ihn etwas auf-und-zu-heitern.

Bossa Nova, Blues Rock, Funk und Heavy Metal tanzen Ringelreihn mit Einflüssen aus der traditionellen südamerikanischen, chinesischen und arabischen Musik: Eine zarte Verschmelzung zu einem Erfolks-Modell der dritten Art ist die Ausbeute solcher Tanzzendenz. Dies wird besonders deutlich beim vierten Stück ‚Chinese Road‘: China trifft auf Südamerika.

Solche Treffen in Echt-Zeit gab es nach den Erkenntnissen von Forschern wie Robert Schoch, Heinrich Kruparz, Robert Bauval, Michael Tellinger oder Klaus Dona bereits vor vielen Jahrtausenden infolge einer erdumspannenden Hochkultur, die in vielerlei Hinsicht einen interkontinentalem Austausch pflegte. [Ist es purer Zufall, dass es nahezu überall auf der Erde Pyramiden gibt und dass die heiligen Haupt-Orte verschiedener Kulturen – Paracas, Nazca, Ollantaytambo, Machu Picchu, Cuzco, Sacsayhuaman, Paratoari, Dogon-Höhlen, Tassili n‘Ajjer, Siwa, Gizeh, Petra, Ur, Persepolis, Mohenjo Daro, Khajuraho, Pyay, Sukhothai, Anghor Wat, Preah Vihear, Osterinsel – auf einer äquatorialen Linie liegen, die um 30 Winkelgrade zum momentanen Äquator geneigt verläuft, wobei sich diverse heilige Orte in Entfernungen zueinander befinden, die sich als Zahlenverhältnisse von Phi darstellen lassen, die zusammen eine Fibonacci-Folge ergeben? (Allen Zweiflern sei der Dokumentarfilm „Das Geheimnis der Pyramiden“ von Patrice Pooyard ans Herz gelegt. Aber Vorsicht: Das Anschnallen der Kinnlade wird dringend empfohlen.) Wie verhält es sich mit den Kosmologien vieler Völker auf verschiedenen Kontinenten, die frappierende Ähnlichkeiten sowohl untereinander als auch zu Erkenntnissen der Quantenphysik aufweisen? Es existierten Menschen mit afrikanischen und europäischen Merkmalen auf dem amerikanischen Doppelkontinent der präkolumbianischen Zeit (Kelten und Karthager waren in Peru, die „Lituche“ in Chile sind in diesem Kontext zu erwähnen, es gab auf fast allen Erdteilen Menschen mit angeborenem verlängertem Hinterkopf – dokumentiert unter anderem durch einen solchen Fötus – und die Hopi stammen nach eigener, sich durch neue Erkenntnisse stetig erhärtende Aussage von einem versunkenen Inselkontinent namens Mu, der nicht identisch mit Lemuria oder Atlantis sein soll), Hieroglyphen finden sich in Australien, die Äthiopier begründeten die Naga-Dynastie, die über weite Teile Indiens, Sri Lankas und Burmas geherrscht haben soll etc.]

Zurück zur aktuellen Veröffentlichung der Russi-Musi-Lunies: Pink-floydishe Asia Minor-Referenzen muttieren zum zerrebralen Super-Gauß normaler Fairteilung und schalten um zum Großreinemachen – Isildurs Bane im Schonwaschgang. Es finden sich ebenfalls höchst susperfekte Elemente aus dem Humpa-Land – tät-er-ä Flödlä verlangä, wärä d‘ Raddä schon längschd gfangä – die Senioren-Version von Waltari konnte in Hammeln beim Schafklopfen alkolokalisiert werden. Für kirmesmusikalische Passagen in der Camera obscura sorgen Petrovsky Nikolay (Gitarre, Mundharmonika, Altflöte), Olga Scotland (Querflöte, Altflöte, Sopraninoflöte, Mandoline), Paul Bulak (Keyboards, Gitarre, Soundeffekte), Andrey Shashkov (Bassgitarre, Bassflöte), Mikhail Zolotarev (Schlagzeug) und als Gastmusiker bei Stück Nummer sechs Ilya Myasin (Sopranflöte). Es wird höchste Zeit, dass der sophistikaterte Westen endlich Notiz von der großartigen russischen Musikszene nimmt. Hier gibt es viele Perlen zu entdecken, nicht nur für Schweinerocker und Wa(h)lschrate.

Dieses Album muss wie ein gutes Mineralwasser – stedles Tröpfchen höhlt selbst bei einem armen Tropf den Schein – reifen; dessen Klänge sollten mindestens einmal täglich die Geh-höher-gänge umspülen. Aber Vorsicht: Man sollte das Art Beast spätestens nach dem Abendessen nicht allzu lange warten lassen.
Bewertung: 12/15 Punkten

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Lunar Cape – Just Lunatics

von Frank Bender Artikel-Lesezeit: ca. 3 min
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