Autor: Carsten Agthe

-Vermessungsingenieur -Weltenbummler -involviert in: Ornah-Mental, Nostalgia, Vanille & The Woodpeckers, Palin-Drone, Stella Maris, Das Zeichen (RIP), Schl@g, Karmacosmic...

12.0
Reviews

(41:17, CD, Vinyl, Digital, Dunk! Records/A Thousand Arms Music, 04.11.22) Die Portugiesen ließen sich für ihr neues Oeuvre Zeit. Viel Zeit. Ganze viereinhalb Jahre sind seit dem essentiellen, epochalen Postrock-Monolithen "Umbra" vergangen. Aber, was ist schon Zeit in Sphären, wo ganz andere Maßstäbe gelten? So ist "Adeus" mit seinen vierzig Minuten auch wieder relativ überschaubar geraten, was aber nicht zu bedeuten hat, da, wie gesagt, hier Raum und Zeit keine Rolle spielen. 'A Nortuna' gibt sich eher bescheiden. Als ob der Opener Platz und Räume lassen wollte für das, was mit 'Devolução da Essência do ser', der ‚Rückkehr zur Essenz…

Weiterlesen
11.5
Reviews

(41:48, CD, Vinyl, Digital, Gondwana Records, 2022) Sollte es einer Institution wie Bohren & der Club Of Gore einmal einfallen, lichte Momente zu inszenieren, die gar ab und zu in Dur-Bereiche abdriften, dann wäre das eventuell der Sound, den Svanborg Kardyb nun schon drei Alben lang inszenieren. Mittels Schlagzeug und Wurlitzer werden hier Momente in Szene gesetzt, die als höchst cineastisch beschrieben werden könnten. Wahlweise Gasttrompeten verstärken die Eindrücke in Richtung Jazz, aber eben nicht jenen Dark Jazz der eingangs erwähnten Beispielgeber. Weil, alles auf „Over Tage“ ist lieblich, harmonisch und hell – wie ein erfrischender Frühlingsregen, wobei diese andauernde…

Weiterlesen
8.5
Reviews

(43:32, CD, Vinyl, Digital, Unique Records/The Orchard, 2022) Ruhestand? Nicht mit Kenneth Minor. Mitnichten besinnt sich der Wiesbadener Dreier auf das Altenteil – es ist noch lange nicht an der Zeit für Rollator, Kukident und Schnabeltasse. Aber schon hier, im Albumtitel, schwingt der ganz dezent-spezielle Humor der Band mit. Eigentlich machte man sich, frei nach Turnvater Jahn, frisch, frei, fröhlich, fromm (gut, das dann wohl eher nicht) ans Werk und stampfte mit fast schon jugendlichem Leichtsinn ganze zwölf Garagen-Pop-Perlen aus dem Boden, die sich ob ihrer Leichtigkeit wie Seifenblasen im Raum schweben. Retirement by Kenneth Minor Im Single-tauglichem Format wildern…

Weiterlesen
11.0
Reviews

(35:45, CD, Digital, PUNKT Editions/Jazzland, 02.09.2022) Musik wie aus einer anderen Welt – Soundtracks für surreale Sphären. Der norwegische Klangforscher Jan Bang ging hier eine beeindruckende Kollaboration mit dem britisch-japanischen Produzenten und Komponisten Dai Fujikura ein, die auf "The Bow Maker", in so noch kaum je gehörte Refugien jazzigen Ambients oder Ambienten Jazz vorstößt. Klare Strukturen sind nicht vorhanden oder besser, nicht erkennbar, eher werden hier abenteuerliche Sounds aneinandergereiht, womit für den Hörer auch überhaupt keine Bezugspunkte vorhanden sind, an denen er sich orientieren könnte. The Bow Maker by Dai Fujikura & Jan Bang Der norwegische Avantgarde-Künstler Arve Henriksen steuert,…

Weiterlesen
10.0
Reviews

(38:07, CD, Vinyl, Digital, Tonzonen Records/Soulfood, 2022) Auf das Jahrhundert bezogen bleibt die Frage offen, welches Century ist denn nun genau das wilde? Auf die Band selbst – ja, The Wild Century passt schon. Irgendwie. Nein, unbedingt. Mit röhrender Hammond, direkt aus der Garage des Rock stammenden Riffattacken und einem croonenden Frontmann bewegt sich das niederländische Ensemble mit Siebenmeilenstiefeln durch die Siebziger, streift lässig die Endsechziger und wuchtet sich selbst dezent gar in die Gefilde des Punk a la The Stooges. Somit müsste die ganze Sache eigentlich und unbedingt in The Wild Dekade umbenannt werden. Mit doch recht überschaubaren sechs…

Weiterlesen
11.0
Reviews

(42:17; CD, Digital; On Stage Records/Timezone, 28.10.2022) Die Basler sind sich nicht verlegen, auch auf ihrem dritten Album all ihre musikalische Finesse hinter meterhohem Feedback und ausufernden Lärmorgien zu verstecken. Im Kontext zu Spielfreude und hochambitionierten Soundexkursionen steht dann auch die Ausuferungen der Songs beziehungsweise Tracks an sich, die sich dann schon auf zwölf Minuten hochschaukeln ('Sail Around The Sun'), wobei sich hier genügend Freiräume auftun, semi-jazzige Eskapaden mit Boogie a la Wishbone Ash zu verknoten. 'Something In The Water' sowie 'Lie Alone' könnten, reduziert auf die harmonischen Vocal-Hooklines, als fast schon hittiger, beatlesker Postpop durchgehen, wenn da eben nicht…

Weiterlesen
12.0
Reviews

(52:56; Vinyl (2LP), CD, Digital; Pelagic Records/Soulfood, 28.10.2022) "Wir sind Teil eines lebendigen, heiligen Universums…". Psychonaut begegnen auf ihrem neuen Album der Utopie einer heilen Welt mit grenzenloser Wut - Wut auf alles das, was dieser (heilen Welt) im Wege steht. So passierte es tatsächlich, dass "Violate Consensus Reality" auch gehörig extremer geriet, als das viel umjubelte Debütalbum "Unfold The God Man". Die Wahrheit ist unbequem! Und unbequem, das heißt aufrüttelnd will auch die belgische Post-Metal-Fraktion sein. Die ethnischen Instrumente wie Didge und Percussion sind nur noch in homöopathischen Dosen wahrnehmbar ('Age Of Separetion'), dafür entfesselt man schon von Anbeginn…

Weiterlesen
11.0
Reviews

(38:20, CD, Vinyl, Digital, Golden Antenna/Broken Silence, 28.10.2022) Da bröckelt es wieder gewaltig aus der Substanz. Rýr setzen den Meißel eben da an, wo die Schwachstellen zu vermuten sind und kommen im richtigen Moment dann auch mit dem Vorschlaghammer. Obwohl die Berliner auch auf ihrem zweiten Album ihr Aggressionspotential hin und wieder zurückfahren und dem Hörer quasi Freiräume der (trügerischen) Ruhe zur Verfügung stellen. Eben hier wird wieder rein instrumentaler Postrock’n Metal (mit Betonung auf Metal) inszeniert, der vor allem auf dichtgewebte Atmosphäre setzt. transient by rýr Schon der Opener 'Trajectory' - immerhin auch schon knapp neun Minuten mächtig, und…

Weiterlesen
11.0
Reviews

(48:28; Vinyl, Digital; My Redemption Records/Cargo, 28.10.2022) Der Name des musikalischen Konglomerats scheint zurecht gewählt, sollten manche Dinge doch eben dort bleiben – hinter verschlossenen Türen. Denn "Caged In Helics" ist ein überaus intensiver Parcours-Ritt durch die bizarren Welten des Postrock'n Metals, ein Dante'sches Inferno in Musik, die Apokalypse in Sound. Hierzu ließ sich das europäisch geerdete, weil aus den Niederlanden, Deutschland sowie Schweden stammende Trio, dann auch von einem kammermusikalischem Ensemble unterstützen, das gar nicht einmal so beengt, wie angedacht, musiziert, sondern mit seinen aus Pein und Schmerz zu bestehen scheinenden stringenden Ausbrüchen ganze Räume öffnet, die später von…

Weiterlesen
9.0
Reviews

(28:45, CD, Vinyl, Digital, Apollon Records/Soulfood, 19.08.2022) Da gibt es wieder gehörig um die Ohren und im Vergleich zum im letzten Jahr veröffentlichten Debüt "Sociopathfinder" wird hier noch eine gehörige Schippe Energie und Dreck draufgepackt. „The Will Of God“ ziert, ganz trendy, ein Atompilz und kommt tatsächlich punkig bis räudig. Ja, so wollen wir es. So lieben wir es. Die Norweger, die sich aus Mitgliedern u.a. solcher gestandenen Instanzen wie Mork, Lust-O-Rama (Arne Thelin), Gluecifer (Stig Amundsen), Kvelertak (Håvard Takle Ohr), Motorpsycho (Bent Sæther teilweise am Bass und ex-Motorpsycho Håkon Gebhardt am Schlagzeug und der passend Garage-igen Produktion) formierten, kommen hier…

Weiterlesen
11.0
Reviews

(28:04, Vinyl, Digital, Black Terror Distro & Store/Fresh Outbreak Records, 10.10.2022) Postapokalyptischer Krach aus der Toskana. Schon 2014 gründete sich das sich aus Kapellen wie Incoming Cerebral Overdrive, Architecture of the Universe, Autumn Leaves Falls In und Macerie formierte Sextett, nur um jetzt, ganze acht Jahre später, mit seinem Debütalbum zu brillieren. Gut, zu einem Album reichen die vier hier enthaltenen Tracks nicht ganz, jedoch ist die Gewichtung dermaßen heavy, dass Cane di Gøya schon so einiges auf die Waage hauen. Gleich mit drei Gitarren wuchtet man einen Sound aus den eigenen Katakomben dunklen Seelenpeins, der gerade mal so am…

Weiterlesen
12.0
Reviews

(51:42, CD, Vinyl, Digital, Pelagic Records/Soulfood, 21.10.2022) Ob man wohl vor zehn Jahren schon ahnen konnte, welche Brisanz der eigene Bandname einmal erlangen würde? Sicherlich nicht, denn wer hätte damals schon ahnen können, wie sich die Dinge einmal entwickeln beziehungsweise aus dem Ruder laufen würden. Nun haben sich Lost in Kiev mit ihrem vierten Album auch selbst deutlich weiterentwickelt. Die cineastischen, an die gegenwärtige Weltlage angepassten Momente sind noch transparenter, die Mächtigkeiten noch unüberwindbarer geraten (wobei hier sogar dezente Growls eingebaut wurden, wie etwa im Track 'Prison Of Mind', made by The Oceans Loïc Rossetti). 'We Are' setzt aber erst…

Weiterlesen
10.5
Reviews

(43:56, CD, Vinyl, Digital, Karisma Records/Plastic Head, 2022) Da schwingt schon ein wenig gehobener Anspruch mit, wenn man sich in einem Etablissement wie einem Konservatorium für Jazz zusammenfindet. Die sonst bei sympathischen Institutionen wie Spidergawd (Hallvard Gaardløs), Soft Ffog (Vegard Lien Bjerkan, Axel Skalstad) und dem Megalodon Collective (Karl Bjorå) aufspielenden Zeitgenossen wirken mit ihrem Sideprojekt Wizrd wie losgelöst von allem, verquicken Stoner mit frickeligen Jazzeskapaden, Funk und Prog, was aus dem Debüt der Band, an dem man seit 2020 werkelte, eine atemberaubende Achterbahnfahrt macht. "Seasons" wirkt, als würden Motorpsycho gemeinsame Sache mit Wishbone Ash und Chick Corea machen. Klingt…

Weiterlesen
11.0
Reviews

(49:54; CD, Vinyl, Digital; This Charming Man Records, 14.10.2022) All dieser Schmerz! Aber, beachte, "Not All Of You Pain Is Self Chosen"! Vier Jahre nach dem letzten Album "Soma" kommt das Kölner Duo mit einem schmerzerfüllten Dunkelbrocken in waverockendem Shoegeaze, bei welchem, die Delays auf Anschlag, der Nachhall ganze Räume füllt. Denis Wanic und Lucia Seiß scheinen mit ihren trist-schönen Soundlandschaften die Tristesse der letzten Jahre verarbeiten zu wollen und überführen den dunkelbunten Waverock der Eighties (The Cure, Bauhaus, The Chameleons, Swans, My Bloody Valentine) in die heutige, krisengeschüttelte Ära, auf dass dieser den passenden Soundtrack zu der zur Realität…

Weiterlesen
11.0
Reviews

(39:57, Digital, Art As Catharsis, 14.10.22) Nach zwei EPs aus der Zeitspanne einer ganzen Dekade ist es nun Zeit für das Longplay-Debüt-Album. Die Stagnation der Pandemie machte es möglich, dass man sich zurückziehen und in aller Abgeschiedenheit Dinge realisieren konnte, zu welchen man sonst keine Zeit hatte. Derweil das Trio noch an einem der schönsten Orte der Welt beheimatet ist (das Art Déco-Städtchen Napier auf der neuseeländischen Südinsel) kreiert man hier nebenbei den fluffigsten aber dennoch nicht ohne die gewissen Spannungen aufwartenden Postrock, seit es diese Spielart kontemporärer Musik gibt. Dabei stehen hier noch nicht einmal die sonst üblichen Gitarren…

Weiterlesen
11.0
Reviews

(50:19, Vinyl, Digital, Dunk! Records/A Thousand Arms Music, 2022) Mit effektiver Gitarrendoppelspitze und polternden Drums gehen Girih nun den "Eigengrau"-Nachfolger in Form eines Fulltime-Albums an. Der Albumtitel erscheint hier völlig sinnvoll, steht doch 'Ikigai' (japanisch) für "wofür es sich zu leben lohnt". Schönes Motto für die neue Musik des Trios aus New Hampshire. Dabei spielen sie die etwas härtere Variante des Post Rock, die mehr als nur homöopathische Tendenzen in Richtung metallischer Wucht offenbart. Die Tracks tragen denn auch ganz pragmatisch Kurztitel wie 'The Mirror', 'The Frame', 'The Door', 'The Key‘, 'The Hand', 'The Ring' sowie 'The Sand'. Wobei eine…

Weiterlesen
12.0
Reviews

(80:00; Vinyl (DO-LP + Bonus-7"), Digital; Amiga/Sony Music, 30.09.2022) "Kompiliert von Max Herre und Dexter" ist dieser Sampler eine Hommage an die gleichnamige Plattenreihe des ostdeutschen Amiga-Labels, die von 1972 bis 1976 mit ganzen 16 Ausgaben brillieren konnte. Und eine Hommage an den Funk & Soul aus der DDR ja sowieso. Ex-Freundeskreis Max Herre und Kollege Dexter, ihres Zeichens Vinyl- und Sound-Enthusiasten, waren schon seit einiger Zeit von dem ganz speziellen DDR-Sound der Siebziger angetan, so dass der Plan, zum 75-jährigen Jubiläum von Amiga und 50-jährigem der "Hallo"-Reihe eine ganz spezielle Laudatio in Form einer Kompilation zu kreieren, hier in…

Weiterlesen
12.0
Reviews

(42:12; CD, Vinyl, Digital; Jazzland, 14.10.2022) Elf Jahre ist es nun schon her, dass sich die beiden Maestros groovender Ekstase zum "Duo" zusammenfanden und ein Album lässig-schwebender Piano-/Samplermusik veröffentlichten. Drei Jahre später erlebte diese Kollaboration durch Bassist Dan Berglund eine Erweiterung ("Trialogue"), nur um jetzt, wieder ganze acht Jahre später, an den Ursprung zurückzukehren. Bugge 'New Conception Of Jazz' Wesseltoft variiert hier wahlweise am Flügel und am Synthesizer, Henrik Schwarz liefert hierzu die passenden Sounds. Längst nicht so beat-lastig als auf dem "Duo"-Debüt watet man in Marimba-dräuendem Wohlklang ('Woodened Stone', 'Now I'm Better'), urbanem Soul ('My First Life' mit einer…

Weiterlesen
11.3
Reviews

(60:14, CD, Vinyl, MC, Digital, Apollon Records/Plastic Head, 07.10.22) Da wird wieder auf ganz großer Flamme gekocht. Die Norweger waren so eigentlich noch nie Kinder von Traurigkeit und pimpten ihre Arrangements immer mit dem größtmöglichen Engagement auf, was mit einem (derzeit) siebenköpfigen Musikerstamm dann auch ein Leichtes ist. Das fünfte Album der Parkinsons trägt nun den Titel "Valesa – Chapter I: Velvet Prison" – sicher aus der weisen Voraussicht, dass hier noch etwas im Anschluss kommen könnte beziehungsweise durchaus auch kommen soll. Inklusive Cliffhanger. Sänger Jon Ivar Kollbotn gibt einmal mehr den Crooner, was schon in der Vorabauskopplung 'Jonas' eindrucksvoll…

Weiterlesen
10.0
Reviews

(45:31; Digital, CD, Vinyl, Crazysane Records, 2022) Merkwürdig gedämpft erscheint der noisy Shoegaze der Band aus Virginia. „In Now Less Than Ever“ kommt wie durch einen Filter gedrückt, der unpassende Eigenschaften sofort und gleich eliminiert. Wobei Gitarrist und Sänger Blake Metton seinen Gefährten hier hörbare Prioritäten vorgibt. Bands wie My Bloody Valentine kollidieren auf diesem Album mit Wumms und ungedämpft mit Unterfangen wie The Jesus & Mary Chain zu "Psychocandy" Zeiten, wobei der Noise bei Twin Drugs einmal mehr zur Hochkonjunktur aufläuft. Laut ist das neue Leise und Harshness sowieso das neue Kuscheln. Trotz aller Mächtigkeiten wirkt "In Now Less…

Weiterlesen