(79:51, CD, Vinyl, Digital , Crispin Glover Records/Soulfood, 2023) Das lohnt sich doch allemal. Auf achtzig Minuten walzt das Kollektiv des psychoaktiven Wohlklangs aus Trondheim (woher denn sonst…) aus, was halt auszuwalzen geht. Auf gerade einmal sechs Tracks ausgelegt ist das zehnte Album der kultigen Black Moon Circles wieder eine Ode an den exzessiv gelebten Space Rock. Und, wer die Band kennt, der weiß um ihre Vorliebe für bis in Unendlichkeiten ausgedehnte Soundexkursionen. Leave the Ghost Behind by Black Moon Circle Die beiden Brüder Vemund und Øyvin Engan holten sich dieses Mal in Schlagzeuger Tomas Järmyr (Ex-Motorpsycho, Årabrot) wahrhaft kongeniale…
Autor: Carsten Agthe
(65:41, CD, Vinyl, Digital, Grönland Records, 21.4.2023) Als David Sylvian 2003 sein Album "Blemish" veröffentlichte, war dies Katharsis und Zäsur sowie die Abkehr vom eigentlichen Song zugleich. Auf die Improvisationen von Derek Bailey und Christian Fennesz interpretierte der Singer/Songwriter hierbei seine bis dato wohl persönlichsten Gedanken und Lyriks (kurz zuvor trennte Sylvian sich von Ehefrau Ingrid Chavez). Knapp zehn Jahre später erfolgte durch Stephan Mathieu eine Aufarbeitung des musikalischen Materials dieses wohl einzigartigen Albums, wobei hier gänzlich auf Vocals und Stimmen verzichtet und nur die Drones und Gitarrenparts zu einem Geflecht aus Ambient und Sound verwoben wurden. Die Originalsongs der…
(29:01, CD, Vinyl, Digital, Tonzonen Records/Soulfood, 21.04.2023) Da kommt man schon ein wenig ins Trudeln. Und das hat nichts mit der Musik zu tun, die bei den Doghunters in Regionen abzielt, die als psychoaktiv abgehakt werden müssen. Sondern mit dem Albumtitel, benannten Daily Thompson ihr 2020er Album eben auch nach dem merkwürdigen zigarrenförmigen interstellaren Objekt, das 2017 die astronomische Welt in Aufruhr versetzte. Nun haben wir also im Psych’n Stoner zwei Objekte dieser Art, wobei die Verwirrung eben nur kurz anhaltend ist, bewegen sich The Doghunters doch in etwas halluzinogeneren Kategorien, wobei die eingeworfenen Trips an dieser Stelle nur kurz…
(43:30, CD, Vinyl, Digital, XXIM Records/Sony, 14.04.2023) Jedes GoGo Penguin-Album ist ein Fest für die Sinne. Die Kombination aus breakigen Beats, semi-jazzigen Eskapaden und pathetischer Grandezza ließen die Alben "Fanfares", "V2.0", "Man Made Object", "Humdrum Star" sowie "GoGo Penguin" zu gefeierten Relikten auf dem Gebiet "elektronischer Tanzmusik auf akustischen Instrumenten" avancieren. Unter dem reichlich positiv gestimmten Titel "Everything is Going To Be OK" gibt es aber nun eine Zäsur. Nicht nur, weil das sechste Album des Fusion-Frios aus Manchester das erste für Sony Music ist. Sondern auch, weil Pianist Chris Illingworth und Bassist Nick Blacka hier mit Jon Scott einen…
(54:42, CD, Vinyl, Digital, L’Abeille Rôde/Just For Kicks, 18.01.2023) Es ist wieder an der Zeit, den Bombast in Szene zu setzen. Nach dem – pandemiebedingt – überaus reduzierten Interims-Album "Dénudé", auf dem sich die schöngeistigen Franzosen in akustischer Manier über ihre stattliche Discographie hermachten und ausgewählte Songs im akustischen Gewand präsentierten, gibt es mit "11" nun wieder pathetische Lautmalereien in Special Prog, die auch manchmal dezent ausufern. Der neue Lazuli"-Gitarrist Arnaud Beyney hat das Soundbild der Band dabei gar nicht einmal so sehr verändert – Markenzeichen sind auch hier wieder das extravagante Instrumentarium, dass mit Léode, French Horn und Marimba…
(44:25, CD, Vinyl, Digital, City Slang, 2023) Die Welt ist Klang. Bei den Grandbrothers im ganz speziellen Sinn. Das Grand Piano steht bei dem deutsch/schweizerischem Duo dann auch schon von Anfang an im Mittelpunkt. Dieses Instrument bildet die Basis im Schaffen von Erol Sarp und Lukas Vogel, derweil sich um die klangtechnischen Möglichkeiten und auch Mächtigkeiten herum jede Menge Freiräume zur musikalischen Entfaltung auftun. wobei der Rezensent Zeuge davon wurde, dass ein Gilles Peterson bei einem Clubkonzert im fernen Bali das clubtaugliche 'Ezra Was Right' vom GB-Debüt „Dilation“ spielte und sich auch eine Band wie Mogwai erfolgreich an Material des…
(65:59, CDr, Digital, Sound in Silence, 2022) Basierend auf einem losen Konzept, das sich eine Gesellschaft nach dem Kollaps vorstellt, in der eine Einheit in der Zeit zurückgeschickt wird, um die Ereignisse zu beobachten und darüber zu berichten, wie die Dinge so schief gelaufen sind, spiegelt dieses Projekt Bens Versuche wider, seine eigene politische Angst zu verarbeiten und ein apokalyptisches Unbehagen zum Ausdruck zu bringen. Die Musik auf "Resolve" erkundet den emotionalen und psychologischen Tribut des Lebens in einem Post-Brexit- und Post-Covid-Großbritannien, das von Korruption, Staatsaufgabe und versagenden Institutionen geplagt wird, und reist auch durch eine Klanglandschaft aus Trauer, Melancholie…
(37:43, CD, Vinyl, Digital, La Rubia Producciones, 7.4.2023) Healthyliving? Die Band muss es ja wissen. Die "Songs Of Abundance, Psalms Of Grief" offerieren auf jeden Fall Myriaden an Schmerz und Pein. Und, um ehrlich zu sein, können wir überhaupt nicht genug davon bekommen. Dieses Gefühl der Hilflosigkeit hatte ich das erste Mal bei einem Album wie "Garlands" der Cocteau Twins. Und das ist mittlerweile nun auch schon vierzig Jahre gereift. Sicherlich sind Healthyliving harscher, rougher und fühlen sich eher dem Noise denn dem Wave zugetan. Aber Sängerin Amaya López-Carromero (Maud the Moth) hat eine ähnliche Ausstrahlung und einen ähnlichen Leidensdruck…
(41:01, CD, Vinyl, Digital, Pelagic Records/Soulfood, 2023) Da knallen uns LO! (beziehungsweise Look And Behold!) wieder ein Machwerk um die Ohren, dass es eine helle (oder dunkle) Freude ist. Die Liebhaber geschmackvollen Post-Hardcores kommen mit "The Gleaner" wieder voll auf ihre Kosten. Nebenbei bestätigen die Australier, dass sie dann wohl immer noch das Extremste sind, was das sich mittlerweile in Postrock-Bereichen tummelnde Berliner Label Pelagic Records zu bieten hat. Sänger Sam Dillon malträtiert sich und uns, und das von Anbeginn dieser mit dezentem Ohrenbluten bedachten Tortur. 'Our Fouling Larder' ist schon einmal eine kurze und präzise Dampframme, weil gerade einmal…
(31:39, CD, Vinyl, Digital, TBC Records, 2023) Irgendwie war hier nicht nur ein Bier schlecht. Hör Blues uff? Nicht ganz. Zwar machen Odin & Bjørn Berge schon irgendwie Blues, aber irgendwie auch wieder nicht. Um auf der sicheren Seite zu sein nennen die beiden norwegischen Weirdos ihren Sud aus allem, was bei zehn nicht auf dem Baum ist, dann vorsichtshalber "Club-Blues". Und um bei Puristen bloß nicht anzuecken. Weil - "Club" ist das große Zauberwort, mit dem sich dann auch (fast) alles rechtfertigen lässt. Mithin bewegen sich die beiden Musiker, die sich von ihrer gemeinsamen Zeit bei Vamp her kennen,…
(60:03, CDr, Digital, Sound in Silence, 20.02.2022) Gletscherfördernder Post’n Shoegaze von Künstlern, die es wissen müssen. Island hat sicher eine Menge zu bieten. Im Vergleich zur Einwohnerzahl ist der musikalische Output des Inselstaates jedenfalls verhältnismäßig hoch. Nun sind Ruxpin als Soloartist und Stafrænn Hákon als Band von Ólafur Josephsson hier eben keine Unbekannten, fielen beide in Reykjavík beheimateten Unternehmungen doch bezüglich ihrer atmosphärischen Soundexkursionen positiv auf. Meet Me In Forever by Ruxpin & Stafrænn Hákon Zeit also für eine Kollaboration, die wiederum alle atmosphärischen Eigenschaften der Beteiligten vereint. Der sanft blubbernde, durch Electronics voran getriebene Postrock ist ideal für Enthusiasten,…
(63:00, CD, Digital, Eigenproduktion/Just For Kicks Music, 2023) Hier jemand aber gleich einmal ALLES! "Their mains influences are going from Porcupine Tree to Tool, Dream Theater to Peter Gabriel". Hoch gestapelt ist manchmal schon die halbe Miete und Manchem sein Ganzes. Aber, wenn man schon irgendwelche Schubladen mit Macht aus den wurmstichigen Vintage-Mobiliar des Progressive Rock heraushebeln möchte, dann kann man einmal Gnade vor Recht ergehen lassen und beipflichten – ja, Anasazi sind durchaus auf dem richtigen Weg. Reichlich komplexe Rhythmusstrukturen prallen auf Progressive infizierte Arrangements, ohne jedoch, und das ist das Gute, in Dream Theater’sche Hybris zu verfallen. cause…
(66:19, Digital, iapetus Media, 2023) Ist das schon Jazz oder kann das weg? Mit der Überrepräsentation des freien Klarinettenspiels von David Rothenberg besitzt "Homayoun" nicht nur einen Ansatz, sondern eine deutliche Ausrichtung in Richtung Jazz. Aber, ein David Rothenberg darf das, ist der Musiker doch eben nicht nur Professor für Philosophie und Musik am New Jersey Institute Of Technology sowie Autor diverser Bücher (u. a. "Why Birds Sing", "Stadt der Nachtigallen"), sondern nebenbei noch auf Alben von Peter Gabriel, Hamid Drake, Scanner, Lewis Porter oder Suzanne Vega anzutreffen. Zusammen mit den beiden Soundtüftlern und -findern Ali Sayah (Bass, Tar) und…
(44:29, Vinyl, Digital, Clostridium Records, 21.03.23) Da mahnt der Titel aber schon vehement, in welche Richtung es gehen soll. Als Electric Acid-Nachfolger zeigten die Wolves Of Saturn schon in erster Instanz mit ihren "The Bunker Tapes", dass es auch hier, im Keller, ganz schön bunt sein kann. Mit Lavalampen-Atmo und jeder Menge Feedback befindet der Dresdener Dreier um Gitarrist Richard Schwertner auf Kollisionskurs mit der nächsten Dimension und katapultiert uns via "The Deserts Echo And The Peyote Delusion" ins Zentrum eben genau dieser. the deserts echo and the peyote delusion by Wolves Of Saturn Da in dieser Dimension Zeit keine…
(40:41, Vinyl, Digital, Krakenduft Records/Broken Silence, 2023) Ceebra Is A Punkrocker. Eben das passt hier auf jeden Fall. Aus den Dresdnern =Cee= entstand unter Mithilfe von Tourdeforce, den Nice Guys, NGFO und GT dann letztendlich Ceebra, wobei hier alle Eigenschaften der Vorgänger zu einem Großen, Ganzen gebündelt wurden. Sicher erlangt der Punkrock des Öfteren die Oberhand – schneller, höher, weiter ist auch hier die Devise, dennoch schimmert hier und da noch mehr als nur ein Quäntchen Stoner hervor. Und dieser gibt sich riffoffensiv, was auf Tracks wie 'Mosquito' und 'Game Over' zu erleben ist. Das klingt schon alles verdammt nach…
(66:18, CD, Vinyl Digital, Alchemy Recordings/BMG/Warner, 2023) Das ist schon ein wenig verwirrend, handelt es sich bei "Existential Reckoning" doch "erst" um das vierte offizielle Album des Sidekicks von Tool-Frontmann Maynard James Keenan (dem die Herabstufung als 'Sidekick' wohl überhaupt nicht gefallen dürfte, räumt er Puscifer doch in etwa die gleiche Priorität ein). Verwirrend deshalb, kommen die Downbeater inklusive Live- und Remix-Alben sowie EP’s auf knapp 20 Veröffentlichungen. Vor allem die Remix-Alben sind aus der Puscifer-Diskographie schon essentiell, legt man die Intentionen nach jedem offiziellen Release doch auf dieses Format. So folgte auf das 2007er Debüt "‘V‘ Is For Vagina"…
(32:37, CD, Vinyl, Digital, Interstellar Smoke Records, 24.02.2023) Die Finnen haben eigentlich für jede gute Sache ein entsprechendes Wort. So bedeutet Kalsarikännit beispielsweise nichts anderes als ‚sich in Unterhosen daheim alleine betrinken‘. So kurz, so bündig. Was uns gleich zu Mutautu bringt. Ganz so dramatisch ist es bei dem Trio aus Helsinki dann zwar nicht (Mutautu bedeutet so viel wie Schlammnebel, aber immerhin), trotzdem lässt es sich zu der hier gefahrenen Musik dann eben ganz entspannt Kalsarikännit zelebrieren. Fuzzbeladen ackert sich „Graveyard Of Giants“ dann auch durch den tiefsten und zähesten Schlamm, wobei die Heavyness dafür sorgt, hier auch unbeschadet…
(40:07, CD, Vinyl, Digital, Tonzonen Records/Soulfood, 24.03.2023) Das ist doch schon einmal eine Maßnahme, eine Platte gleich mit einem Zwanzigminüter anzufangen. Zwar kennt man solche Ausmaße von den Frankfurtern, war doch schon ihre Debüt-EP mit ausnahmslos langrilligen Soundgut bestückt, aber gleich solch einen Brocken wie 'Kill The Sun And The Moon And The Stars' als Opener des ersten Fulltimers ist schon eine Herausforderung. Nun wälzen sich The Black Cat’s Eye hier in floydiger Nonchalance, alles, vom Gitarrenriffing bis hin zur transzendenten Aura erinnert dann auch auf ganzer Linie an "Echoes". Bis man eigentlich nur noch auf das Sonar-Pling wartet. Hybris,…
(39:04, CD, Vinyl, Digital, Season Of Mist, 24.02.023) Da werden die Lederjacken wieder übergestreift und die Sonnenbrillen gegen das flackernde Stroboskoplicht aktiviert. Irgendwo fanden Naut dann auch noch den Bruder von Dr. Avalanche und kündigten daraufhin ihrem Schlagzeuger. Wenn Klischee, dann aber richtig! Obwohl man aus Bristol kommt, hat das nichts zu sagen. Naut waten tief im Zwielicht der Nebelmaschinen und setzen dort an, wo die Sisters Of Mercy mit „First And Last And Always“ aufhörten. Mit stoischem Drumbeat, flirrend dramatischen Gitarren und den pathetisch dunklen Vocals von Sänger Gavin Laubscher schert man sich nicht um Kompromisse und schon gar…
(42:48, CD, Digital, Cuneiform Records, 28.10.2022) Ich hätte wetten können, dass wir es hier wieder mit Franzosen zu tun hätten. Wenn nicht sogar mit unseren Experten und Pappenheimern aus dem Umfeld von PoiL, Nil und PinioL. Umso überraschter ist man, wenn es sich herausstellt, dass Zeitgenossen wie Miriodor tatsächlich von woanders her, in diesem Fall aus dem kanadischen Quebec kommen. Noch überraschender, das Trio wurde schon 1984 gegründet, hat also auch schon knapp vierzig Jahre auf dem sicherlich schon altersschwachen Buckel und präsentiert mit "Elements" dann auch schon das zehnte Album seiner Karriere. Elements by Miriodor Zwischen Jazz und Progressive…