Singer/Songwriter • Indie Folk
(52:45; Vinyl, CD, MC, Digital; Dead Oceans/Cargo; 14.08.2026)
Da hat man drei Jahre nichts mehr von der dreifachen Grammy-Gewinnerin gehört, und dann taucht sie mit einem Album auf, das ihre alten Fans wahrscheinlich etwas ratlos zurücklassen wird, dafür aber vielleicht unzählige andere begeistern könnte. Dazu kommt dann noch der Social-Media-Selbstmord der Künstlerin, denn sie hat ihre Accounts geschlossen. Zu guter Letzt hat sie dann auch noch ihren Fans verboten, bei Konzerten ein Handy zu benutzen.
Phoebe, da kann ich nur sagen: Find ich gut! Erstens nerven Handys bei Konzerten extrem, und zweitens ist die neue Art deiner Musik sehr hörenswert. Nun gut, ihre Stimme ist ja immer noch dieselbe, oder? Nun, hört euch mal den Opener 'The Outside' an. Wer singt da? Natürlich ist es sie, aber die Stimme ist dermaßen verfremdet, dass auch ich es sein könnte. Anschließend macht sie solche Sperenzchen zwar nicht mehr, aber sie lehnt sich im Vergleich zu früheren Aufnahmen sehr weit aus dem Fenster raus, indem sie ihre Musik in viele verschiedene Richtungen driften lässt.
Insgesamt sechzehn Songs hat sie auf knapp 52 Minuten eingespielt. Da sind einige dabei, die durchaus auch auf frühen Progeinspielungen nicht verkehrt gewesen wären. Natürlich bleibt sie ihrem Hang zu zugänglichem Songwriting auch noch treu, aber sie hat den Mut, auch mal in andere, extravagantere Richtungen zu gehen. Das macht dieses Album abwechslungsreich und interessant. Man hat nicht das Gefühl, nur einer weiteren Singer/Songwriterin zuzuhören. Nein, da sind Zwischentöne, die auch Musikfans anderer Richtungen durchaus begeistern könnten. Dazu eine perfekte Aufnahmetechnik, denn man hört Töne, die absolut keinem Instrument zuzuordnen sind, dafür aber das Interesse am weiteren Zuhören enorm steigern. 'Panorama' ist so ein Track: Ungewöhnlich und mutig. Und für den Rezensenten einfach nur phantastisch. Der Track klingt, wie bereits der Opener, nach Bon Iver. Keine schlechte Referenz.
Dieses Album kann mich tatsächlich im Vergleich zu neueren Progerscheinungen regelrecht begeistern. Wer wie ich im Bereich der progressiven Musik über den Sommer nicht so recht fündig wurde, der sollte mal einen Stilbruch wagen und sich diese Einspielung in Ruhe anhören. Die Künstlerin scheut sich nicht, nach ihrer selbst auferlegten Pause aus privaten Gründen neue Wege zu beschreiten. Ein Prädikat, das sich viele unserer Progheroen mal zu Herzen nehmen sollten.
Bewertung: 11/15 Punkten
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Abbildungen: Phoebe Bridgers/Bandcamp


