
Chamber Folk • Kraut Rock • Indie Pop • Singer/Songwriter
(42:34; Vinyl, CD, Digital; Paradox Tape Records; 17.04.2026)
David Kleinekottmann – Musiker und Filmwissenschaftler aus Dortmund – präsentiert sein neues Album "A Vibrant Sea".
Themen wie Entfremdung, Zurückweisung, digitale Überlastung und das permanente Gefühl, das Befürfnis, irgendwo ankommen zu wollen, diesen Zustand aber momentan nicht herstellen zu können, ziehen sich wie ein roter Faden durch die Songs.
Ein einziger Trost bleibt: Dieser Zeitgeist, diese Themen kreisen durch fast alle Seelen – und so nimmt uns David wieder mit auf seine kleine Reise über unruhige See.
Acht Songs zwischen Indie Pop, Folk, Jazz, Krautrock und melodiösem, eher feinfühligem Post Punk laden mich als Hörer ein, der Abfolge aufmerksam zu lauschen. Die Single, der Titelsong, wirkt fast filmisch und dramatisch – dunkel-orchestraler, hymnischer Folk trifft auf eine erzählerische Stimme. 'Office Words' fließt anschließend mit hypnotischem Groove in Krautrock- und Post-Punk-Manier. Die Stimme von David erinnert frappierend an Peter Murphy von Bauhaus – hoffentlich nicht die schlechteste Referenz.
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Ich mag die fein abgestimmten, nie aufdringlich wirkenden Orchestrierungen in den Songs. Sie haben etwas Graues, oft Schemenhaftes, und verleihen Tracks wie dem emotionalen 'Blinded By The Light Of The Screen' einen ganz eigenwilligen Touch. Der dunkle Gesang wirkt stoisch, aber zugleich melodiös, immer reflektiert und erzählerisch – wie bei Stand Still. Man kann sich kleine Begegnungen, Clips oder Kurzfilme im Noir-Stil sehr gut zu diesen abendlich, oft nächtlich stimmenden Szenarien vorstellen.
Eine oftmals simple Gangart – fließend und hypnotisch – lässt Ambient, Folk und Indie Rock zu einer melancholischen Gemengelage zusammenfinden. Der Musiker hält die Fäden in seinem kleinen Studio offensichtlich dicht beieinander, was im intimen Soundbild sofort spürbar wird.
Flöten und Saxophon werden gezielt zu temporär perfekt inszenierten Gimmicks, setzen immer wieder feine Farbtupfer. 'The Edge' braucht ebenfalls nicht viel, vibriert still, sanft und dunkel mit tristen Akkorden, cineastischen Hintergrund-Synths und sanftem Drumming. Ohne viel Aufhebens – und besonders im richtigen Tageslicht – zieht einen der Sound mit seinen schönen, unaufdringlichen Melodien ins Geschehen, während der dramatische Flow des Albums von der ersten bis zur letzten Minute wirkt.
Balladesk, mal sanft postrockig in 'Faust Barre', aber immer mit einer innehaltenden, in sich ruhenden Ausstrahlung, bin ich erneut positiv angetan und höre David jederzeit gerne zu. Dunkel, cineastisch und erzählerisch bleibt dieses Dortmunder Projekt ein echtes Erlebnis für Freunde der blauen Stunde.
Bewertung: 11/15 Punkten
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Besetzung:
• David Kleinekottmann - Guitar, Words, Keys, Piano, Bass
• Jessica Townsend - Violin on A Vibrant Sea, The Edge, Faust Barre
• Michael A. Grant - Saxophone on Apologies, Flute on Stand Still
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Die Abbildungen wurden uns freundlicherweise von Present Paradox zur Verfügung gestellt.

