
Metalcore
(35:05; Vinyl, CD, Digital; MNRK Heavy/Open; 24.10.2025)
Man muss es Downswing lassen: "And Everything Was Dark" ist exakt das Album, das man erwartet, wenn man ein Metalcore-Album erwartet. Also wirklich exakt. Roh, aggressiv, kompromisslos – und gleichzeitig so melodieverliebt, dass man kurz prüft, ob nicht doch ein Radioredakteur im Studio mit am Mischpult saß. Dazwischen: Breakdowns. Viele Breakdowns. Sehr viele Breakdowns. Falls jemand vergessen haben sollte, wie ein Breakdown klingt – Downswing helfen gern aus. Mehrfach.
Die Band aus Albany, laut eigener Aussage endlich bei sich selbst angekommen und garantiert nicht trendschielend (zwinker), liefert ein Werk ab, das druckvoll, dicht und vor allem eines ist: verdammt groovy. Das Ding schiebt. Immer. Überall. Selbst dann, wenn man sich wünscht, es würde vielleicht mal kurz innehalten und so etwas wie eine eigene Identität entwickeln.
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Denn genau da liegt der Haken: Alles klingt vertraut. Nicht im Sinne von „wohlige Referenzen“, sondern eher wie ein musikalisches Déjà-vu auf Dauerschleife. Riffs, die man so oder so ähnlich schon gehört hat. Refrains, die sich auffällig nah an das anlehnen, was moderne Metalcore-Playlists gerade so ausspucken. Und Clean-Gesang, der stellenweise derart geschniegelt daherkommt, dass man fast Angst hat, er könnte sich beim nächsten Breakdown die Haare zerzausen.
Diese Diskrepanz ist es auch, die "And Everything Was Dark" letztlich sabotiert: Hier die wuchtige, ehrliche Härte, dort die glattpolierten Hooks mit latentem Charts-Appeal. Beides für sich funktioniert – zusammen wirkt es wie eine Zweckgemeinschaft, die sich nur widerwillig die Bühne teilt. In meinem Kopf zumindest unterschreiben diese beiden Lager keinen Koalitionsvertrag.
Textlich wird es erwartungsgemäß düster: Verlust, Sucht, Selbstzerstörung, Vergebung – das volle emotionale Metalcore-Bingo, aber immerhin mit ehrlichem Kern. Songs wie 'For What It’s Worth' oder „'oo Little Too Late' wühlen sich durch persönliche Abgründe, ohne komplett im Klischee zu ersaufen.
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Gerade wenn die Band Tempo rausnimmt ('In A Daze'), blitzt tatsächlich so etwas wie Tiefe auf. Für einen Moment glaubt man ihnen jedes Wort. Dann kommt wieder ein Breakdown. Natürlich.
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Interessanterweise sind es vor allem die Gastbeiträge, die hängen bleiben. Travis Moseley, Elijah Witt, Chris Roetter – sie bringen genau die zusätzliche Reibung ins Spiel, die Downswing selbst über weite Strecken vermissen lassen. Ironisch, dass ausgerechnet die Gäste für die nachhaltigsten Momente sorgen.
Unterm Strich ist "And Everything Was Dark" ein intensives, wuchtiges Hörerlebnis, das alles richtig macht – außer herauszustechen. Ein Album, das ordentlich knallt, aber selten nachhallt. Oder anders gesagt: viel Dunkelheit, aber wenig Schattenwurf.
Bewertung: 8/15 Punkten
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Besetzung:
• Harrison Seanor – Gesang
• Anthony Salvaggio – Gitarre
• Chris Arnold – Bass
• Nick Manzella – Schlagzeug
Gastmusiker:
• Travis Moseley – Gesang
• Elijah Witt – Gesang
• Chris Roetter – Gesang
Surftipps:
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Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise Oktober Promotion zur Verfügung gestellt.

