Stern Meissen – Freiheit ist

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Stern Meissen - Freiheit ist (A&O, 3.9.20)(60:44, CD, Digital, A&O Records/BuschFunk Verlag, 2020)
Stern Meissen, von früher noch vielen unter dem Namen Stern-Combo Meissen bekannt, kann man ohne Abstriche als eine der erfolgreichsten Rockbands der ehemaligen DDR bezeichnen. Sie waren und sind immer noch das Markenzeichen für anspruchsvolle Rockmusik von dort. Im Westen hatten sie diesen Status leider nie wirklich erreicht, dennoch möchte der Autor sie bei der Aufzählung der besten deutschen Bands ganz oben zu nennen. Welche Formation kann schon auf eine Bandgeschichte von über 55 Jahre zurückblicken? Durch diverse Schicksalsschläge bedingt, begleitete Stern Meissen über die Jahre hinweg ein immer wiederkehrender Wechsel der Besetzung. Rückblickend lässt sich sagen, dass dieses sicherlich bei der ein oder anderen Produktion auch Spuren hinterlassen hat, aber insgesamt ist die Band sich treu geblieben und bietet ihren zahlreichen Fans immer noch eine perfekte Mischung aus deutschsprachigem Pop, Rock, Art- und Progressive Rock.

Die aktuelle Besetzung mit dem einzig verbliebenen Urgestein, dem Bandleader und -gründer Martin Schreier (Vocals, Percussions) setzt sich aus Manuel Schmid (Vocals, Keyboards), Frank Schirmer (Drums), Sebastian Düwelt (Keyboards) und Axel Schäfer (Bass) zusammen. Wie bereits erwähnt haben die notwendigen Neubesetzungen augenscheinlich der Qualität zu keinem Zeitpunkt richtig geschadet – besonders der Zugang von Manuel Schmid erwies sich als Jungbrunnen. Wer Stern Meissen einmal live erleben durfte – und die Chance gab es im Westen der Bundesrepublik erst einmal -, der versteht, was gemeint ist. Nach zahlreichen Alben, unter anderem auch dem legendären Klassiker „Weißes Gold“, starten die Junggebliebenen und immer noch kreativen Ostdeutschen ein weiteres Mal durch. Und das in einer Zeit, die durch Corona besonders den Künstlern in jeglicher Hinsicht zu schaffen macht.

Ob Zufall oder nicht, der Titel des Albums „Freiheit ist“ passt genau in unsere von Freiheitsdrang und Sorgen belastete Zeit. Weder der deutliche Wandel des Zeitgeists, noch die Jahrzehnte andauernde und wechselhafte Bandgeschichte führten letztendlich zu einer unumkehrbaren Veränderung bei Stern Meissen. Zweifel an ihrer Qualität waren bislang sowieso keine Option. Über die Jahre hinweg sind sie ihrem Stil, zumindest was ihre Texte betrifft, treu geblieben. Natürlich darf nicht unerwähnt bleiben, dass in den 70er und den 80er Jahren die Band unterschiedliche musikalische Ansätze verfolgte und zeitweise dem progressiven Anteil keine spürbare Bedeutung mehr beigemessen hatte. Die Zeiten sind im stetigen Wandel, so überrascht es jetzt nicht, dass die zwei hauptamtlichen Keyboarder und ergänzend Marek Arnold als Gast-Tastenmann erfreulicherweise wieder für breite, atmosphärische Keyboardparts und symphonisch-progressive Momente stehen. Für einen würdigen Rückblick sorgt der Song ‘Lebensblues’, hier kommt der im Jahr 2014 verstorbene Keyboarder Thomas Kurzhals zu verdienten Ehren. ‘Lebensblues’ ist einer der letzten Songs, die Thomas Kurzhals zusammen mit Manuel Schmid geschrieben hatte.

Gitarren spielen auf dem Album eine etwas untergeordnete Rolle, obwohl weitere erfahrene Gastmusiker mit an Bord sind, namentlich René Niederwieser, der bereits bei der Neuauflage von „Weißes Gold“ dabei war – sowie der emsige Martin Schnella. Bekannt wurde dieser durch seine eigenen Projekte und sein Mitwirken bei Flaming Row und Seven Steps To The Green Doors. Zudem ist er für das Mastering verantwortlich.

Nicht nur seit dem Zugang von Manuel Schmid stehen der Gesang und die Texte im Mittelpunkt der Alben von Stern Meissen, das gilt auch uneingeschränkt für „Freiheit ist“. Manchem dürften die Texte unter Umständen zu pathetisch sein, doch gerade diese oftmals bildhafte Ausdrucksweise gehört unverkennbar zur Band. Eine weitere Stärke liegt eindeutig in den äußerst harmonischen und melodiösen Kompositionen, die sich vor allem in der Kombination der Instrumentierung und dem Harmoniegesang widerspiegelt. Vierzehn, besser gesagt dreizehn neue Titel, die nicht nur musikalisch unter die Haut gehen. 55 Jahre Stern Meissen – und wie das neue Album zeigt, ohne jegliche Abnutzungserscheinungen, dabei mit den Texten dicht am Zeitgeschehen und immer noch mit einem sehr hohen Wiedererkennungseffekt, da ist jedes neue Lebenszeichen der Band herzlich willkommen.

Stern Meissen, eine der dienstältesten Bands Deutschlands, ja sie lebt noch und weiß wie eh und je mit wunderschönen Melodien und Kompositionen zu begeistern. Mit einem Wechselspiel zwischen Pop und Prog trotzen die Musiker dem Zeitgeist und das stets auf hohem Niveau. Eine Band, der bislang im Westen viel zu wenig Beachtung zuteil wurde, das sollte und muss sich ändern.
Bewertung: 12/15 Punkten (WE 11, HR 12)

Besetzung Stern Meissen:
Manuel Schmid – (Vocals, Keyboards)
Sebastian Düwelt – (Keyboards)
Thomas Kurzhals – (†2014, Keyboards Titel 7)
Martin Schreier – (Vocals, Percussions)
Frank Schirmer – (Drums)
Axel Schäfer – (Bass)

Gastmusiker:
Marek Arnold – (Keyboards)
René Niederwieser – (Guitars)
Ekkehard Dreßler – (Percussion)
Martin Schnella – (Guitars)

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Abbildungen: Stern Meissen

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Über den Autor

Horst-Werner Riedel

Musik spielt seit jeher eine große Rolle für mich. Ursprünglich stand der Sammeltrieb und die Suche nach Neuem im Vordergrund. Erst 2005 eröffnete mir der engere Kontakt zu Gleichgesinnten die Möglichkeit einen intensiveren Blick in die Szene zu erhalten. So blieb es nicht aus, dann auch einmal meine Gedanken und Beobachtungen in Worte zu fassen. Aus dem Blickwinkel des kritischen Betrachters erhalten Konzerte und CD´s oftmals eine tiefergehende Bedeutung und Musik wird neu erlebt.

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von Horst-Werner Riedel Artikel-Lesezeit: ca. 3 min
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