Dead Venus – Bird of Paradise

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(53:33, CD, Digital, Eigenproduktion/Non Stop Music, 2019)
Wer bisher angenommen hatte, dass unser Nachbar, das idyllische Schweizer Alpenland, nur schmackhaften Käse oder die allseits bekannte Berglandschaft zu bieten hat, der irrt gewaltig. Neben vielen anderen netten Dingen des Lebens sind die Schweizer gleichfalls aufgeschlossen, was angesagte Prog Acts betrifft. Auch wenn sich diese bisher nur selten mit der Übermacht der anglomerikanischen Szene messen konnten. Dennoch, Bands wie z.B. Clepsydra, Cosmos, Deyss, Dragonfly, Flame Dream, Galaad, Krokodil, Metamorphosis und Shakary sollten den Kennern noch in Erinnerung sein.

Freunde des Schweizer Progs dürfen sich nun freuen, die Szene lebt und mit Dead Venus gibt es ein neues Gesicht in der Musiklandschaft und im wahrsten Sinne des Wortes ist Seraina Telli ein erfreuliches davon. Als Frontfrau der Metal Band Burning Witches hatte sie sich bis zu Ihrem Ausstieg 2019 in der Szene bereits einen beachtlichen Namen gemacht. Also ein Neuling ist sie dann doch nicht so ganz. Ihre jüngste musikalische Vergangenheit kann Sie auch bei Dead Venus nicht ganz verleugnen. Mit einem ordentlichen Schuss Metal lässt es Seraina mit ihrem Trio auf dem Debütalbum “Bird of Paradise” immer wieder kräftig krachen. Dabei sollte man sich auch durch die auf dem ersten Titel ‘Latitudinarian’ spielerisch, beruhigenden Pianoläufe nicht in die Irre führen lassen, so geht es doch in den darauf folgenden zwölf Songs um einiges dynamischer und bewegter zur Sache. Das Besondere dabei: die drei Musiker verzichten gänzlich auf E-Gitarren und als i-Tüpfelchen obendrauf werden überflüssige und nervige Drum Samples gleich weggelassen.

So sind neben der markanten und vielseitigen Stimme von Seraina Keys, Bass, Drums und akustische Gitarren die Instrumente der ersten Wahl. Das Ergebnis zeigt, dass das vollständig ausreichend ist, um den eigenen Vorstellungen genüge zu tun. Allein die Festlegung wo Dead Venus musikalisch einzuordnen ist, wirft einige Fragezeichen auf, zumal unterschiedlichste Stilrichtungen adaptiert werden. Mal metallisch, dann wieder jazzig oder doch progressiv rockig, mal sanft songorientiert, ja fast minimalistisch, dann wieder hart und heavy, eine wahrlich interessante und anspruchsvolle Achterbahn für jeden Hörer. Bedarf es denn überhaupt einer schubladenartigen Einordnung? Vermutlich nein, solange die Gehörgänge gereizt und interessiert gespitzt bleiben – und dafür sorgt das Trio in jedem Fall.

Dead Venus mit “Bird of Paradise” – eine alpenländische Überraschung! Wofür so manche namhafte Formation ein gehöriges Arsenal an Instrumenten und Musiker benötigt, das schaffen die drei Schweizer auf eher bescheidene dennoch beeindruckende Art und Weise.
Bewertung: 10/15 Punkten

Line-up:
Seraina Telli / Lead and Backing Vocals, Keyboards; Pianos, Acoustic Guitars
Andrè Gärtner/ Basses, Synth. Programming, Backing Vocals
Mike Malloth / Drums & Percusion, Synth. Programming, Backing Vocals.

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Über den Autor

Horst-Werner Riedel

Musik spielt seit jeher eine große Rolle für mich. Ursprünglich stand der Sammeltrieb und die Suche nach Neuem im Vordergrund. Erst 2005 eröffnete mir der engere Kontakt zu Gleichgesinnten die Möglichkeit einen intensiveren Blick in die Szene zu erhalten. So blieb es nicht aus, dann auch einmal meine Gedanken und Beobachtungen in Worte zu fassen. Aus dem Blickwinkel des kritischen Betrachters erhalten Konzerte und CD´s oftmals eine tiefergehende Bedeutung und Musik wird neu erlebt.

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Dead Venus – Bird of Paradise

von Horst-Werner Riedel Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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