65daysofstatic – replicr, 2019

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(42:17, CD, Superball Music, 2019)
Bisweilen kryptische Songtitel wie ‘d|| tl | | |’ oder ‘gr[]v-_s’, gleichfalls deutsch anmutende Wortschöpfungen wie ‘stillstellung’ oder ‘trackerplatz’. 14 Tracks auf rund 42 Minuten verteilt, das wirkt alles schon sehr geheimnisvoll und subversiv-bedeutungsschwanger.

Seit Anfang der 2000er sind 65dayofstatic in ihrem eigenen Post-Rock Mikrokosmos zu Hause, bei dem das Individuum gewollt in den Hintergrund tritt, sich die künstlerische Aussage mehr um ambitionierte Sounds und Klänge dreht. Deswegen ist die eigene Präsentation vornehmlich von Verschlossenheit und Symbolik geprägt, der künstlerische Anspruch und die Umsetzung der eigenen Ideen scheint wichtiger zu sein als die Protagonisten, die sich dahinter verbergen. Das aktuelle Line-up besteht nichtsdestotrotz aus Rob Jones (Schlagzeug), Paul Wolinski (Piano, Gitarre, Programming), Joe Shewsbury (Gitarre) und Simon Wright (Bass, Synthesizer).

Beim rein instrumental agierenden Quartett aus Sheffield, sind es Adjektive wie düster und nachdenklich, urban und distanziert, die einem beim Anhören von “Replicr, 2019” als erstes in den Sinn kommen. Elektronische Breakbeats wechseln sich ab mit cineastischen, bombastischen Breitwandsounds, die sich im Nirgendwo verlieren. Das ist mal heftiger, krachiger Post-Rock, mal sind es fließende, zerhackte Klangskaskaden, die sphärisch verhallen. Doch in den verstörenden, technisch unterkühlten Konstruktionen verbirgt sich eine gewisse Faszination, die in reduzierter Form mit Dynamiksteigerungen und Experimentierfreudigkeit, aber ebenso melodischen Ansätzen aufwartet.

Zum Teil wirken die einzelnen, mitunter recht kurzen Stücke, wie Material für einen imaginären Soundtrack, der in einer technisch unterkühlten, dystopischen Welt spielt. Kaputte Elektro-Klänge verlieren sich im Raum und auch wenn die Band über ein klassisches Instrumentarium von Gitarre, Bass und Schlagzeug verfügt, so nehmen besonders die wummernden, synthetischen Sounds den größten Raum ein. Gerade die Reduktion auf das Wesentliche eröffnet interessante, sehr atmosphärische Tonkunst, auf die man sich einlassen muss. Wer möchte, dem enthüllt dieses tiefe Eintauchen einen Blick in einer düstere, jedoch nicht gänzlich verlorene Endzeit-Welt.

Bewertung: 11/15 Punkten (KR 9, KS 11)

65daysofstatic (Foto: Künstler)

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Über den Autor

Kristian Selm

Höre eigentlich alles quer durch den bunten Gemüsegarten des Progressive Rocks, vergesse dabei aber auch nicht den Blick über den Tellerrand hin zu "normaler" Rock- und Popmusik, auch wenn mir vom aktuellen Mainstream leider immer weniger gefällt.

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65daysofstatic – replicr, 2019

von Kristian Selm Artikel-Lesezeit: ca. 1 min
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