Dream Theater – Distance Over Time

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(57:25, CD, InsideOut Music/Sony Music, 2019)
So ist das eben mit den großen Namen im Progbereich und der Angst, dass vor dem offiziellen Veröffentlichungsdatum irgendetwas nach außen sickert. Bis zum Erscheinungsdatum war das neue Dream Theater Album “Distance Over Time” für Promo-Zwecke lediglich als Stream verfügbar, was natürlich die klangtechnische Beurteilung, sowie die Möglichkeiten das Album auf der heimischen Anlage anzuhören um einiges erschwerte (aber keineswegs verhindern konnte, dass irgendwo im Internet das Album dann doch als illegaler Download herumspukte).

Mit ihrem 14. Studioalbum sind die Amerikaner nun bei InsideOut gelandet, womit sich in gewisser Weise der Kreis schließt, da bereits etliches andere aus dem Dream Theater Dunstkreis hier veröffentlicht wurde, wie z.B. Soloalben von Sänger James LaBrie, aber auch Bandprojekte wie Transatlantic, Platypus oder The Jelly Jam. Für die Aufnahmen zum aktuellen Album war man auf der Suche nach einer gemeinschaftlichen “Back-To-Basics”-Herangehensweise, weswegen sich die Band zum ersten mal seit langer Zeit wieder als Gemeinschaft in die Provinz begab. So verbrachte man einige Monate ohne jegliche Ablenkung im abgelegenen Yonderbarn Studio in Monticello, NY, um damit nicht nur das neue Album als Band aufzunehmen, sondern auch um mehr Zeit als kreative, musikalische Einheit beim Schreiben, Aufnehmen, sowie gemeinsamen Freizeitaktivitäten zu verbringen.

Mit dem Vorgänger, dem selbst für Dream Theater Verhältnisse recht opulenten, vielen etwas überambitioniert erscheinenden Konzeptwerk “The Astonishing” spaltete man 2016 die Fangemeinde. “Distance Over Time” ist die Rückkehr zum ‘normalen’ Albumformat mit einer Ausrichtung hin zu wesentlich mehr Härte, Dynamik und Progressivität, aber auch zu weniger auslandenden Arrangements – kein Track bringt es auf mehr als 9 1/2 Minuten. Als Endresultat klingt das Material nun homogener, organischer, energiegeladener und mehr nach wirklicher Band, aber atmet gleichfalls eine gewisse jammende Spontanität. Trotzdem fällt vor allem die Rifforientierung, die Betonung des Wortes Metal im Genre Prog Metal auf, ohne dass Dream Theater ihre sinfonische bzw. melodische Seite komplett außen vor ließen.

Gerade im Vergleich zum recht brachialen und düsteren “Train Of Thought” ist die stilistische Balance auf “Distance Over Time” jedoch wesentlich ausgefeilter und differenzierter. Ebenso werden die Soloparts wesentlich zurückhaltender eingesetzt, dennoch bekommt man diverse Gitarren- und Keyboardsoli von John Petrucci und Jordan Rudess in unterschiedlichen Sounds und Stimmungen geboten, selbst wenn man hin und wieder auf flottes Tempo und markantes Power-Riffing setzt. Hinzu kommen ausschweifende, stimmungsvolle Harmoniebögen und ein relativ hoher, teilweise bombastischer Melodieanteil, der damit mit einer einem gewissen Maß an klanglicher Erneuerung die Elemente aus Progressivität und Metal bestens verbindet, aber trotzdem nicht gänzlich auf powervollen, klassischen Rock verzichtet. Genauso sorgen ruhige, amtosphärische Parts für eine gewisse inhaltliche Balance.

In gewisser Weise ist “Distance Over Time” ein typisches, überaus gelungenes Dream Theater-Album, bei dem die Band nur die bekannten Parameter für ihre Zwecke verschoben hat. Das Material hat mehr Heavyness, kurzfristige Komplexität, verzichtet jedoch keineswegs auf großartige, eingängige Melodien, während die instrumentalen Exkursionen fokussierter wirken, mehr auf den Punkt gebracht wurden. Hier ist weniger Raum für Ausschweifungen und Übermaß, sondern der Fünfer von Ostküste konzentriert sich mehr auf konzentrierte Hingabe und wird definitiv bei den Fans auf offene Ohren stoßen.

Das Album ist in diversen Formaten erhältlich (CD Standard & Special Edition Digipak, 180g Gatefold 2 LP Version, Limited Edition Artbook, Deluxe Collector’s Box Set , Digitaler Download)
Bewertung: 11/15 Punkten (KR 11, KS 11)

Dream Theater (Foto: Mark Maryanovich)

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Über den Autor

Kristian Selm

Höre eigentlich alles quer durch den bunten Gemüsegarten des Progressive Rocks, vergesse dabei aber auch nicht den Blick über den Tellerrand hin zu "normaler" Rock- und Popmusik, auch wenn mir vom aktuellen Mainstream leider immer weniger gefällt.

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Dream Theater – Distance Over Time

von Kristian Selm Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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