Glass Hammer – Chronomonaut

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(70:32, CD, Sound Resources /Just for Kicks, 2018)
In Zeiten, in denen Trump´s Fake News die Gazetten beherrschen, ist es schon eine besondere Meldung wert, wenn endlich einmal gute Nachrichten vom nordamerikanischen Kontinent herüberschwappen. In diesem Fall betrifft es die neue Scheibe „Chronomonaut“ der US Progger Glass Hammer. 1992 gründeten die beiden Multiinstrumentalisten Steve Babb und Fred Schendel in Chattanooga (Tennessee) die Progressive Rockband. Als Ergebnis dieser langen, kreativen Zusammenarbeit ist eine beachtliche Liste an Veröffentlichungen entstanden.

Getreu den Prog Gesetzen befassen sich Glass Hammer in ihren Texten häufig mit Szenarien der Fantasy-Literatur sowie mit religiösen Themen. Von Anfang an orientierten sich die Künstler musikalisch stark an Yes, Kansas, Emerson, Lake & Palmer und eben auch an den frühen Genesis. So prägten auch die genannten Vorbilder im Besonderen das Album „Chronometree“ aus dem Jahr 2000. Als eine fast nahtlose Fortsetzung kann man das jetzt 18 Jahre später erschienene Album „Chronomonaut“ betrachten.

Auch diese Produktion enttäuscht nicht. Im Gegenteil, sie besticht durch exzellente Kompositionen und einer qualitativ hochwertigen Umsetzung, dazu hervorragende Vocals, die sich besonders hervortun beim Harmoniegesang. Auf das in der Vergangenheit gewohnte Yes-Feeling wurde zwar nicht gänzlich verzichtet, doch der öfters laut werdende Vorwurf, ein Klon der Altherren zu sein, trifft in diesem Fall auf Glass Hammer keinesfalls zu. Das musikalische Spektrum ist dafür auf „Chronomonaut“ einfach zu breit. Vereinzelt sind sogar im symphonischen Progrock eingebettete, jazzige Passagen vernehmbar. Auch tragen die gelegentlichen Bläsereinsätze zu einem lebhaften, gar frischen und rundum gelungenen Sounderlebnis bei. Verantwortlich zeichnet dafür das aktuelle Glass Hammer Line-Up, bestehend aus den beiden Gründungsmitgliedern Steve Babb (Bassgitarre/ Tasteninstrumente/ Gesang) und Fred Schendel (Tasteninstrumente/ Gitarren/ Gesang) sowie Susie Bogdanowicz (Gesang) und Aaron Raulston (Schlagzeug). Als Gastmusiker wurden u.a. Matthew Parmenter und Chris Herin von Discipline verpflichtet, was dem Album hörbar gut getan hat.

Hatte Glass Hammer auf „Chronometree“ die Geschichte von Tom erzählt, einem in den späten siebziger Jahren besessenen Prog-Rock-Teenager, der Alien Stimmen hörte, so führt das aktuelle Werk diese Story nun konsequent fort. Aus dem Teenager ist nunmehr ein an Jahren erwachsener aber immer noch nicht klüger gewordener, in die Midlife Krise geratener Zeitgenosse geworden. Die Auf und Ab´s der Progwelt und die Liebe zum Progrock stehen dabei im Zentrum seines Lebens. Wer erkennt sich da nicht selber ein bisschen wieder?

Angeboten wird diese musikalische Zeitreise in einem ansprechend hübsch gestalteten Digipack, natürlich mit den Lyrics und der Geschichte zum Nachlesen. Möchte man die gesamte Story von Tom kennen lernen, besteht die Möglichkeit, auf ein Bundle Angebot zurückzugreifen, das inklusive des um einen Bonus Titel erweiterten „Chronometree“ Albums angeboten wird.

Mit den zwölf Kompositionen ist es Glass Hammer erneut eindrucksvoll gelungen, ein episches Musikabenteuer zu präsentieren, das nicht nur den Fans der Band eine Menge Freude bereiten sollte. Alben wie „Chronomonaut“ sind es, die den Unterschied ausmachen.
Bewertung: 13/15 Punkten (HR 13, KS 10)

Glass Hammer (Foto: Künstler)

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Über den Autor

Horst-Werner Riedel

Musik spielt seit jeher eine große Rolle für mich. Ursprünglich stand der Sammeltrieb und die Suche nach Neuem im Vordergrund. Erst 2005 eröffnete mir der engere Kontakt zu Gleichgesinnten die Möglichkeit einen intensiveren Blick in die Szene zu erhalten. So blieb es nicht aus, dann auch einmal meine Gedanken und Beobachtungen in Worte zu fassen. Aus dem Blickwinkel des kritischen Betrachters erhalten Konzerte und CD´s oftmals eine tiefergehende Bedeutung und Musik wird neu erlebt.

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Glass Hammer – Chronomonaut

von Horst-Werner Riedel Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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