Leprous – The Congregation

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Leprous - The Congregation(65:46, CD, InsideOut Music, 2015)
Mit ihrem 2013 Werk „Coal“ haben Leprous die eigene Messlatte recht hoch gelegt, da hat es der Nachfolger „The Congregation“ nicht unbedingt leicht   Doch wenn eine Band intelligent genug ist, dann versucht sie gar nicht das gleiche Album zweimal aufzunehmen. So ist „The Congregation“ immer noch im anspruchsvollen, epischen, leicht überdrehten Art Rock der deftigen Art mit atmosphärischem Einschlag und bisweilen sehr herben Metal Einschüben angesiedelt, dennoch haben sich die Norweger auch weiterentwickelt. In jedem Falle gilt: die Tendenz des düsteren Coverdesigns spiegelt sich unverhohlen in der Musik wieder.

Der markante, sehr eigenwillige Gesang von Einar Solberg ist geblieben, auch musikalisch gehören riffbetonte, stakkatoartige Powervollbedienung und inhaltliche Brüche zum festen Repertoire, Dennoch ist die musikalische Gestaltung überraschend und spannend genug ausgefallen, um nicht als bloße Wiederholung durchzugehen. Man durchschaut nicht sofort alle Einzelheiten, da Elektronikelemente, sphärische Parts und genügend anhörtechnische Stolperfallen, sowie widerspenstige Gesangskapriolen jede Menge Widerhaken bieten. Das ist bisweilen anstrengend, fordernd, sicherlich nicht nach jedermanns Geschmack, aber dennoch interessant interpretiert und voll-ins-Gesicht umgesetzt. Trotzdem haben Leprous das nötige Gespür für melodische Einflüssen, denn die Band  versteht es genauso gekonnt mit hymnischen, ausladenden Hymnen zu punkten, womit nicht alles zu abstrakt, zu kontrovers ausgestaltet wirkt.

„The Congregation“ ist eine Songsammlung zwischen metallischem Breitwandsound und raffinierten Zwischentönen, das weitaus mehr bietet als landläufiger ProgMetal von der Stange. Hier werden einmal mehr verschiedene Genregrenzen überschritten und wer gerne über diverse musikalische Tellerränder schaut, wird auch bei diesem Album ein willkommenes, auslandendes Panoptikum der brachialen Gegensätze finden. Leprous klingen wie sonst nur Leprous – und soviel Eigenständigkeit darf als großes Kompliment gewertet werden.
Bewertung: 12/15 Punkte (KR 13, KS 12)

Leprous
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„The Congregation“ Studio Diary

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Über den Autor

Kristian Selm

Höre eigentlich alles quer durch den bunten Gemüsegarten des Progressive Rocks, vergesse dabei aber auch nicht den Blick über den Tellerrand hin zu "normaler" Rock- und Popmusik, auch wenn mir vom aktuellen Mainstream leider immer weniger gefällt.

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  1. Pingback: Red Cows 2015 |

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Leprous – The Congregation

von Kristian Selm Artikel-Lesezeit: ca. 1 min
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