(36:02, CD, Digital, Interstellar Smoke Records, 2023) 'Harvest', 'Bloom', 'Sun', ‚Night‘, 'Lust', 'Emerald' - Moonstone sind keine Vertreter der langen Worte und ausführlichen Monologe. Auch auf dem zweiten Album der Krakauer Doom-Schlurfer geht es ohne Umschweife zur Sache – und die ist dunkler geraten als die von Elaboraten ähnlich gearteter Vertreter. So macht man sich auch keine Mühe, eventuelle Auswege oder Lösungen der selbst herbeigeführten Konflikte anzubieten. Warum auch, es ist doch gerade so schon trostlos und ausweglos genug. Und in eben diesen Aggregatzuständen düsteren Dooms (wobei Moonstone dann doch nicht heavy genug sind, um, mit Ausnahmen, vollends das Attribut…
Autor: Carsten Agthe
(41:36, CD, Vinyl, Digital; Magnetic Eye Records, 2023) Another gem from downunder. Aus den Tiefen des Schicksalsbergs beziehungsweise des Great Barrier Reefs überrumpelt uns Oceanlord, wie es Newcomer manchmal eben so machen. Ohne Ansage knallt uns der Dreier aus Melbourne ein Brett vor den Latz, das die Hauptstadt von Victoria im Doom-Ranking um einige Plätze nach oben katapultiert. Gitarrist und Sänger Peter Willmott klingt wie ein verzweifelter Ozzy, die Band selbst wie die Entsprechung des Bandnamens – weithin hallend, übermächtig und gewaltig. Sechs Tracks in über vierzig Minuten fordern ihren Tribut, der sich in schleppend monolithischen Soundgebilden äußert, die schwerfällig…
(34:07, Vinyl, Digital, Hot Tub Records, 2023) Wahrlich sind die "Cloud Souvenirs" Wolkengebilde, die sich bei längerem Nichtbetrachten in Luft aufgelöst haben, also gänzlich verschwunden sind. Chris Staples kreiert auf seinem sechsten Album eben solche Wolkengebilde in Form verhuschter Songs voller Insichgekehrtseins und voller Melancholie. Entstanden sind diese bei einer Reise nach Florida, als der Künstler seine kranke Mutter besuchte. Nun möchte man behaupten, dass gerade Florida zu einer wunderbaren Leichtigkeit des Seins geradezu einlädt – der Anlass lässt derweil Verständnis für die Seelenpein des Protagonisten aufkommen. Cloud Souvenirs by chris staples Mit weniger Americana-Einflüssen, dafür aber mehr Dream-Pop Momenten…
(41:21, CD, Digital, BSC Music/Prudence, 2023) Deep Imagination into the world of gothic. Mit seinem immerhin schon sechsten Album als Deep Imagination legt Thorsten Sudler-Mainz (Art Of Infinity) mehr als nur eine geringe Phasenverschiebung hin und dringt mit "The Children Of The Moon" noch tiefer in die von ihm favorisierte Spielart seiner musikalischen Anfänge ein. Deutlich weniger Ambient- und Electronica-behaftet gibt es hier tief dräuende Gitarren und noch tiefere Soundkulissen. Zusammen mit seinem Ex-Partner Achim von Raesfeld an den Gitarren und Partnerin Ann Kareen Mainz widmet er sich waviger Slowmotion, die mit passenden Titel wie 'Make The Moon Appear', 'Catching…
(59:39, CD, Vinyl, Digital; Dark Essence Records/Plastic Head, 2023) Es gibt sie also noch. Ganze 16 Jahre nach ihrem letzten physischen Lebenszeichen "Det Vilde Kor" wollen es die norwegischen Folk-Progger doch noch einmal wissen. Und kommen, damit sich die Sache auch lohnt, mit einem Doppelalbum, das auch konzeptionell reichlich anspruchsvoll geriet. Hier widmete man sich (nach Knut Hamsun auf dem Vorgänger) der Lyrik des großen norwegischen Dichters André Bjerke (der zu Lebzeiten Weltliteratur von Goethe, Shakespeare, Hesse, Heine und Molière ins Norwegische übersetzte), was "Fremmede Toner" einen klassischen Anstrich verpasst. Interpretiert wurde alles in Norwegisch, Riksmål (eine inoffizielle Abart von…
(37:58, CD, Vinyl, Digital, SusannaSonata/Cargo, 2023) Susanna geht mit ihren Ovationen für Baudelaire in die nächste Runde. Nach "Baudelaire & Piano" von 2020 und "Elevation" von 2022, wo sich die norwegische Sängerin zum ersten Mal intensiv mit dem bedeutenden französischen Schriftsteller Baudelaire beschäftigte und seine ins Englische übertragene Lyrik kongenial vertonte kommt nun "Baudelaire & Orchestra", was eine weitere Steigerung der Würdigung des Schaffens des großen französischen Lyrikers darstellt. Baudelaire and Orchestra by Susanna Hier wurden Stücke der vorangegangen Alben (wie 'Burial', 'Obsession', 'Elevation' oder 'Longing For Nothingness') von Jarle G. Storløkken sowie Jan Martin Smødal neu arrangiert und mit…
(42:31, CD, Vinyl, Digital, Art As Catharsis, 2023) Was vom Namen her mächtige Assoziationen lostritt macht auch wirklich mächtig was her. Ganze fünf Jahre nach dem letzten Werk "Years Under Glass" empfiehlt sich das Melbourner Post-Rock-Schwergewicht Bear The Mammoth mit einem neuen Monolithen. "Purple Haus“ ist alles, was Post Rock war, ist und (eventuell einmal) sein wird. Verträumt, melancholisch, breitwandig, fulminant, pathetisch, bombastisch, groß, harsch, kompromisslos. Je nach Zustand und Stimmungslage. Mit hohem Suspense-Gehalt behaftet kredenzt uns die Band from Downunder sieben neue Stimmungsbilder zum Zementieren der eigenen Unsterblichkeit, die da anfangen, wo andere längst aufgehört haben. Mit 'Jaded' und…
(62:23, CD, Vinyl, Digital, Apollon Records/Plastic Head, 12.05.2023) Ein umfangreiches Konzept für Gourmets vom Hard Rock der Siebziger. Mit mächtigen Riffs, Twin Guitars und ausufernden Georgel stürzen sich Hex A.D. in ein Abenteuer, das nicht nur Album-füllend ist sondern großzügig darüber hinaus wächst. Mit über einer Stunde erschufen die Norweger ein Storyboard über den Genozid, wobei hier an drei Beispielen (Shoa, Holocaust, Auschwitz/ Tutsi, Hutu, Ruanda/ Rohingya, Myanmar) unbequeme Wahrheiten und Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu Themen gemacht werden. Womit sich Hex A.D. selbst mit einem Anspruch beladen haben, der schnell zum Scheitern verurteilt werden könnte. Der Vierer um Sänger…
(31:11, CD, Vinyl, Digital, Apollon Records/Maxime by Howlin` Sun, 12.05.2023) Da heult der einsame Wolf dieses Mal eben nicht den Mond sondern die Sonne an. Kann er machen, alldieweil Howlin' Sun ein Blues'n Fuzz-getränktes Brett fahren, als ob es kein Morgen gäbe. Und wieder einmal sind die Norweger an allem schuld. Der Vierer aus Bergen knallt uns die Standards nur so um die Ohren, wobei sich mehr als nur ein Deja Vu-Erlebnis offenbart. Howlin' Sun reihen sich übergangslos in die Riege von Größen wie die Rolling Stones, Led Zeppelin oder ZZ Top ein, wobei das Songwriting bei jedem Track reichlich…
(42:02, Vinyl, Digital, Sulatron Records/Broken Silence, 2023) Fluffig sind die Finnen geworden. Jedenfalls fluffiger als auf den Vorgängeralben "Beyond These Things" sowie "Cosmic Comics", auf denen hin und wieder fuzzige Avancen die Harmonien gehörig lässig durcheinanderwirbelten. Wahrhaftig wirkt die Musik von Permanent Clear Light hier wie ein sanfter Frühlingsregen, womit man auch dem Albumtitel eine Bedeutung beimessen dürfte. Das Trio um Sänger Matti Laitinen, der her längst nicht mehr so Liam Gallagher-like nölt wie in vergangenen Tagen, offeriert hierbei wehmütigen Sarkasmus, den man ob der Lieblichkeit der Interpretation noch nicht einmal auf Anhieb checkt. Man fühlt sich sofort in Daunenkissen…
(43:48, CD-R, Digital, Sound In Silence, 05.05.2023) Die "Channels" decken dann wohl alle Programme elektronischer Unterhaltungsmusik in LoFi ab. Von Spieluhrenweisen über Nintendo-BlingBlong, Kindergartensingsang, Fahrstuhlmuzak bin hin zu Berliner KlingKlang a la Tyndall. Einzige Prämisse - die Kompositionen beziehungsweise kompositorischen Miniaturen müssen ambiente Flächendeckung garantieren. Immerhin ist der Kanadier Lee Nicholson, der sich hinter Test Card verbirgt, prädestiniert für solchen Sachen, befindet er sich doch schon seit den späten 90ern auf dementsprechender Soundsuche – damals noch mit Formula One, Fierce Panda und Domestic4, heute neben Test Card mit Electrohome und Future Peasants. Channels by Test Card Nun scheint er sich…
(57:58, CDr, Digital, Sound In Silence, 2023) Jason Sweeney alias Sweeney (hier unter diesem Namen immerhin schon mit dem fünften Album am Start) schürft tief. Ganz tief. Seine Songs, die er hier auf "Corporeal" unter schmerzhaften Tiefgrübeleien zelebriert, tragen Titel wie 'Lost Youth', 'Dumb Love', 'The Dead Dig Deeper', ‚'All Alone On The Stage Tonight', 'Leaving Love' oder 'The Dead Speak Back'. Wobei seine Musik weiterhin auch nicht dazu anregt, ausgelassenen Umstand zu feiern. Aber, das soll man auch nicht. Zwischen späten David Sylvian, Thomas Feiner (Anywhen) und Stuart Staples (Tindersticks), die ja auch nicht unbedingt Kinder von Fröhlichkeit sind,…
(79:59, CD-R, Digital; Sound In Silence, 2023) Sound In Silence macht hier seinem Namen wahrhaftig alle Ehre. Gleichzeitig schließt sich bei der einhundertsten Veröffentlichung des Ambient- und Post-Rock-Labels der Kreis, ist doch "These Clouds…" nach dem allerersten Release von 2006 die zweite Compilation. Vorbehalten ist auch dieser Sampler vor allem den Künstlern, die hier veröffentlichen. Stets in limitierter Auflage als CD-R im von Hand produzierten Cover erfreuen sich die SIS-Releases bei Sammlern großer Beliebtheit. Hier nun gibt es exklusiv für diesen Sampler extra eingespieltes Material von 18 Acts, die "These Clouds…" auf eine Lauflänge von 80 Minuten bringen. These Clouds...…
(39:42, Vinyl, Digital; Eigenveröffentlichung, 09.06.2023) Zwischen Björk, Coco Rosie und Joanna Newsom ist noch Platz. Ganz viel Platz. Dieser Raum, der von Singer-/Songwriting über Post Rock bis hin zu Semi-Klassik alles zu bieten hat, wird jetzt von Judith Parts, jedenfalls zum Teil, ausgefüllt. Die heute in Kopenhagen residierende estnische Musikerin holt auf ihrem selbst inszenierten und zum Großteil, bis auf Cello und Trompete, auch selbst eingespielten Album wahrlich zu einem Rundumschlag in Sachen alternativer Akustikmusik aus und präsentiert uns am Rand zur Stille ausharrende, pastellfarbene Klanggemälde. Schon der als Opener fungierende Titeltrack offenbart uns eine transzendente Soundkulisse aus female Voices,…
(39:03, CD, Vinyl, Digital, Pelagic Records/Soulfood, 2023) Evan Patterson grummelt einmal mehr wie ein griesgrämiger Michael Gira. Und überhaupt klingt "Don’t Let Your Love Life Get You Down", das neue Jaye-Jayle-Oeuvre, mehr nach den aktuellen Swans als nach Jaye Jayle selbst. Auch hierzu holte sich Patterson - auch wenn als Soloprojekt des ex-Young Widows Sängers und Gitarristen konzipiert - mit Todd Cook (Bass), Chris Maggio und Neal Argabright (Drums), Corey Smith (Synths) sowie Patrick Shiroishi (Saxophone) wieder eine komplette Band zu sich ins Studio, was „Don’t Let Your Love Life Get You Down“ gefühlt noch dynamischer als alle Vorgängeralben geraten…
(121:53, CD, Vinyl, Digital; Mute/PIAS/Rough Trade, 2023) Es stimmt schon ein wenig nachdenklich, wenn behauptet wird, dass das neue Album der Swans ein wenig optimistischer geraten sein soll. In Bezug auf die Band selbst könnte diese Aussage stimmen, im Gesamtkontext tut man sich dagegen schwer, "The Beggar" eine lebensbejahende Atmo bescheinigen zu wollen. Dazu mimte Michael Gira, der hierfür wieder altbekannte Mistreiter, aber auch neue Begleiter rekrutieren konnte, einfach zu lange den Griesgram. Die im goldenen (oder tiefdunklen) Schnitt wieder ellenlangen Ovationen (die Soundcollage "The Beggar Lover (Three)" kommt als 44-minütiger Alptraum) geben sich genauso destruktiv wie die der letzten…
(49:11, CD, Vinyl, Digital; Erased Tapes/Indigo, 07.07.2023) "Rain before seven, fine before eleven…". Diese alte Bauernregel nahm sich Arthur Jeffes zu Herzen und gleich als Motto für sein neues, das sechste, Album. Zugegeben klang das Penguin Cafe noch nie so optimistisch wie eben hier, "Rain Before Seven…" geriet zu einem Rausch aus Wohlklang und Positive Vibrations. Jeffe, der hier das Penguin Cafe Orchestra von seinem Vater Simon weiterführte, gibt sich optimistisch und kommt mit einer Flut aus kammermusikalischen Exzessen, pathetischen Pianoballaden, imaginären Soundtracks und dezent beatlastigen Ovationen an die Clubculture. Balafon, Piano und Kammerquartett bilden die Basis für Musik, die…
(46:47, CD, Vinyl, Digital, Golden Antenna Records/Broken Silence, 2023) Die Sache mit dem Hahn. Der prangte nämlich groß und unübersehbar auf dem Debüt von OK Wait, "Well" und hinterließ einen prägenden Eindruck. Wie auch die Musik der Band aus Hamburg, deren Mitglieder vorher in solch illustren Combos wie den Sonic Black Holes, Rhoda und Ulme zu finden waren. Es wurden also keine Neulinge auf die postrockende Gemeinde losgelassen, denn eben hier waren OK Wait zu suchen und auch zu finden. Gerade einmal ein Jahr nach dem schon als fulminant einzuordnenden Debüt-Album empfiehlt man sich mit dem Nachfolger "Signal", der insofern…
(45:14, CD, Vinyl, Digital; Pelagic Records/Soulfood, 23.06.2023) Mithin ist JeGong nicht einfach so ein Nebenprojekt, meinen es die beiden hier Aktiven, die da sind Reto Mäder von Sum Of R und Ural Umbo sowie Dahm Majuri Cipolla von Mono und Watter, doch hierbei dermaßen ernst, dass mit "The Complex Inbetween", nach "I" doch immerhin bereits das zweite Album erscheint. Krautrock rules mittlerweile doch schon the world und so sind sich die beiden Schweizer nicht zu schade, hin und wieder auch eine Laudatio an Patina-gesättigte Denkmäler wie Neu! zu inszenieren. 'Come To The Center' ist ein tief in Krautbottichen watendes Exempel…
(47:36, Vinyl, Digital; Sulatron Records/Broken Silence, 2001/23.06.2023) Über zwanzig Jahre nach Erstveröffentlichung gibt es "The Glitter Odd" noch einmal in physischer (Vinyl-)Form. Sulatron Records machts möglich. Die einstige Einmannkapelle des Multi-Instrumentalisten Luis Simões, die uns in den letzten Jahren mit herrlich psychoaktiven Elaboraten wie "Muzak" (die mit dem Nipplegate), "α Ω α" oder "The Real High" (2021) beglückte, legte hiermit den Grundstein für eine farbintensive, nunmehr schon über zwanzig Jahre währende Karriere. Eine Karriere, die hier, mit "The Glitter Odd" aus dem verwunschenen Nebeln transzendenten Selbstvergessens entstieg. The Glitter Odd by Saturnia Im Gegensatz zu nachfolgenden Veröffentlichungen, bei welchen die…