Post Hardcore • Heavy Psych (18:08; CD, Vinyl, Digital; Noisolution/Edel; 07.11.2025) Alles zurück auf Anfang. Nämlich ganze dreißig Jahre. Bassist Davo Gould und Schlagzeuger Geoff Haba, Gründungsmitglieder der kultigen Mother Tongue (welche Haba kurz nach Veröffentlichung des Debütalbums verließ) erinnerten sich der Funktionalität der Rhythmusfraktion ihrer Band gerade in den Anfangstagen, und da man sowieso im losen Kontakt zueinanderstand, keimte die Idee zu einem gemeinsamen Projekt. Und dieses geht nun in Form von Werewolf Etiquette auf. Keine Gitarren, dafür Drum 'n' Bass satt, was den Heavy Psych des Stammprojekts dezent in Richtung Punk 'n' Hardcore verschiebt. Diverse schräge Keyboardflächen fungieren…
Autor: Carsten Agthe
Progressive Rock • Konzeptalbum (16CD+2Blu-ray, 4LP+16CD+2Blu-ray; Madfish; 24.10.2025) Das war schon ein einschneidendes Erlebnis, als zum ersten Mal wie aus dem Nichts der 'U-L-L-A'-Schlachtruf der Marsianer aus den Boxen ertönte und minutiös nachhallte. 1978 erschien mit "Jeff Wayne's Musical Version Of The War Of The Worlds" die Vertonung der gleichnamigen Story von H.G. Wells über die schon unzählige Male adaptierte Invasion von Marsianern, die letztendlich von Bakterien hingerafft werden, als großangelegtes Konzept in ausladendem Progressive Rock. Mit einem aus Chris Thompson (Manfred Mann’s Earth Band), David Essex, Phil Lynott (Thin Lizzy), Justin Hayward (The Moody Blues), Julie Covington, Jo Partridge…
Art Punk • Kraut Punk (44:53; Vinyl, Digital; Tonzonen Records/Cargo; 17.10.2025) Der Bahnhof Motte ist unersättlich. Und will „Zeit Fressen“. Weil: ‚Ich will Zeit fressen, damit sie mir endlich gehört. Ich will Zeit fressen, damit sie mich nicht mehr stört…‘. Zwischen den Fehlfarben und den Scherben stehen die Signale für den Bahnhof auf freie Fahrt, das Abstellgleis wird nicht einmal annähernd tangiert. Da fragt man mit einem Song schon einmal 'Wohin', wobei auch sämtliche Kompromisse außen vorbleiben. ‚Ich will frei sein…‘ heißt die Devise und diese Freiheit nehmen sich die Dresdner um Sänger/Saxophonist Georg Fleischfresser (sic!) vor allem mit ihrer…
Americana • Indie Folk (38:40, CD, Vinyl, Digital; Bella Union; 07.11.2025) Die Welt ist im Wandel. Wie schön, dass es Dinge gibt, auf die man sich verlassen kann. Obwohl gerade die bisherige Karriere von Midlake bisher nicht unbedingt stromlinienförmig verlief. Großen Momenten, wie dem Überalbum "The Trials Of Van Occupanther" folgten Stagnationen, wie der Weggang von Frontmann Tim Smith 2012 (welcher sich mehr oder weniger erfolgreich an dem Projekt Harp versucht) sowie ein qualvoller Neuanfang und eine dezente Neuausrichtung. Eric Pulido übernahm den Gesang und es folgten mit "Antiphon" und "For The Sake Of Bethel Woods" tatsächlich zwei achtungserfolgreiche Platten.…
Doom • Psychedelic Sludge (37:48; CD, Vinyl, Digital; Heavy Psych Sounds Rec./Cargo; 10.10.2025) Heavenly Voices von Elisa De Munari, schwere Riffs von Marco Degli Esposti (The Great Northern X), wummernde Bassläufe von Enrico Baraldi (Collars, Ornaments) und schwere Schlagzeugfills von Vladimir Marikoski (The Black Heart Procession) verdichten sich zu einem Sludge-affinen Doom, der von der Stimme der Chanteuse ins Licht geführt wird. Jene ist dann durch ihren Gebrauch von exotischem Instrumentarium wie Harmonium, Sitar und Dilruba dafür verantwortlich, dass dem Litania-Debüt eine Art worldmusikalischer Flair anhaftet. Mit dezenten Anklängen an indischen Raga erhebt sich das Debüt des italienisch/serbischen Konglomerats in…
Doom • Stoner Rock • Sludge (41:12, CD, MC, Digital, Blues Funeral Recordings; 10.10.2025) Doom, Stoner Rock. Das passiert, wenn man die Zeit im Studio effektiv nutzen möchte. Zu den Aufnahmen des NIN-Klassikers „Head Like A Hol“ für den Tribute-Sampler „Best Of NIN Redux“ blieb noch etwas Zeit, die man nutzte, um weitere Songs einzuspielen. Neben dem neuen Stück 'Marigold' huldigte die Band aus Albuquerque dabei ihren Heroen Fudge Tunnel, Clutch und Floor, von welchen man kurzerhand die Tracks ‚Gray‘, ‚The House That Peterbilt‘ sowie ‚Find Away‘ einspielte. Macht Sinn, reflektieren Blue Heron damit doch ihre eigene musikalische Prägung. Im typisch…
Mathrock • Stoner (38:21, CD, Vinyl, Digital, Noisolution; 02.10.2025) Wir wissen erst einmal, wo Zhaat eingeordnet werden wird – nämlich irgendwo zwischen Zappa und ZZTop. Was natürlich überhaupt nichts mit der stilistischen Ausrichtung des Leipziger Quartetts zu tun hat. Diese ist nämlich so ziemlich einzigartig, unique und special. Zwischen kompromisslosen Hardcore-Granaten (natürlich mit entsprechend aufmunternden Aggro-Vocals), Trance-nahem psychedelischem Abdriften und orientalischem Flair, das heißt dem Hirsch Effekt mit einer Prise Muskat, Nelken und Zimt, gehen Zhaat auf Stimmungsmache, die mächtig reinhaut. 'The Seer‘ und 'Tikal‘ outen sich als mächtige Soundbrocken, die mit einem Stoner’n Hardcore-Spagat (oder, besser: Spaghaat) aufwarten und…
Blues-Rock • Garage (35:18; Vinyl, Digital; Muziekvereniging de Nozems; 19.09.2025) Rau, dreckig, geerdet. Money & The Man liefern 35 Minuten Power am Stück. Abzüglich einiger sphärischer Zwischentöne wie den einleitenden Titeltune. Die Holländer haben ihre Hausaufgaben gemacht und hauen mit ihrem immerhin schon dritten Album eine Sammlung schmissiger 2 bis 3-Minüter raus, die mächtig Energie intus haben. Mit der Power mehrerer kollabierender Queens Of The Stone Age inszenieren Money & The Man einen Kracher nach dem anderen und zeigen sich nebenbei reichlich Hit-affin. Nach eben jenem ‚MAMMON‘ geht es schon mit dem treibenden ‚What Have You Got To Lose‘ ans…
Indie • Wave Rock • Shoegaze (35:02; Vinyl, Digital; My Ruin Records; 07.11.2025) Da gibt es tatsächlich auch eine Band aus Pennsylvania gleichen Namens, die ebenso fast auf der gleichen Wellenlänge wie die Münsteraner musiziert. Nun sollte man sich aber nicht verwirren lassen, denn was Letztere mit ihrem Debütalbum lostreten, ist der beste Wave Rock seit Echo & The Bunnymen, den Sad Lovers & Giants sowie den Chameleons. Maitland (GER) walzen sich in anrührender Melancholie, sentimental wavigen Gitarrenklängen und großen Momenten in Dreampop-igem Shoegaze. So, wie „Maitland“, das Album, klang die gute Seite der 80er und während die Gitarren weithin…
Soundtrack • Electronica • Shoegaze (36:16, CD, Vinyl, Digital, Mute, 31.10.2025) James Chapman alias Maps hat tatsächlich eine dunkle Vergangenheit. Denn 2014 und somit zwischen seinen beiden Platten „Vicissitude“ und „Colours. Reflect. Time. Loss“ entstand „Welcome To The Tudor Gate“ als quasi Soundtrack zu einem Film, den der Shoegazer damals nur im Unterbewusstsein mitbekam. „Inspiriert von einem Film, dessen Spuren ich nie wiederfinden konnte, machte ich mich daran, einen geheimnisvollen, seltsamen und unheimlichen Soundtrack mit Anspielung auf das Fantastische zu kreieren. Ich stellte mir einen Protagonisten vor, der sich in ein unheilvolles Land mit riesigen Wäldern voller mysteriöser Wesen wagt…
Garage • Surf • Psych Rock (44:00, CD, Vinyl, Digital, Aloc-Pop Records, 10.10.2025) Back to the roots. Nämlich zu den Aufnahmesessions mit gesamter Band. Das hält das Energielevel am Laufen und die Authentizität auf hohem Niveau. Zum ersten Mal seit dem Debüt „Annabel Dream Reader“ von 2014 geht die Band aus Brighton auf diese Art und Weise vor und überrascht mit einem Album, dem fünften (!), voller großer Momente in Garage’n Surfrock, wobei die beatleske Komponente keine unerhebliche ist. Das Songwriting tritt wieder in den Vordergrund. Und das Gespür füreinander. Das Resultat – mitreißende Kleinode voller roher Magie und Energie,…
Postrock • Instrumental (54:24, CD, Vinyl, Digital, Vinter Records, 05.09.2025) Die Werkschau befindet sich mittlerweile in den Phasen 082 bis 090. Das Orsak:Oslo eigene Köchelverzeichnis hilft somit dabei, den Überblick zu behalten. Was vor allem zu Beginn notwendig war, arbeiteten die Schweden doch Anfangs mit Zufallsgenerator oder gar Chaostheorie, was die Nummerierung der Tracks anbelangt. Doch nun sind wir wieder im Rennen und starten in Richtung „Silt And Static“, dem hinsichtlich Suspense und großer Momente am Ereignishorizont zu Kraut- und Postrock vielleicht intensivsten Album von Orsak:Oslo. Treibend pulsierend, fast schon tanzbar, zeigen sich schon einmal Tunes wie ‚082 Biting In‘…
Shoegaze • Electro-Pop • Post-Rock (43:08, Vinyl, Digital, Flying Hearts / Muting The Noise, 17.10.2025) Es hat schon etwas zu bedeuten, wenn ein Alan Parsons, der übrigens das zweite Electric Litany-Album "Enduring Days You Will Overcome" co-produzierte, hier von »the next Radiohead« sprach. Die Londoner kommen nun mit "Desires", ihrem mithin auch schon vierten Longplayer (die EP "Sonder" wurde außer der Reihe 2022 veröffentlicht), mit welchem sie wieder pathetische Hymnen für die Ewigkeit inszenieren. Sänger Alexandro Miaris klingt, wie Jónsi im siebenten Himmel, sein Gitarrenspiel flaniert lässig zwischen Shoegaze und Postrock hin und her, die Synths verewigen sich in den…
Math Rock • Glitch • Progressive Rock (34:05; CD, Vinyl, Digital; Eigenveröffentlichung; 24.10.2025) Ein Hörerlebnis, das wahrhaftig special ist. Per Zufallsgenerator erschaffen Sandōkaï Sounds, die sicherlich nicht von der Stange sind und gleichzeitig hypnotisieren wie verstören. Aphex Twin meets Psychedelic'n'Prog, was an sich schon eine abenteuerliche Kombination ist. Die Schweizer knallen uns eine Symbiose aus Alternative, Math Rock, Electro-Jazz und Glitch vor den Latz, dass es eine helle Freude ist. Und eben das ist ernst gemeint. Nach der Eröffnungssequenz 'Glitch S', die dann auch wirklich "nur" eine Sequenz ist, geht es mit dem siebenminütigen Titeltrack, polyrhythmischen Schlagzeugpatterns, nervösen Beats und…
Waverock • Post-Punk (30:40; Vinyl, Digital; Flight13; 10.10.2025) Es sind erfrischende Klänge, die uns TV Cult auch mit ihrem zweiten Album präsentieren. Nach "Colony" (der Joy Division Twist scheint nicht ohne Grund gewählt) nun "Industry". Tief in den 80ern verwurzelt dräuen die Gitarren, Bassläufe und Keyboards Wave-affin, wohingegen die Vocals schon im Post-Punk verwurzelt sind, in den knurrenden Lautäußerungen Christian Death'sche Züge aufweisen, in den überambitionierten Parts dezent den Lemmy mimen. Das bleibt immerhin alles in der Familie beziehungsweise in den Eighties. Schon der Einstieg mit 'Communion' weckt Erinnerungen an die frühen Sad Lovers and Giants sowie The Cure –…
Math Rock • Post Rock (46:49; CD, Vinyl, Digital;Pelagic Records/Cargo; 10.10.2025) Das Cover mit dem Motiv vom Dead Vlei des Namib-Naukluft National Parks macht in erster Instanz schon viel her, weckt es doch auch Assoziationen zu einem Film wie "The Cell", in welchem dieser Ort als Kulisse für surreale Traumsequenzen diente. Womit wir, bezüglich Nyos und "Growl" schon beim Thema wären – surreale Traumsequenzen. Mit ihrem siebenten (!) Longplayer greift das Duo aus dem finnischen Jyväskylä zwar nicht unbedingt nach den Sternen, spielt beziehungsweise frickelt sich jedoch wieder einmal in Bereiche, die noch nicht so richtig erforscht sind. Und finden…
Cinematic Experimental Rock • Post-Rock (38:16, CD, Vinyl, Digital, Bird’s Robe Records / dunk! Records; 10.10.2025) Großkalibrig präsentieren sich Seims mit „V“. Einmal mehr werden hierbei Grenzen ausgelotet und -getestet, die dann sowieso keine Rolle mehr spielen, weil sich darüber hinweggesetzt wird. Das Projekt um Multiinstrumentalist Simeon Bartholomew wartet erneut mit jeder Menge Arrangement-technischer Finesse auf, präsentiert gleich einmal ein String- sowie ein Bläserensemble und lässt We Lost The Sea-Gitarrist Mark Owen ein pathetisches Gitarrensolo in Postrock zelebrieren ('End’s Tether'). Wenn jubiliert wird ('My Memories Retain Nothing'), dann gleich mit einer Ausgelassenheit, die an die frühen Efterklang erinnert, wenn Galaxien…
Krautrock • Ambient (43:01, Vinyl, Digital, How To Destroy The Divine Records; 24.09.2025) Ein sanft pulsierendes Etwas aus Krautrock, Electronica und Ambient, welches sich angenehm in die Gehörgänge schmeichelt. Ynnerspeaker haben auf ihrem Debüt tatsächlich keinen Grund, auf Distanz zu gehen und zelebrieren viel lieber eine dezente Orgie in Gruppenkuscheln. Zwischen Early Floyd, Neu! und Ashra ist natürlich ganz viel Platz, der von dem Duo Jan Logas (Feedy, Brahms) und Markus Wiese (The Penguins Ate My Soul, MaMa) wohlweislich nicht komplett ausgefüllt, sondern als Claim der Besonderheiten abgezirkelt wird. Der Groove der einleitenden 'Congabar' besitzt den speziellen 'Set The Controls'-Drive,…
Metal • Doom • Sludge (60:15, CD, Vinyl, Digital; Pelagic Records /Cargo; 26.09.2025) Die Abrissbirne der jüngsten Dekade kommt auf jeden Fall von Abraham. Mehr noch als auf dem Vorgänger "Débris de mondes", auf dem Schlagzeuger Dave Haldimann aka Schlagmeister die Vocals übernahm, was die Schweizer an den Rand des gerade noch einmal Verdaulichen brachte, regiert auf "Idsungwüssä" das Chaos, scheinen die Lautleben direkt aus der Bosch'schen Hölle entsprungen zu sein, was jetzt nicht unbedingt dafür gut wäre, Frohsinn zu stiften. Der Titel selbst weckt Parallelen zum Kobaïnischen von Magma, ist dann aber 'nur' ein Dialekt aus dem Schwiitzertüütschem (Idsungwüssä…
Neo Psychedelic • Neo Kraut Rock • Psych Pop (42:38; Vinyl, Digital; Tonzonen Records/Cargo; 26.09.2025) …such as Psychedelic and Kraut Rock, "Remove The Ties" is probably the best Neo Psychedelic album of the last 25 years. Das sind erst einmal verdammt hoch hängende Vorschusslorbeeren, mit welchen man sich selbst schmückt. Nach dem Vorgängeralbum "We Cannot Awake" konnte es für die Düsseldorfer tatsächlich nur eine Richtung geben - nach oben, wo man nun, nach den Sternen greifend, auch das beste Neo Psychedelic Album der letzten 25 Jahre an den Start hievt. Vibravoid, die vor eben 25 Jahren ihr erstes Album veröffentlichten,…