
Progressive Rock • Alternative Metal • Grunge • Post Metal
(54:14; Vinyl, CD, Digital; Church Road Records; 23.10.2026)
Boss Keloid sind auf "Float & Aperture" noch progressiver geworden und entfernen sich weiter von ihren Sludge-Doom- und Stoner-Wurzeln. Stattdessen schimmert zunehmend Grunge durch, nicht zuletzt dank Alex Hurst, dessen Timbre und Phrasierung mich immer wieder an Eddie Vedder erinnern. Fast könnte man meinen, Pearl Jam hätten beschlossen, ein Prog-Album aufzunehmen – allerdings eines, bei dem eher King Crimson und Tool als Yes oder Genesis Pate stehen.
Gerade rhythmisch erinnern Boss Keloid bisweilen an Tool oder Wheel, ohne die spielerische Komplexität eines Danny Carey oder die Wucht eines Santeri Saksala zu erreichen. Ihre Spannung beziehen die sieben Stücke weniger aus einprägsamen Refrains oder instrumentalen Crescendi als aus abwechslungsreichen Arrangements, melodischen Wendungen und Hursts variablem Gesang. Das kann zunächst etwas gleichförmig wirken, doch unter der scheinbar ruhigen Oberfläche gerät mehr in Bewegung, als man anfangs vermuten würde.
'Breeze' verbindet verschlungene Gitarrenlinien mit melodischem Gesang und einem eher tänzelnden als druckvollen Rhythmus. 'Pedestal' setzt auf ein markantes Riff und verschachtelte Harmonien, die dem Stück einen unwiderstehlichen Groove verleihen.
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'Landslide' bringt rhythmische Hakenschläge, psychedelische Wendungen und melodische Gesangshaken besonders überzeugend zusammen. 'Weight' und 'Aros' nehmen dagegen Tempo aus der Sache und setzen auf melancholische, schwebende Passagen, deren unterschwellige Spannung sich weniger in großen Ausbrüchen als im Zusammenspiel entfaltet.
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'Accord' bündelt die Ideen kompakter, verbindet einen verspielten Groove mit kantigeren Rhythmen und setzt markante Akzente. 'Sanguine' beschließt das Album mit tief gestaffelten Riffs und rhythmischer Verschrobenheit, bevor die Band noch einmal ihre dunklere Seite aufblitzen lässt.
Auch inhaltlich geht es selten um festen Boden unter den Füßen: Die Texte kreisen um Schuld, Selbsttäuschung, brüchige Beziehungen und den Versuch, mit den eigenen Widersprüchen klarzukommen. "Float & Aperture" ist ein Album, in das man eintauchen muss, statt sich vom Wellengang und rauer See durchschütteln zu lassen. Boss Keloid verbinden vertrackte Rhythmen, melodische Wendungen und Grunge mit eigenwilligem Progressive Rock. Das funktioniert oft reizvoll, auch wenn mir das Floating gelegentlich etwas zu ausgedehnt ist und ich mir zwischendurch ein wenig mehr festen Boden unter den Füßen gewünscht hätte.
Bewertung: 12/15 Punkten
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Besetzung:
• Ste Arands - Drums and Percussion
• Paul Swarbrick - Guitars
• Alex Hurst - Vocals and Guitars
• Liam Pendlebury-Green - Bass
Surftipps:
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Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise von Church Road Records zur Verfügung gestellt.

