
Noise Rock • Sludge Metal • Alternative Rock • Industrial • Post Punk
(43:45; Vinyl, CD, MC, Digital; The Flenser; 04.09.2026)
Chat Pile habe ich 2023 beim Roadburn für mich entdeckt. Vorher völlig unbekannt, war "God's Country" wenige Minuten nach dem Konzert bestellt. Raygun Busch tigerte damals wie eine eingesperrte Großkatze über die Bühne und machte den Auftritt zur Urgewalt. 2025 dann erneut gesehen – diesmal mit dem Zweitling "Cool World" im Gepäck: konstant gut und mitreißend. Entsprechend gespannt war ich auf "Who Loves The Sun".
Musikalisch fällt diesmal die deutlich breitere Auffächerung auf. Noise Rock, Sludge Metal, Industrial Rock und Industrial Metal bilden weiterhin das ruppige Fundament, angereichert mit Post Punk, Post Hardcore, Alternative Rock, Grunge und New Wave. Auch experimentelle Noise- und Trip-Hop-Elemente tauchen auf. Dazu kommen mehr Melodie und Atmosphäre, wodurch das Album deutlich zugänglicher ausfällt als seine Vorgänger. Die alte Ruppigkeit ist allerdings geblieben – und genau diese Mischung funktioniert für mich ausgesprochen gut.
'Creature' eröffnet düster und schleppend. Der Gesang erinnert mich an frühe Tool-Platten, während der Flow stellenweise an 'To The Hilt' von Die Krupps denken lässt. 'Deep Blue' kommt danach deutlich melodischer und eingängiger um die Ecke.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
'Same Rules' nimmt überraschend Tempo heraus und wirkt beinahe hypnotisch.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
'Pen I S Mall' tritt wieder ordentlich nacht und gehört zu den härtesten Tracks des Albums.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
'Shrine' verbindet die neue Melodik mit gewohnt schwerem Unterbau.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
'Intruder' treibt die Eingängigkeit dank der Gaststimmen von Nightosphere fast zum Ohrwurm – was bei Chat Pile ungefähr so klingt, als würde der Wahnsinn plötzlich mitsingen. 'Christabel ’26' wird wieder düster und dreckig, 'Influence' sorgt mit einem simplen, effektiven Riff für Druck. 'Family Funeral' entwickelt sich zum schleppenden, unangenehmen Psychotrip, bevor 'October All The Time' das Album überraschend melancholisch und beinahe versöhnlich beendet.
Auch Raygun Busch zeigt eine größere Bandbreite. Neben seinem gewohnt markanten Sprechgesang gibt es hysterisches Kreischen, verzweifeltes Heulen und inzwischen deutlich häufiger cleane Passagen. Gerade diese Kombination macht seinen Gesang zu einem der großen Pluspunkte des Albums. Die neue melodische Ausrichtung steht ihm dabei erstaunlich gut.
Thematisch bleibt es düster: Klimakatastrophe, gesellschaftlicher Zerfall, entfremdete Arbeit und die kollektive Gleichgültigkeit gegenüber einer zunehmend kaputten Welt. Schon 'Creature' schickt Lebewesen zur Schlachtbank und lässt Städte unter Wasser, Asche und Staub verschwinden. Die Apokalypse ist bei Chat Pile weniger großes Finale als alltäglicher Zustand. Warum also aufregen?
Gerade die Mischung aus Härte, Noise, Post-Hardcore, Alternative Rock und zunehmend mehr Melodie sorgt für überwiegend begeisterte Reaktionen. Einigen ist die neue Zugänglichkeit allerdings schon fast zu komfortabel – wobei "komfortabel" bei Chat Pile natürlich ein sehr dehnbarer Begriff bleibt.
Ganz so radikal wie einst sind Chat Pile nicht mehr. Das ist für mich allerdings kein wirklicher Verlust, denn die musikalische Weiterentwicklung passt. "Who Loves The Sun" ist melodischer, atmosphärischer und zugänglicher geworden, ohne die Ruppigkeit abzulegen, die Chat Pile weiterhin unverwechselbar macht. Vielleicht nicht mehr ganz so verstörend wie früher, dafür musikalisch deutlich vielseitiger. Und wenn sich Zugänglichkeit bei Chat Pile so anhört, darf der Wahnsinn von mir aus gerne weiter Fortschritte machen.
Bewertung: 12/15 Punkten
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Bandcamp. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Besetzung:
• Raygun Busch - Vocals
• Luther Manhole - Guitar
• Stin - Bass
• Cap'n Ron - Drums
Gastmusiker:
• Claire Hannah - Additional Vocals ('Intruder' und 'Influence')
• Brittany Sawtelle - Additional Vocals ('Intruder' und 'Influence')
Surftipps:
• Homepage
• Linktree
• Bandcamp
• YouTube
• Wikipedia
• Rezensionen, Liveberichte & Interviews
Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise von Rarely Unable zur Verfügung gestellt.

