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    Gentle Giant - In A Glass House (Reissue)

    0
    By flohfish on 3. September 2026 Reviews

    Gentle Giant In A Glass House (Reissue) (Madfish; 31.07.2026)

    Progressive Rock • Artrock • Symphonic Rock
    (37:45; Vinyl, CD, Digital; Madfish; 21.09.1973/31.07.2026)
    Manchmal kommt ein Album fünfzig Jahre zu spät. Und manchmal kommt zumindest der Remix fünfzig Jahre zu spät. "In A Glass House" von Gentle Giant gehört eindeutig zur zweiten Kategorie. Das 1973 erschienene fünfte Album der Briten war schon damals ungefähr so kommerziell wie ein dreistündiger Vortrag über ungerade Taktarten auf einer Schlagerparty. Columbia befand das Ganze für den amerikanischen Markt folgerichtig als „uncommercial“ und ließ das Album dort links liegen. Heute gilt ausgerechnet dieses sperrige Stück Musikgeschichte als einer der Höhepunkte der Band. So viel zum Thema Glashaus und Steinewerfen.

    Die Ausgangslage ist dabei durchaus speziell. Nach dem Ausstieg von Phil Shulman machten Gentle Giant als Quintett weiter, und "In A Glass House" ist damit nicht nur das erste Album ohne ihn, sondern auch ein ziemlich eindrucksvoller Beweis dafür, dass die verbliebenen Musiker offensichtlich nicht auf die Idee kamen, nun vorsichtshalber etwas Einfacheres zu machen. Im Gegenteil: Verschachtelte Rhythmen, abrupte Stilwechsel, mehrstimmige Gesänge, Violine, Saxophone, Gitarren, Keyboards und allerlei Schlagwerk werden hier weiterhin mit einer geradezu unverschämten Selbstverständlichkeit übereinandergestapelt.

    Und nun also der Remix 2026. Neu abgemischt von Eber Pinheiro und Derek Shulman, erstmals auch in 5.1 und Dolby Atmos. Tja. Und genau an dieser Stelle kommt der kleine Haken meiner persönlichen Glashausbesichtigung: Mangels entsprechender Technik bleibt mir das Vergnügen, mich mitten in die musikalische Glasarchitektur stellen zu lassen, leider verwehrt. Ich darf das Ganze ganz profan in Stereo begutachten. Und weil ich das Original ebenfalls nicht besitze, fällt auch der direkte Vergleich „früher versus heute“ aus. Ich kann also nicht behaupten, der neue Mix habe dieses oder jenes Problem des Originals beseitigt. Was ich allerdings behaupten kann: Diese Musik klingt auch 2026 noch so, als hätte jemand sämtliche Ideen, die andere Bands für drei Alben aufheben, in einen einzigen Topf geworfen und anschließend beschlossen, den Topf umzutreten.

    Schon 'The Runaway' macht klar, wohin die Reise geht: hektisch, treibend und mit reichlich rhythmischen Haken. 'An Inmates Lullaby' verwandelt sich dagegen in ein ziemlich verstörendes Wiegenlied, während 'Way Of Life' mit Groove und komplexen Verschiebungen zeigt, wie mühelos Gentle Giant technische Finesse in Musik verwandeln.

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    'Experience' legt noch einmal an Härte und Vertracktheit zu. Nach so viel musikalischem Dauerfeuer wirkt das kurze 'A Reunion' beinahe wie eine Verschnaufpause, bevor der Titelsong 'In A Glass House' das Glashaus-Motiv musikalisch und textlich zusammenführt. 'Index' schließlich greift nach einer kurzen Pause noch einmal Fragmente der vorherigen Stücke auf und schließt damit den Kreis.

    Was den Remix selbst betrifft, macht die neue Fassung für mich vor allem eines deutlich: Wie außergewöhnlich dicht diese Musik konstruiert ist. Die Instrumente stehen nicht einfach brav nebeneinander, sondern bilden ein permanentes Geflecht aus Gegenbewegungen, Rhythmen und Klangfarben. Zeitgenössische Besprechungen loben insbesondere die größere Präsenz von Bass und Schlagzeug sowie die Möglichkeit, einzelne Schichten deutlicher wahrzunehmen. Gleichzeitig gibt es auch Stimmen, denen der neue Mix zu basslastig, komprimiert oder verhallt erscheint.

    Ich erspare mir deshalb den üblichen Satz vom „ultimativen Upgrade“. Dafür fehlt mir schlicht der direkte Vergleich. Was bleibt, ist aber ein Album, das auch in dieser neuen Stereo-Version nichts von seiner Faszination eingebüßt hat. "In A Glass House" klingt nicht wie ein Relikt aus der Prog-Steinzeit, sondern wie eine ziemlich freche Erinnerung daran, dass progressive Musik einmal tatsächlich bedeutete, Erwartungen zu ignorieren.

    Gentle Giant wollten die Grenzen zeitgenössischer populärer Musik erweitern, notfalls auf die Gefahr hin, unpopulär zu werden. Mission accomplished. Dass ausgerechnet das damals als zu wenig kommerziell eingestufte Album heute erneut aufwendig restauriert, remixt und in diverse Raumklangformate verfrachtet wird, besitzt schon eine gewisse Ironie.

    Und während andere Bands ihre alten Platten remixen, damit man endlich den Gitarristen besser hört, muss man bei Gentle Giant eher aufpassen, dass man beim genaueren Hinhören nicht noch ein weiteres Instrument entdeckt, das man vorher übersehen hat.

    Das Glashaus steht also noch. Und es ist immer noch ziemlich voll.
    Ohne Bewertung


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    Gentle Giant In A Glass House (Reissue) (Madfish; 31.07.2026)

    • Derek Shulman - Gesang, Alt- und Sopransaxophon, Blockflöte
    • Gary Green - 6- und 12-saitige Gitarren, Mandoline, Percussion, Altblockflöte
    • Kerry Minnear - Keyboards, gestimmte Percussion, Blockflöte, Gesang
    • Ray Shulman - Bass, Violine, Akustikgitarre, Percussion, Begleitgesang
    • John Weathers - Schlagzeug, Percussion

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    Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise von cmm zur Verfügung gestellt.

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    5.1 Mix Art Rock Artrock CD Derek Shulman Digital Dolby Atmos Experimental Rock Gary Green Gentle Giant Hard Rock John Weathers Kerry Minnear Madfish Progressive Rock Ray Shulman Reissue Remaster Remix Symphonic Rock Vinyl cmm-online
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    1978 in Traben-Trarbach geboren und seit 2014 in Köln ansässig bin ich noch immer ein echter Globetrotter. Ziehe ich gerade einmal nicht trampend und couchsurfend mit meiner Frau Inga durch die Welt, so arbeite ich als Sozialpädagoge in der Inklusionsbegleitung sowie in der Einzelfall- und Familienhilfe. Nebenberuflich bin ich als Stadtführer für Free Walk Cologne tätig. Außerdem nähen Inga und ich hin und wieder noch immer unsere Travelling Monkeys, handgefertigte Stoffaffen. Musikalisch in den 90ern sozialisiert, wuchs ich mit Grunge (Pearl Jam, Nirvana), Prog (Marillion, Dream Theater), Punk (Bad Religion, NoFX), Gothic Metal (Paradise Lost, My Dying Bride) und Crossover (Rage Against the Machine, Faith No More) auf. Für mich sind die letzten zehn Jahre musikalisch so ziemlich die spannensten, die ich bisher erlebt habe, da in dieser Zeit viele jener verschiedenen Stile musikalisch zusammengführt worden sind.

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