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    Fischer-Z - X-Ray Serenade

    0
    By flohfish on 4. September 2026 Reviews

    Fischer-Z - X-Ray Serenade (Cherry Red; 04.09.2026)

    Singer/Songwriter • Artrock
    (45:50; Vinyl, CD, Digital; Cherry Red Records; 04.09.2026)
    Mit John Watts und Fischer-Z hatte ich mich seit Jahren nicht mehr beschäftigt. Ich wusste nur noch ungefähr, dass die Geschichte ähnlich gelaufen ist wie bei Jethro Tull: Band aufgelöst, Frontmann macht weiter und irgendwann wird der alte Bandname wieder aus dem Schrank geholt – ohne einen einzigen der alten Mitstreiter. Bei Ian Anderson funktioniert das für mich, weil die neuen Alben eben nach Jethro Tull klingen. Bei Fischer-Z und "X-Ray Serenade" habe ich da allerdings so meine Schwierigkeiten.

    Denn von dem legendären Mix aus New Wave, Punk und Artrock ist hier praktisch nichts mehr zu hören. "X-Ray Serenade" klingt über weite Strecken eher nach John Watts als Singer-/Songwriter mit Begleitband. Das muss nicht grundsätzlich schlecht sein, denn Watts beobachtet die Welt weiterhin mit scharfem Blick, schwarzem Humor und einer gesunden Portion Skepsis. 'Strings', 'Perfect', 'Queen Of Irony' und 'Precious Time' liefern entsprechend Geschichten über Körperkult, Zeit, menschlichen Irrsinn und eine Welt, die offenbar immer noch genügend Stoff für den nächsten Song liefert.

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    Auch Watts' Stimme hat sich verändert. Sie klingt deutlich rauer als früher, aber keineswegs kaputt – im Vergleich mit den inzwischen doch arg ramponierten Organen von Fish oder Ian Anderson steht er sogar erstaunlich gut da.

    Die alten Songs wurden unter dem Titel "Reimagined" komplett neu arrangiert. 'So Long' fühlt sich dabei sooooo long an, denn das Stück hat deutlich an Tempo verloren. 'Pretty Paracetamol' wirkt eher wie ein Schlaf- als ein Schmerzmittel und schleppt sich noch gemächlicher dahin. Die spannende Dynamik des Originals ist flöten gegangen. 'Marliese' hat ebenfalls an Bissigkeit verloren: Wo man früher mitgerissen wurde, kann man jetzt höchstens noch schunkeln. Und auch 'The Perfect Day' fehlt es irgendwie an Kraft und Wirkung. Andererseits passen die entschleunigten Neuinterpretationen durchaus zum Charakter der neuen Kompositionen.

    Seltsam ist übrigens, dass der Titelsong, der im Juli auf der "Maxi Summer Single" veröffentlicht wurde, gar nicht auf dem Album zu finden ist. Aber das kennt man ja schon von The Mars Volta und "Frances The Mute". Vielleicht ist das hier allerdings sogar besser so, denn das Stück ist mehr Spoken-Word-Klangexperiment als echter Song – und damit vermutlich ohnehin etwas zu sperrig für dieses Album.

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    Der Bonus-Track, das 'Official Bootleg' von 'Strings', macht es dann fast schon ein bisschen absurd: Ausgerechnet diese Version klingt deutlich mehr nach den alten Fischer-Z als die reguläre Albumfassung. Da blitzt plötzlich wieder etwas von jenem eigenwilligen New-Wave-Charme auf, der der Standardversion weitgehend abgeht.

    Unterm Strich ist "X-Ray Serenade" ein ordentliches John-Watts-Album, aber für ein Fischer-Z-Jubiläum dann doch eine ziemlich ernüchternde Angelegenheit. Die neuen Songs funktionieren, Watts hat weiterhin etwas zu erzählen und seine Stimme ist erstaunlich gut in Schuss. Nur vom legendären Fischer-Z-Sound ist kaum noch etwas übrig. Eher: John Watts ist noch da – und hat einfach das alte Namensschild wieder angeschraubt.
    Bewertung: 9/15 Punkten


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    Weitere Informationen

    Fischer-Z - X-Ray Serenade (Cherry Red; 04.09.2026)
    Credit: Todde Vision

    Besetzung:
    • John Watts - Gesang, Gitarre
    • Marian Menge - Gitarre
    • David Purdye - Bass
    • Oliver Newton - Schlagzeug
    • Ives Mergaerts - Keyboards

    Gastmusiker:
    • Ingo Wörner - Remix (DJ)

    Surftipps:
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    • Wikipedia
    • Rezensionen, Liveberichte & Interviews

    Abbildungen: Fischer-Z

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    Artrock Brighton CD Cherry Red Records David Purdye Digital England Fischer-Z Ingo Wörner Ives Mergaerts John Watts Marian Menge Oliver Newton Singer/Song Vereinigtes Königreich Vinyl
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    flohfish
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    1978 in Traben-Trarbach geboren und seit 2014 in Köln ansässig bin ich noch immer ein echter Globetrotter. Ziehe ich gerade einmal nicht trampend und couchsurfend mit meiner Frau Inga durch die Welt, so arbeite ich als Sozialpädagoge in der Inklusionsbegleitung sowie in der Einzelfall- und Familienhilfe. Nebenberuflich bin ich als Stadtführer für Free Walk Cologne tätig. Außerdem nähen Inga und ich hin und wieder noch immer unsere Travelling Monkeys, handgefertigte Stoffaffen. Musikalisch in den 90ern sozialisiert, wuchs ich mit Grunge (Pearl Jam, Nirvana), Prog (Marillion, Dream Theater), Punk (Bad Religion, NoFX), Gothic Metal (Paradise Lost, My Dying Bride) und Crossover (Rage Against the Machine, Faith No More) auf. Für mich sind die letzten zehn Jahre musikalisch so ziemlich die spannensten, die ich bisher erlebt habe, da in dieser Zeit viele jener verschiedenen Stile musikalisch zusammengführt worden sind.

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