
Progressive Metal • Experimental Metal • Post Rock • Classical Crossover
(Lauflänge des Albums [im Format h:mm:ss]; Vinyl (1 LP; 2 LP), CD, Digital; Eigenveröffentlichung; 11.09.2026)
Johann Sebastian Bach ist vermutlich DER einflussreichste Musiker überhaupt. Seine wichtigsten Werke sind mir durchaus bekannt, trotzdem würde ich mich beim Großmeister der Barockzeit weder zum Bachman noch zum Fachmann aufschwingen. Aber selbst als Bach-Laie – also ausgewiesener Fach-Laie – sind mir bei "Remnant" und "Murmuration" die Einflüsse des Thomaskantors, Komponisten, Organisten und Violinisten unüberhörbar.
Raphael Weinroth-Browne spielt Bach allerdings nicht einfach auf dem Cello nach. Er nimmt barocke Strukturen, zerlegt und verfremdet sie und jagt sie durch Verstärker und Effektpedale. Das Ergebnis klingt entsprechend weniger nach gepflegter Kammermusik als nach einem ziemlich eigenwilligen Klanguniversum.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Entstanden aus dem Tanzprojekt "BACH Reimagined", verbindet "Empyrean" klassische Komposition mit Progressive Metal, Post Rock und experimentellem Sounddesign. 'Speed Of Light' bringt Bewegung in die barocke Angelegenheit, während 'Dissolution' die Eröffnungsmelodie der Sarabande aus Bachs 6. Suite für Violoncello aufgreift, sie von Dur nach Moll überführt und anschließend immer weiter verfremdet. Aus der zunächst beinahe feierlichen Melodie wird so ein zunehmend düsterer, verzerrter Klangkörper.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Dabei muss es nicht ständig krachen. 'Sanctum' entwickelt eine beinahe sakrale, meditative Atmosphäre, während 'Reflection' mit monolithischer Schwere auffährt. Das Cello klingt hier stellenweise eher nach Tool- oder Meshuggah-Maschine als nach dem Instrument, das man gemeinhin aus Bachkompositionen kennt.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Überhaupt bleibt faszinierend, wie viele Aggregatzustände Weinroth-Browne seinem einzigen Instrument entlockt. Flirren, Schaben, Dröhnen, Schweben, mehrstimmige Klangschichten – alles kommt aus dem Cello, Verstärkern und Effektpedalen. Nach dem körperlich wesentlich wilderen "Lifeblood" wirkt "Empyrean" allerdings deutlich entrückter und kontrollierter.
Und genau darin liegt für mich auch der Unterschied zum Vorgänger: "Empyrean" ist das konzeptionell geschlossenere und vielleicht sogar anspruchsvollere Album, entwickelt aber nicht durchgehend dieselbe unmittelbare Wucht. Wo "Lifeblood" mit seiner brachialen Mischung aus Metal, orientalischen Einflüssen und experimentellem Cello immer wieder völlig unerwartet um die Ecke kam, bleibt "Empyrean" stärker in seinem ätherischen Klangkosmos. Einige Passagen beeindrucken mehr durch ihre Konstruktion als durch emotionale Unmittelbarkeit.
Das schmälert die Qualität allerdings nur bedingt. Weinroth-Browne gelingt erneut das Kunststück, aus einem einzigen Instrument ein erstaunlich großes Klanguniversum zu erschaffen und dabei Bach nicht zum musealen Ausstellungsstück, sondern zum Ausgangspunkt für etwas Eigenständiges zu machen. "Empyrean" ist atmosphärisch dicht, technisch beeindruckend und vor allem angenehm weit davon entfernt, einfach nur "klassische Musik trifft Metal" zu spielen.
Für die ganz große Begeisterung fehlt mir im Vergleich zu "Lifeblood" allerdings ein wenig die letzte Konsequenz. Dafür ist "Empyrean" über weite Strecken zu kontrolliert und gelegentlich zu distanziert. Ein starkes, eigenständiges Album ist es trotzdem – nur eben eines, das bei mir nicht ganz so tief einschlägt wie sein Vorgänger.
Bewertung: 12/15 Punkten
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Bandcamp. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Besetzung:
• Raphael Weinroth-Browne - Cello
Surftipps:
• Homepage
• Linktree
• Bandcamp
• YouTube
• Wikipedia
• Rezensionen, Liveberichte & Interviews
Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise von Hold Tight zur Verfügung gestellt.

