Experimental Post Folk • Instrumental
(38:28; Vinyl, CD, Digital; Western Vinyl; 02.10.2026)
Allison de Groot, kanadische, mehrfach ausgezeichnete Banjo-Spielerin, kehrt in Nashville bei Michael Ruth ein, um ein neues Album aufzunehmen. Der Multi-Instrumentalist und experimentierfreudige Ruth hat sich innerhalb des einjährigen Aufnahmeprozesses schnell mit de Groot dank einer Vielzahl von Loops, Delays und Synthesizern an Ideen gewagt, traditionelle und experimentelle Klänge in eine Art harmonischen Schwebezustand zu transformieren. Tja, so entsteht schnell mal statt eines Solo-Albums ein sehr schönes atmosphärisches Album in Kollaboration, bei dem sich innerhalb der instrumentalen Welt einiges an kreativen Ideen zusammenbringen ließ. Unter Mithilfe von Patrick M'Gonigle an Geige und Mandoline wird dem eh schon sehr warmen, friedlichen Klangbild ein Mehr an Harmonie hinzuaddiert. Die Platte ist sehr weit draußen in der Weite, viele langgezogene Synths-Effekte, ambiente Drones, ein Banjo, welches mit allerhand Loops und Effekten verfremdet agiert und doch immer sanft und ruhig Akzente setzen dürfte.
Mit 'Nervion' steigt man ruhig ein, elektronische Farbtupfer und diese Desert-Americana-Effekte, die sofort weite Landstriche und menschenleere Schauplätze suggerieren. Die Gitarren-Arrangements haben immer diesen Hauch epischer Post-Rock-Schönheit, und in diesem Spannungsfeld wogt dieses instrumentale Kleinod letztlich durch die gesamte Laufzeit. Leichtfüßige Banjo-Akzente, welche liebevoll verfremdet werden, alles meist nach und nach mit allerhand sphärischen Effekten verdichtet, stellen jederzeit einen tiefen-hypnotischen Moment her, in dem man für kurze Zeit auf angenehme Weise mit der Musik abschalten kann.
'Bass Crust' steigt mit dichten Ambient-Wolken ein. Dann folgt im weiteren Verlauf ein so liebliches Banjo-Spiel, welches mich auf so wundervolle Weise an David E. Edwards und sein abschließendes Werk "Folklore" mit 16 Horsepower erinnert. Neblige Wälder, weite Ebenen, die unendliche Schönheit der amerikanischen Natur entstehen hier wie von alleine vorm geistigen Auge.
'10-14' plinkert wieder verspielt und loopt sich monoton, mit helleren Farben durch ein driftendes musikalisches Thema. 'Distance From Then' hat wieder diesen 16-Horsepower-Wimpernschlag in seinen Arrangements – stete Ruhe, Streicher und eine sanftmütige, morgendliche Stille/Frieden im Nirgendwo sind Bilder in meinem Kopf dazu. Wie mit melancholischer Pedal Steel in 'Rocks From The Moon' Stimmung erzeugt wird, weiß mir ebenfalls sehr zu gefallen. Die ambiente Ruhe und das friedliche Spiel des Banjos finden eine liebevolle Allianz auf diesem Album.
Knapp unter 40 Minuten verweilen die Musiker in immer dichteren, experimentellen, stillen Klangfarben, bleiben unaufgeregt zwischen Folk, Drone, Ambient und einem Hauch Post Music, agieren in einer respektvollen Offenheit, und dies macht diese Zusammenarbeit zu einem schönen, aber unspektakulären Kopfkino-Moment in der Weite.
Bewertung: 11/15 Punkten
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Besetzung:
• Allison de Groot - Banjo
• Rich Ruth - Electric Guitar, Synthesizers, Bass, Programming, Percussion
• Patrick M'Gonigle - Fiddle, Mandolin
• Spencer Cullum - Pedal Steel
• Parker James - Vibraphone
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Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise von Cargo zur Verfügung gestellt.



