
Post Black Metal • Metalcore
(46:01; Vinyl, CD, Digital; Century Media/Sony Music; 20.03.2026)
Manchmal hat man ja das Gefühl, dass Maskenbands mittlerweile schneller aus dem Boden schießen als Festivalankündigungen im Frühjahr. Und irgendwo in dieser gepflegten Flut aus Mysterium, Sigillen und bedeutungsschwangeren Blicken stehen Gaerea – seit 2016 im Geschäft, also lange bevor Acts wie Sleep Token das große Geheimnis zur marktfähigen Kunstform erhoben haben. Und trotzdem wird man sich anhören müssen: „Noch so eine Band.“
Warum das überhaupt erwähnenswert ist? Weil "Loss" genau an diesem Punkt ansetzt. Nicht als trotziges „Wir sind anders!“, sondern eher als selbstbewusstes „Wir können auch anders – wenn wir wollen“. Das fünfte Album und gleichzeitig Century-Media-Debüt markiert nämlich einen Schritt, den man im Extreme Metal gerne mit spitzen Fingern anfasst: den in Richtung Mainstream. Natürlich nicht mit wehenden Pop-Fähnchen, aber doch mit deutlich geöffnetem Visier.
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Denn ja, "Loss" hat sie wirklich: Klargesang. Refrains. Eingängigkeit. Dinge, die im Gaerea-Kosmos bislang eher wie scheue Waldtiere behandelt wurden. Jetzt stehen sie plötzlich mitten im Raum und tun so, als gehörten sie schon immer dazu. Songs wie 'Phoenix' oder 'Hellbound' tragen ihre Emotionen nicht mehr nur als wütenden Monolith vor sich her, sondern verpacken sie in Strukturen, die sich verdächtig schnell festsetzen. Man könnte fast meinen, hier wolle jemand gehört werden. Skandal.
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Und als wäre das noch nicht genug, schleicht sich stellenweise sogar eine leichte Metalcore-Schlagseite ein – Breakdowns im Geiste, dynamische Spannungsbögen mit kalkuliertem Release, hier und da ein Hauch von „wir wissen ganz genau, wann der Pit einsetzen soll“. Das war in dieser Form bei Gaerea bislang eher Randerscheinung und dürfte bei Puristen ungefähr so viel Begeisterung auslösen wie Sonnenlicht im Kellerproberaum.
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Und genau hier liegt die Krux: "Loss" ist stark. Wirklich stark. Aber eben auch ein Album, das sehr genau weiß, was es tut. Die behauptete Metamorphose wirkt weniger wie ein unkontrollierter Ausbruch aus dem Kokon, sondern eher wie ein strategisch geplanter Imagewechsel mit musikalischer Begleitmusik. Das ist legitim – nur eben nicht ganz so mystisch, wie es gerne verkauft wird. Mehr als einen Abzug in der B-Note gibt es hierfür allerdings nicht.
Am Ende bleibt ein Album, das Gaerea ein gutes Stück näher an ein größeres Publikum heranführt, ohne die eigene DNA komplett zu verleugnen. Der große Sprung ins Unbekannte? Eher nicht. Aber ein ziemlich selbstsicherer Schritt aus dem Schatten – und vielleicht genau der Moment, in dem aus „noch so eine Band“ plötzlich eine wird, über die man nicht mehr ganz so leicht hinweg hört.
Bewertung: 13/15 Punkten
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Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise von Oktober Promotion zur Verfügung gestellt.

