Chaosbay – Boxes (EP)

0

Chaosbay – Boxes (EP) (Circular Wave,13.01.22)(22:20, Digital, Circular Wave, 2022)
Die Alchemisten von Chaosbay haben es wieder einmal vollbracht. Sie haben mit erlesenen Stoffen wie Metalcore, Djent, Electronica und Progressive Metal experimentiert, und dabei ein neues Element entstehen lassen: “Boxes”. In seinen Eigenschaften technisch, aggressiv und groovy, aber vor allem hochgradig melodiös. Popmusik für Fans harter und progressiver Klänge sozusagen. Natürlich ist es keine Form der Musik, die in der Welt außerhalb der Heavy-Prog-Blase jemals Airplay bekommen wird. Doch zumindest im Paralleluniversum des Internets mit seinen Playlisten und Alternative-, Metal- und Progressive-Radio-Stationen sollten Stücke wie ‘Y’, ‘The Prophet’ oder ‘Lonely People’ blitzschnell in der Heavy Rotation landen. Alles andere wäre mehr als ungerecht. Doch auf dem Planeten Terra leider auch nichts Ungewöhnliches.

Die Stücke auf “Boxes” folgen, genau wie bei den beiden Vorläufer-Alben “Vasilisa” (2015) und “Asylum” (2020), thematisch einem übergeordneten Gesamtkonzept. Und zwar den Schattenseiten des Lebens im digitalen Raum, in dem man sowohl der realen Welt als auch sich selbst verlustig gehen kann. Doch während die beiden Longplayer auch musikalisch als klassische Konzeptalben bezeichnet werden können, stehen die fünf Lieder der EP zumindest musikalisch auf eigenen Beinen. Zwar fehlen “Boxes” hierdurch die wiederkehrenden Melodien, doch wirkt die Platte trotz ihrer Kompaktheit abwechslungsreicher als die Vorgänger. Denn es sind fünf unabhängige Stücke, die alle ihren eigenen Charakter haben und auf jeweils unterschiedliche Weise überzeugen. Vor allem mit ihren drei Singles können Chaosbay hier punkten: ‘The Prophet’ mit seinen robotischen Vocoder-Effekten und Rhythmen, ‘Y’ durch seine kontrastreichen Gegensätze aus klebrigen Hooklines und Wutausbrüchen und ‘Lonely People’ wegen seiner Synthies und dynamischen Wendungen. Doch auch die beiden letzten Tracks stehen diesen Liedern in nichts nach und nisten sich in nullkommanix in die Gehörgänge ein wie kleine Ohrenkriecher. ‘Ivory Tower’ ist dabei das djentigste Stück auf der Platte, während es beim Closer ‘Willow By The Lake’ noch einmal sehr emotional wird.

Teapot of the Week

“Teapot of the Week” auf Betreutes Proggen in der KW2/2022

Auf “Boxes” wirkt all das, als hätten Chaosbay die Energie ihrer bisherigen Alben auf lediglich fünf Stücke komprimiert. Und sich gerade dadurch von musikalischen Vorbildern freigemacht. Kompromisslose Härte und unwiderstehliche Hooklines werden so zu einer Einheit: Progressiver Metalcore mit lyrischem Tiefgang. Einzigartig.
Bewertung: 12/15 Punkte (FF 12, KR 12)

Chaosbay – Boxes (EP) (Circular Wave,13.01.22)

Credit: Jan Bruns

Tracklist:
1. ‘The Prophet’ (4:17)
2. ‘Y’ (4:59)
3. ‘Lonely Poeple’ (4:47)
4. ‘Ivory Tower’ (4:08)
5. ‘Willows By The Lake (4:09)

Besetzung:
Jan Listing (Lead Vocals, Gitarre)
Alexander Langner (Gitarre)
Matthias Heising (Bass)
Patrick Bernath (Drums)

Diskografie (Studioalben):
“Vasilisa” (2015)
“Asylum” (2020)

Surftipps zu Chaosbay:
Homepage
Facebook
VKontakte
Instagram
Twitter
Bandcamp
Soundcloud
Reverbnation
YouTube
Spotify
Apple Music
Deezer
Napster
Shazam
last.fm
Discogs
ArtistInfo
Prog Archives
Konzertbericht: 01.10.21, Köln, MTC
Rezension “Asylum” (2020)
Konzertbericht: 16.01.20, Kölln, Tsunami Club/

Abbildungen: Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise von Chaosbay zur Verfügung gestellt.

image_pdfArtikel als PDF herunterladenimage_printArtikel drucken
Teilen.

Über den Autor

1978 in Traben-Trarbach geboren und seit 2014 in Köln ansässig bin ich noch immer ein echter Globetrotter. Ziehe ich gerade einmal nicht trampend und couchsurfend mit meiner Frau Inga durch die Welt, so arbeite ich als Sozialpädagoge in der Inklusionsbegleitung sowie in der Einzelfall- und Familienhilfe. Nebenberuflich bin ich als Stadtführer für Free Walk Cologne tätig. Außerdem nähen Inga und ich hin und wieder noch immer unsere Travelling Monkeys, handgefertigte Stoffaffen. Musikalisch in den 90ern sozialisiert, wuchs ich mit Grunge (Pearl Jam, Nirvana), Prog (Marillion, Dream Theater), Punk (Bad Religion, NoFX), Gothic Metal (Paradise Lost, My Dying Bride) und Crossover (Rage Against the Machine, Faith No More) auf. Für mich sind die letzten zehn Jahre musikalisch so ziemlich die spannensten, die ich bisher erlebt habe, da in dieser Zeit viele jener verschiedenen Stile musikalisch zusammengführt worden sind.

Antworten

Hinweis: Mit dem Absenden deines Kommentars werden Benutzername, E-Mail-Adresse sowie zur Vermeidung von Missbrauch für 7 Tage die dazugehörige IP-Adresse, die deinem Internetanschluss aktuell zugewiesen ist, in unserer Datenbank gespeichert. E-Mail-Adresse und die IP-Adresse werden selbstverständlich nicht veröffentlicht oder an Dritte weitergegeben. Du hast die Option, Kommentare für diesen Beitrag per E-Mail zu abonnieren - in diesem Fall erhältst du eine E-Mail, in der du das Abonnement bestätigen kannst. Mehr Informationen finden sich in unserer Datenschutzerklärung.

Chaosbay – Boxes (EP)

von flohfish Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
0