Subsignal – The Beacons of Somewhere Sometime

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dd-220x220(01:07:56, 2LP, ZYX, Golden Core/Zyx, 2015)
Mit „The Beacons Of Somewhere Sometime“ legen Subsignal um deren Masterminds Markus Steffen und Arno Menses ihr mittlerweile viertes Album seit der Gründung der Band im Jahr 2007 vor. Für Steffen und Menses ist es bereits der siebte gemeinsame Longplayer, rechnet man drei Alben unter dem Namen Sieges Even mit ein. War Subsignal im Prinzip die konsequente Weiterführung der musikalischen Vision, die sich in Sieges Even mit den Holzwarth-Brüdern anscheinend nicht weiterführen ließ, schließt sich mit „The Beacons Of Somewhere Sometime“ interessanterweise der Kreis, da man sich dem späten Sound dieser Formation wieder annähert.

Nun ist seit dem letzten Album „Paraíso“, das wegen seiner in Ansätzen recht mainstreamigen Ausrichtung auf gemischte Reaktionen traf, einiges passiert. Keyboarder David Bertok und Schlagzeuger Danilo Batdorf haben die Band verlassen, sodass Steffen und Menses wieder die alleinigen Songwriter sind. Die vakanten Positionen an den Drums und an den Tasten übernahmen Dirk Brand (u.a. Axxis) und Luca Di Gennaro (Soul Secret). Dem Wikipedia-Eintrag der Band kann man allerdings entnehmen, dass die beiden keine festen Bandmitglieder sind. Möglicherweise eine Erklärung dafür, dass Tastentöne im Vergleich zu vorherigen Alben einen hörbar geringeren Stellenwert besitzen. Dafür hat man mit Kalle Wallner (RPWL) und Marek Arnold (u.a. Toxic Smile) prominente Gäste an Bord.

Also wohin geht die Reise nun?

Zunächst lässt sich konstatieren, dass man in Sachen Komplexität im Vergleich zu „Paraiso“ wieder deutlich zugelegt hat. Glücklicherweise geht das nicht zu Lasten der Melodien, die weiterhin ein Aushängeschild der Band sind. In Stücken wie ‚Tempest‘, ‚Everything is lost‘ oder auch der Ballade ‚A myth written on water‘, die sich sicher keine Kitsch-Vorwürfe gefallen lassen muss,  sind alle Trademarks von Subsignal vorhanden. Im Prinzip ist das gesamte Album Fan-Futter. Herzstück und Höhepunkt des Albums ist die titelgebende Suite ‚The Beacons Of Somewhere Sometime‘, die insbesondere beim Einsatz von Steffens klassischer Gitarre Erinnerungen an Sieges Evens Meisterwerk „The Art Of Navigating By The Stars“ weckt. Ein klassischer Longtrack mit wiederkehrenden Themen ist die Suite allerdings nicht. Vielmehr besteht sie aus vier Teilen, die als Songs auch für sich stehen könnten, jedoch durchaus geschickt ineinander gewoben wurden. Zusammenfassend darf man sagen, dass das Album ähnlich wie das Debüt „Beautiful & Monstrous“ bezüglich Songmaterial und Vielschichtigkeit kaum Wünsche offen lässt, auch wenn einem die eine oder andere Passage inzwischen irgendwie vertraut vorkommt.

Im Großen und Ganzen ist das Album auch auf hohem Niveau eingespielt und gesungen. Die Produktion hat ein genretypischen, aber nicht sonderlich brillanten Klang. Hier wäre durchaus mehr drin gewesen. Letztlich sind solche Details aber auch oft eine Budgetfrage. Die Gastbeiträge von Kalle Wallner und insbesondere von Marek Arnold können gefallen und setzen ihre Ausrufezeichen. Wenn es einen wirklichen Kritikpunkt an „The Beacons Of Somewhere Sometime“ gibt, dann ist es das Spiel von Dirk Brand. Technisch ohne Zweifel fehlerlos, wirkt es jedoch bisweilen etwas übermotiviert und teils nicht wirklich songdienlich. Gerade der so häufige Einsatz der Double Bass wirkt stellenweise etwas banal. Dabei muss man sich fairerweise die Frage stellen, ob er nach Vorgaben gespielt hat oder ihm freie Hand gegeben wurde, bzw. auch wie viel Zeit er hatte, um sich in die Stücke hineinzudenken. Unter dem Strich wirkte das Spiel der beiden Vorgänger Van Helden und Batdorf jedoch homogener. Schade ist auch, dass Ralf Schwagers Bass-Spiel im Mix häufig etwas untergeht. Ein Phänomen, dass man auch schon auf dem einen oder anderen Dream-Theater-Album hören bzw. wenig hören konnte. In John Myung hat Ralf Schwager also einen prominenten Leidensgenossen.


Mit etwas Verspätung ist das Werk inzwischen auf hübschem transparent-roten Vinyl als Doppel-LP erschienen. Die Titelreihenfolge ist aufgrund des Formats leicht abgeändert worden, und auf Seite 4 gibt es neben dem Bonus Track ‚Swansong‘ zu jedem Titel einen Audiokommentar von Markus Steffen in englischer Sprache. Leider scheint man beim Label Golden Core noch nicht gehört zu haben, dass auch Vinyl-Liebhaber zuweilen Musik auf tragbaren Geräten hören möchten. Ein Download Code ist dem Album nämlich nicht beigelegt.

Im Vorfeld wurde das Album vielerorts ziemlich überschwänglich gefeiert, was den Jungs auch zu gönnen ist. Behalten wir mit der Bewertung etwas Bodenhaftung, ist „The Beacons Of Somewhere Sometime“ musikalisch sicherlich 12 Punkte wert. Produktion, Mix und auch Schlagwerk können da nicht ganz mithalten. Also …
Bewertung 11/15 (DH 11, HK 10, KR 12)

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Interview zu „Touchstones“ auf Gaesteliste.de

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Über den Autor

Dieter Hoffmann

Dass der Prog-Virus hoch infektiös ist, musste ich bereits in meiner frühen Kindheit erfahren. Während meine Schulfreunde noch sorglos Ilja Richters Disco mit The Sweet und den Bay City Rollers schauen konnten, hatte mich mein älterer Bruder bereits in den frühen Siebzigern mit ELP und Yes verkorkst. Mein erster Radiorekorder und die LP-Hitparade von SWF3 gaben mir mit Genesis und Eloy dann den Rest.

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Subsignal – The Beacons of Somewhere Sometime

von Dieter Hoffmann Artikel-Lesezeit: ca. 3 min
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