Pil & Bue – The World is A Rabbit Hole

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Pil & Bue – The World is A Rabbit Hole (Indie Records, 03.09.21)(35:15, Vinyl, CD, Digital, Indie Recordings, 2021)
Viel dreckiger und rauer geht es auf The World is A Rabbit Hole“ zu, als noch auf „Push Start Button“ (2014) und „Forget The Past, Lets Worry About The Future“ (2016), den beiden ersten Alben von Pil & Bue. Das macht schon der fetzige Opener ‚Everyone’s Just A Kid‘ deutlich. Dies liegt womöglich daran, dass Sänger, Gitarrist und Bandkopf Petter Carlsen sich nach dem letzten Album einen neuen Partner für sein Zwei-Mann-Projekt suchen musste. Denn dass Schlagzeugspiel von Neuzugang Gøran Johansen ist deutlich druckvoller und aggressiver als das seines Vorgängers Aleksander Kostopoulo. Und auch Petter Carlsen ist auf dem Drittwerk Pil & Bues kaum wiederzuerkennen, da er hier plötzlich ganz andere stimmliche Register zieht, als es die meisten Hörer von ihm gewohnt sein dürften. Denn während er sich auf seinen Solo-Alben, wie beispielsweise dem letztjährigen „The Sum Of Every Shade“, oder auch bei seinen Gastauftritten für Long Distance Calling vorwiegend von seiner eher ruhigen und gefühlvollen Seite zeigte, erscheint Carlsen auf „The World is A Rabbit Hole“ recht inbrünstig und ungeschliffen.


Dies ist für Pil & Bue-Verhältnisse zwar nichts Neues, doch hatte Carlsens emotionsgeladenes Schreien noch auf keiner Platte derart die Oberhand ergriffen.
Das ist zwar überraschend, aber auch gut so, denn diese Art von Gesang passt viel besser zu dem aggressiven Auftreten von Pil & Bue als es Carlsens gewöhnlicher Stil vermochte. Denn Pil & Bue konzentrieren sich auf „The World is A Rabbit Hole“ vorwiegend auf harten wie verrotzten Alternative Rock mit Garage-Schlagseite. Einflüsse von Placebo, Deftones, Sigur Ros, Anathema und Mars Volta werden im Pressetext zwar erwähnt, doch sind als solche nur stellenweise und dann subtil wahrnehmbar. Zwar besitzen auch die neuen Stücke eine hohe Melodiösität, Pop-Appeal und einer Prise Progressivität, doch sind die verträumten Parts der Vorgängeralben fast gänzlich zurückgefahren worden. Leider, muss man sagen, denn anfänglich straighte Rocker wie ‚Select 2 Players‘ werden erst dann besonders interessant, wenn sie einen Gang zurückschalten, da die meisten Stücke nicht von ihren Hooklines alleine leben können.

Und so sind Pil & Bue auf ihrem neuen Album vor allem dann besonders gut, wenn sie so kontrastreich klingen, wie im leicht postrockig-progressiven Titelstück. Liedern, die nicht wie ‚True Disaster‘ alleine von ihrer Energie leben, sondern vor allem von ihren Gegensätzen.
Bewertung: 11/15 Punkte (FF 11, KR 12)

Pil & Blue – The World is A Rabbit Hole (Indie Records, 03.09.21)
Tracklist:
1. ‚Rube Goldberg Machines‘ (5:02)
2. ‚Everyone’s Just A Kid‘ (5:21)
3. ‚True Disaster‘ (3:50)
4. ‚Select 2 Players‘ (6:45)
5. ‚The Resonator‘ (5:27)
6. ‚The World Is A Rabbit‘ (8:50)

Besetzung:
Petter Carlsen (Gesang, Baritongitarre)
Gøran Johansen (Schlagzeug, Perkussion)

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Abbildungen: Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise von Indie Recordings zur Verfügung gestellt.

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Über den Autor

1978 in Traben-Trarbach geboren und seit 2014 in Köln ansässig bin ich noch immer ein echter Globetrotter. Ziehe ich gerade einmal nicht trampend und couchsurfend mit meiner Frau Inga durch die Welt, so arbeite ich als Sozialpädagoge in der Inklusionsbegleitung sowie in der Einzelfall- und Familienhilfe. Nebenberuflich bin ich als Stadtführer für Free Walk Cologne tätig. Außerdem nähen Inga und ich hin und wieder noch immer unsere Travelling Monkeys, handgefertigte Stoffaffen. Musikalisch in den 90ern sozialisiert, wuchs ich mit Grunge (Pearl Jam, Nirvana), Prog (Marillion, Dream Theater), Punk (Bad Religion, NoFX), Gothic Metal (Paradise Lost, My Dying Bride) und Crossover (Rage Against the Machine, Faith No More) auf. Für mich sind die letzten zehn Jahre musikalisch so ziemlich die spannensten, die ich bisher erlebt habe, da in dieser Zeit viele jener verschiedenen Stile musikalisch zusammengführt worden sind.

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Pil & Bue – The World is A Rabbit Hole

von flohfish Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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