Samavayo – Vatan

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(45:39, CD, Noisolution, 2018)
Angesichts des Hypes um das kommende Tool-Album mag der Stil von Samavayo vielen wie ein Gnadentrunk kurz vor Ende einer langen Durststrecke verbrauchter Rock-Tropen erscheinen. Es dauert kaum 30 Sekunden, bis das erste Riff auf “Vatan” dem Signatursound von Adam Jones nacheifert und so das sechste Studioalbum einer durchaus profilierten Berliner Stoner-Kombo eröffnet. Seit der Jahrtausendwende ist das Trio aus Sänger Behrang Alavi und den Voland-Brüdern bereits aktiv und auf Festivals in ganz Europa unterwegs. Live sollen Samavayo daher noch um einiges heller brennen als auf Platte. Was aber speist den Sound der Band? Die eingangs erwähnten Tool-Riffs, deren Effekte mehr Stoner als Psychedelic sind, stehen sicher im Zentrum. Drums und Bass spielen sehr nah aneinander, in rhythmisch mehr oder weniger abwechslungsreichen Arrangements – im Szenesprech würde man das wohl “tight” nennen. Sicher auch eine Qualität, die durch jahrelange Tour-Erfahrung erst so richtig reifen konnte.

Technisch ist “Vatan” daher zwar gelungen, doch was ist schon Technik? Wenn die Rhythmussektion an My Sleeping Karma und die Vocals an eine Mischung aus Buddy Lackey (Psychotic Waltz) und Dave Williams (Drowning Pool) erinnern, ist das dann ein Zeichen von Virtuosität oder mangelnder Eigenständigkeit? Egal ob in den durchaus gelungenen Bridges des Titeltracks, den ‘Reflection’-artigen Drums von ‘Hate Of Thousands’ oder dem straight rockenden ‘Time To Die’: Das wirkt alles ebenso professionell wie reichlich redundant und kann über die gesamte Länge von rund 45 Minuten kaum bei der Stange halten. Hat man mittlerweile eben alles so oder so ähnlich (nein, eigentlich genau so) schon mal irgendwo gehört.

Wer seine tägliche Tasse Alternative Metal samt Stoner-Sahne seit den frühen 2000ern gerne lauwarm genießt und auf Überraschungen eher mit Bremsspur im Höschen reagiert, wird an “Vatan” aber wahrscheinlich seine Freude haben. Routinierte Rockmusik für den routinierten Hörer eben – kann, muss aber nicht.
Bewertung: 8/15 Punkten (KR 12, NS 8)

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Über den Autor

Nils S.

Freier Musikjournalist und Texter, Kulturpessimist und Waldgänger. Unter anderem redaktionelle Engagements für Intro, hhv-mag.com, BetreutesProggen, Reeperbahn Festival, NONPOP und diverse Künstler.

3 Kommentare

  1. “Hat man mittlerweile eben alles so oder so ähnlich (nein, eigentlich genau so) schon mal irgendwo gehört.” … ich glaube du solltest deinen Redakteurs-Job an den Nagel hängen… 🙂

    • Nils

      Ganz klar, denn Sinn und Zweck des Rezensierens ist ja unterm Strich immer alles mit Bestnoten zu belohnen, um niemandem ans Bein zu pinkeln. 😉

      • nee, Kritik ist ja super, aber ich hätte mir etwas mehr Tiefgang und ganzheitlichere Betrachtung gewünscht. Auf die Texte bist du überhaupt nicht eingegangen, spätestens hier könnte ein Vatan mit persischen Lyrics Erwähnung finden, oder wo hast du so etwas schon mal “genau so” gehört?

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von Nils S. Artikel-Lesezeit: ca. 1 min
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