Roine Stolt’s The Flower King – Manifesto Of An Alchemist

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(69:21, CD, InsideOut Music/Sony Music, 2018)
Warum dieser kryptische Name? Hier sind eben nicht The Flower Kings am Start, sondern das Ganze firmiert unter dem Bandwurm-Namen Roine Stolt’s The Flower King. Somit handelt es sich zwar um kein reines Roine Stolt-Soloalbum, aber genauso um kein “richtiges” The Flower Kings-Album. Oder doch nicht?

In gewisser Weise bedeutet dieser Name so etwas wie eine Rückkehr zum 94er Roine Stolt Werk “The Flower King” (lang, lang ist’s her…), welches damals mehr oder weniger als Roine Stolt Soloalbum mit Gastmusikern entstand, dennoch in deutlich vernehmbarer progressiver / Retro Prog-Tradition ausgerichtet war und damit den Weg für The Flower Kings ebnete.

Von der Besetzung her ist “Manifesto Of An Alchemist” definitiv keine Fortsetzung des letzten offiziellen Studioalbums der Flower Kings “Desolation Rose” (2013), denn lediglich die “Allzweckwaffe” Jonas Reingold am Bass und Hasse Fröberg als gelegentlicher Backgroundsänger sind hier noch von der alten Mannschaft vertreten. Der kompositorische Ansatz war gleichfalls ein komplett anderer, denn Roine Stolt übernahm die alleinige Führungsrolle, steuerte einen Großteil des Gesangs bei, ferner wurden Einfälle bei den Gitarren- und Keyboardparts nicht über Monate bis ins letzte Detail ausgetüftelt, sondern die sehr spontanen Aufnahmen begannen Anfang Juli dieses Jahres, während der Mix bereits Mitte August fertig war.

Musikalisch und stilistisch sind zum Großteil deutliche Flower Kings-Parallelen erkennbar, selbst wenn dieses Flower Kings-Projekt mit folgendem Personal – als Mixtur aus Roine Stolts diversen Bands und Aktivitäten der letzten Jahre – eingespielt wurde:
Roine Stolt – Gesang, Gitarre, Synthesizer, Keyboards, Bass
Marco Minnemann – Schlagzeug (u.a. The Sea Within)
Michael Stolt – Bass, Gesang (u.a. The Flower Kings, Kaipa Da Capo)
Jonas Reingold – Bass (u.a. The Flower Kings, The Sea Within)
Rob Townsend – Saxophon, Flöte (Steve Hackett Band)
Max Lorentz – Hammond, Gesang (Kaipa Da Capo)
Zach Kamins – Moog, Keyboards
Hasse Fröberg – Gesang (u.a. The Flower Kings)
Nad Sylvan – Gesang (u.a. Steve Hackett Band, Agents Of Mercy)

Trotz sofort erkennbarer Gefälligkeit, ansprechender Qualität und dem Vertrauen auf bekannte Zutaten, benötigt “Manifesto Of An Alchemist” einen gewissen Anlauf, bis das Album zündet. Das liegt sicherlich zum Teil am atmosphärischen, schwebenden Intro ‘Rainsong’, welches irgendwie relativ verloren komplett für sich alleine steht und dem folgenden, knapp 10-minütigen ‘Lost America’, das zwischendurch mit straightem Rocktouch etwas durchhängt, während das bombastische Ende letztendlich überzeugt. Das folgende 8-minütige ‘Ze Pawns’ hat trotz guter Ideen ebenso leichten Leerlauf, was sicherlich von den Hardcore-FloKis-Fans komplett anders gesehen wird.

Die zwölf Minuten von ‘High Road’ sind dafür handwerklich und kompositorisch bestes Flower Kings-Niveau und mit durchaus überraschenden Einfällen und Wendungen versehen, doch nach eigenem Gusto sind es die folgenden Nummern, die ein ganz anderes, spannenderes Bild offenbaren. Das Instrumental ‘Rio Grande’ besticht mit lässigem Groove und einigen jazzigen Parts, die geschickt mit dominantem Retro Prog Flair verwoben werden, was genauso auf beim musikalisch ähnlich gelagerten und ebenfalls ohne Gesang auskommenden ‘The Alchimist’ (u.a. mit Rob Townsend am Saxophon) nochmals aufgegriffen wird. Die gefühlvolle Gitarrenlinie im Dialog mit Flöte macht aus ‘Six Thirty Wake-Up’ eine verträumte, stimmige Angelegenheit, während das das Album beschließende ‘The Spell Of Money’ gekonnt den Bogen zwischen Bombast und Dynamik spannt.

‘Manifesto Of An Alchemist’ überzeugt zum Großteil mit erwartbarem, organisch produziertem Inhalt, hat trotzdem einige kleinere, wohltuende Überraschungen parat. Ergänzend dazu sind die runderneuerten The Flower Kings (in der Besetzung Roine Stolt – Gitarre, Gesang, Hasse Fröberg – Gitarre, Gesang, Jonas Reingold – Bass, Zach Kamins – Keyboards, Mirko DeMaio – Schlagzeug) zusammen mit Spock’s Beard im Dezember auf gemeinsamer Tour in Europa unterwegs.
Bewertung: 11/15 Punkten (WE 10, GH 10, KR 11, KS 11)

Roine Stolt (Foto: Künstler)

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Über den Autor

Kristian Selm

Höre eigentlich alles quer durch den bunten Gemüsegarten des Progressive Rocks, vergesse dabei aber auch nicht den Blick über den Tellerrand hin zu "normaler" Rock- und Popmusik, auch wenn mir vom aktuellen Mainstream leider immer weniger gefällt.

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von Kristian Selm Artikel-Lesezeit: ca. 3 min
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