Ange – Heureux!

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(67:14, CD, Art Disto , 2018)
Dass es die bereits seit den 70ern aktive französische Progressive Rock Ikone Ange in Deutschland nicht gerade leicht hat und immer noch eher zwiespältig aufgenommen wird, bewies auch just ihr Auftritt auf dem diesjährigen Night Of The Prog-Festival auf der Loreley. Ihr erstes(!) Konzert in unseren Breiten wurde mit beispielhaften Kommentaren wie “Schöne Musik und tolle Musiker. An den Sänger musste man sich aber erst einmal gewöhnen.” oder ” Aber das, was ich dann doch verfolgen konnte, riss mich nicht vom Hocker. Décamps Stimme beherrschte doch (zu) sehr das musikalische Geschehen.” bedacht und offenbart, warum man hierzulande leider eben nicht so rechte Begeisterung auslöst. Egal, der Schreiber dieser Zeilen war vom Auftritt der Franzosen begeistert.

Sofern man ein entsprechendes Faible für einen deutlich francophilen Touch im Progressive Rock hat, auch mit gehöriger Theatralik und mächtigem Pathos gut leben kann, dann ist die Formation aus der Nähe von Belfort immer noch ein Garant für hervorragenden, sehr druckvollen Progressive / Art Rock. Das im März erschienene “Heureux!” Album setzt dabei die sehr gute Qualität der Alben der zweiten Generation von Ange, die sich seit der Jahrtausendwende um Urmitglied Christan Décamps und dessen Sohn Tristan tummeln, konsequent fort. Die Rock / Pop Phase der 80er hat man glücklicherweise schon lange hinter sich gelassen, dennoch ist die derzeitige Manifestation von Ange ebenso nicht mit den 70ern zu vergleichen. Mit modernem Anstrich, teilweise geradlinigen, rockigen Kompositionen, aber genauso sinfonischen, elegischen Momenten versehen, ist “Heureux!” die aktuelle Interpretation von Progressive Rock moderner Prägung.

Ange gelingt auf diesem Album die gekonnte Verbindung von zugänglichem, sehr direktem Art Rock (z.B. das als Video veröffentlichte ‘L’autre est plus précieux que le temps’) auf der einen, aber genauso epische, ausufernde, Geschichten-erzählende Longtracks, wie das über 17-minütige ‘ Nancy – Jupiter à la nage’ auf der anderen Seite. Die fünfköpfige Gruppe, aus der einmal mehr Gitarrist Hassan Hajdi mit seinem sehr variablen Spiel herausragt, klingt keineswegs nach gestern, sondern atmet immer gegenwärtigen Zeitgeist. Das Songmaterial auf “Heureux!” verfügt weiterhin über die notwendige Power, hat aber gleichzeitig eine gewisse französische Lässigkeit und Nonchalance, die auch mal mit leichten Chanson und lyrischen Folk Anleihen flirtet, trotzdem auf einem sehr soliden Rockfundament fußt. Einzig das das Album abschließende ‘Chante n’importe quoi’ wirkt etwas desorientiert und will nicht so ganz in den harmonischen Gesamtkontext passen.

“Heureux!” macht wirklich Laune und kann bedenkenlos allen Fans der Band empfohlen werden. Das Album ist übrigens auch als Vinylausgabe erhältlich.
Bewertung: 11/15 Punkten (WE 11,GH 11, JM 11, KS 11)

Ange (Foto: Künstler)

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Über den Autor

Kristian Selm

Höre eigentlich alles quer durch den bunten Gemüsegarten des Progressive Rocks, vergesse dabei aber auch nicht den Blick über den Tellerrand hin zu "normaler" Rock- und Popmusik, auch wenn mir vom aktuellen Mainstream leider immer weniger gefällt.

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Ange – Heureux!

von Kristian Selm Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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