#VinylCorner Nr. 5: Februar 2016

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MintWährend eines kürzlichen Besuchs in unserer schönen Hauptstadt Berlin durfte ich feststellen, dass die Vinyl-Ecke eines großen Multimedia-Händlers am Alexanderplatz aus allen Nähten platzt. Wo letztes Jahr noch eine übersichtliche Auswahl an Schallplatten ein klägliches Dasein fristete, sind die Regale jetzt derart prall mit schwarzem Gold gefüllt, dass das Blättern Mühe macht. Kein Wunder, dass die Presswerke an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen. Zur Jahreswende würdigte sogar das ZDF dem Comeback der Schallplatte eine 45-minütige Dokumentation namens Vinyl lebt. Erfolgreich verlief auch der Start der Zeitschrift „Mint – Magazin für Vinylkultur„, deren zweite Ausgabe jetzt im Handel ist. Grund genug, das Heft unter die Lupe zu nehmen.

Wie der Name schon suggeriert, dreht sich der Inhalt des Magazins nicht nur um die Schallplatte selbst. In der aktuellen Ausgabe erläutert Mike Petrucci (Dream Theater) sein Verhältnis zum Metallica-Album „Master of Puppets“. Diverse Schallplatten-Waschmaschinen in einer Preisspanne von 80 bis 2700 Euro werden getestet, und es gibt ein umfangreiches Feature über Europas derzeit größtes Presswerk GZ Media in der Nähe von Prag. Besonders aufschlussreich gerät auch die Kategorie „Fragen Sie Dr. Mint“: In de71I2slQvSgLr aktuellen Ausgabe beschäftigt sich der Vinyl-Doc mit der Frage, ob 180-Gramm-Pressungen wirklich besser klingen als leichtere LPs. Die Antwort darauf möchte ich an dieser Stelle mit Rücksicht auf die „Mint“-Herausgeber schuldig bleiben – lest doch selbst. Nur soviel: Das Heft ist seinen Preis wert. Hut ab davor, dass in der Ära des Zeitschriftensterbens ein Magazin auf den Markt kommt, das sich ausschließlich Nischenprodukten widmet.

Weiteren zünftigen Lesestoff bietet das kürzlich erschienene Buch „Vinyl – Die Magie der schwarzen Scheibe“ von Mike Evans. Für knapp 30 Euro bietet es Einblicke in die Geschichte der schönen schwarzen Schönheiten und ihres Comebacks. Rechnet in naher Zukunft mit einem ausführlichen Review zu diesem Buch.

SL-1200Ein Comeback feiert auch ein legendärer „Dreher“, wie Vinyl-Freaks ihre Plattenspieler gerne nennen. Die Rede ist vom Technics-Modell SL-1200. Zum 50. Jubiläum des Herstellers wird ab Juni 2016 eine limitierte Sonderedition namens SL1200GAE (UVP: 3499 Euro) in den Handel kommen. Ende des Jahres soll dann auch ein Serienmodell in den Verkauf gehen. Das gibt zur Hoffnung Anlass, dass auch andere namhafte Hersteller mit neuen Modellen wiederkommen. Wen nun das Design diverser Modelle anderer Hersteller (z. B. dieses) an den SL-1200 erinnert, der sei darauf hingewiesen, dass das alles ziemlich schamlos kopierte Nachbauten von teils zweifelhafter Qualität sind. 

Selbstverständlich gehören auf einen schönen Plattenspieler reichlich neue Scheiben. Bei aktuellen Veröffentlichungen kann man inzwischen davon ausgehen, dass auch Vinyl-Ausgaben erscheinen. Leider ist die Preispolitik oft wenig kundenfreundlich: So liegt die für Mitte März angekündigte LP-Version von Dream Theaters „The Astonishing“ im Vorverkauf derzeit bei  – Achtung, hinsetzen!: 100 bis 150 Euro. Für manchen Fan wird die Liebe da ein Ende haben. Zu ähnlichen Auswüchsen führte die traurige und unerwartete Nachricht vom Tode David Bowies. Die auf transparentem Vinyl erschienene Version seines Abschiedswerkes „Blackstar“ wird derzeit im Netz für mehrere hundert Euro gehandelt. Zu derzeit eher handelsüblichen Preisen sind die Backkataloge von Spock’s Beard und Transatlantic zu haben. Da viele dieser Werke in Zeiten veröffentlicht wurden, zu denen man Vinyl weithin für tot hielt, erfahren sie heute ihre Erstveröffentlichung auf unserem Lieblingsmedium. Im Webshop von InsideOut Music findet man wie üblich exklusive Ausgaben auf farbigem Vinyl. Ein in vielen Sammlungen vermutlich bereits vertretenes Werk ist das epochale Doppelalbum „Out of The Blue“ vom Electric Light Orchestra. Da Mr. Lynne wieder aktiv ist, nimmt sich Sony Music auch mit Vinyl des ELO-Backkataloges an. Ergo ist der genannte Doppeldecker seit Anfang des Jahres als Neuauflage auf transparenten Scheiben in audiophiler Qualität zu haben – leider fehlt aber der legendäre Raumschiff-Bausatz.

Am 14. April findet im Hamburger Knust ein Warm-up für den diesjährigen Record Store Day mit Hundreds und The/Das statt. Und ab 29. Februar gibt es im App Store für das iPhone eine offizielle Discogs-App. Wenn das mal keine guten Gründe dafür sind, mit dem Sammeln anzufangen. In diesem Sinne: Vinyl ist für immer.

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Über den Autor

Dieter Hoffmann

Dass der Prog-Virus hoch infektiös ist, musste ich bereits in meiner frühen Kindheit erfahren. Während meine Schulfreunde noch sorglos Ilja Richters Disco mit The Sweet und den Bay City Rollers schauen konnten, hatte mich mein älterer Bruder bereits in den frühen Siebzigern mit ELP und Yes verkorkst. Mein erster Radiorekorder und die LP-Hitparade von SWF3 gaben mir mit Genesis und Eloy dann den Rest.

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#VinylCorner Nr. 5: Februar 2016

von Dieter Hoffmann Artikel-Lesezeit: ca. 3 min
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