David Gilmour live in der Royal Albert Hall in London am 25. September 2015

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Fotos von Werner Haider, mit freundlicher Genehmigung von Pulse & Spirit

Fotos von Werner Haider, mit freundlicher Genehmigung von Pulse & Spirit

Die Geschäftsleitung von BetreutesProggen.de entsandte drei Mitarbeiter nach London…
…um etwas näher an die Wahrheit zu rücken, korrigiere ich das direkt ein wenig: Fünf Freunde von denen drei zufällig gerne für BP schreiben fanden sich zusammen, um gemeinsam mehrere Tage in London zu verbringen – u.a. in Soho. Den Höhepunkt der Reise sollte das Konzert von David Gilmour in der Royal Albert Hall bilden.

Wir gehörten zu den Glücklichen, die zum richtigen Zeitpunkt beim Vorverkaufsstart am 6. März im Internet waren. Da war die neue CD noch nicht veröffentlicht und man konnte gespannt sein, was geboten würde. Natürlich war es kein Blindflug, da jeder weiß, dass Herr Gilmour auch Pink Floyd-Stücke im Portfolio haben würde, um die Fans zu beglücken.

Kurz vor Tourneebeginn kam der Longplayer „Rattle That Lock“ heraus und dies steigerte die Vorfreude auf wunderbare Gitarrenklänge weiter. Ich kann zu diesem Beitrag übrigens keine eigenen Fotos beisteuern, da fotografieren strengstens untersagt war. Dies hielt leider viele Zuschauer nicht davon ab, bei jeder neuen Szenerie ihre Mobiltelefone in die Luft zu halten und dem Hintermann die Sicht zu nehmen. Meiner Ansicht nach nimmt diese Unsitte ganz allmählich langsam wieder ab. Wann aber merkt auch der Letzte endlich, dass es zum einen absolut stört und dass zum anderen die Qualität der Ton-Mitschnitte und Bilder unterirdisch sind und man sich so selber letztendlich eines Konzerterlebnisses beraubt? Die hier abgebildeten Fotos jedenfalls sind von der deutschsprachigen Webseite Pulse & Spirit, wo noch mehr Konzertaufnahmen gesichtet werden können.

Es war absolut magisch, als David Gilmour zu ‚5 a.m.‘ das erste Mal die Saiten zupfte. Ich glaube, dass jeder der 5.500 Zuschauer in der ehrwürdigen Halle eine Gänsehaut bekam. Die ersten drei Songs waren auch die Eröffnungsstücke seiner neuesten Veröffentlichung. So wie die Stücke auf der Bühne vorgetragen wurden, merkte man Herrn Gilmour seine Spielfreude an. Dies ist keine eilig eingespielte Scheibe, um sein Bankkonto zu füllen. Nein, hier lebt jemand seine Musik. Dies wird ganz deutlich im Song ‚The Girl In the Yellow Dress, der im zweiten Teil gespielt wird. Die Band schafft es, eine heimelige Atmosphäre wie in einer französischen Jazz-Bar zu schaffen. Geschickt spickte der Meister den Anfangs-Set mit ‚Wish You Were Here‘, um dann mit ‚A Boat Lies Waiting‘ und ‚The Blue‘ von seinem vorletzten Album „On An Island“ wieder Solostücke vorzutragen. Mit ‚Money‘ wird dann endgültig auf Pink Floyd umgeschaltet. Die runde Leinwand, mittig über der Bühne aufgehangen, liefert die gleichen Filme wie immer. Aber sind wir mal ehrlich, der ergraute Pink Floyd-Fan will ja genau das sehen und hören.

Der eigentliche Tour-Saxophonist Theo Travis war diesmal nicht dabei, da er selbst auf Tour war. Er wurde bestens durch João Mello ersetzt, der auch eine Klarinette und Keyboards bediente. Ansonsten waren die üblichen Verdächtigen mit dabei. Phil Manzanera spielte die zweite Gei, äh, Gitarre, Guy Pratt, der Schwiegersohn vom in anderen Sphären wandelnden Rick Wright zupfte den Bass und Jon Carin haute in die Tasten. Er wurde von Kevin McAlea unterstützt und im Song ‚In Any Tongue‘ ebenso von Gabriel Gilmour, einem der vier Kinder von Polly Samson und David Gilmour. An den Drums trommelte Steve DiStanislao, der Gilmour bei der 2006er Tournee schon begleitete und mehrere Stücke der neuen CD einspielte. Als Backroundsänger fungierten Brian Chambers und seine Kollegin Louise Clare Marshall. Nach ‚High Hopes‘ gönnte der Meister sich und uns eine zwanzigminütige Pause.

Danach ging es aber so richtig ab. Mit ‚Astronomy Domine‘ kam der erste Paukenschlag, um mit ‚Shine On You Crazy Diamond Part I-V‘ und ‚Fat Old Sun‘ weiter nachzulegen. Da tat ‚On An Island‘ richtig gut, sonst wären sicherlich mehrere Zuschauer, ich nehme mich da nicht aus, kollabiert. Mit dem ‚Mädchen in Gelb‘, wie oben schon angemerkt und ‚Today‘ wurden nochmals zwei ruhigere Stücke vom aktuellen Album nachgelegt. Und dann kamen ‚Sorrow‘ und ‚Run Like Hell‘. Gestandene Progger können sich vermutlich vorstellen, was in der Halle passierte. Jetzt saß keiner mehr und man musste Angst haben, dass einer der sogenannten Champignons auf einen runter fiel, die seit Ende der Sechziger Jahre des letzten Jahrhunderts an der Decke hängen, um die Akustik in der Royal Albert Hall zu verbessern. Damit wurde der zweite Teil beendet und natürlich war klar dass noch ein Zugaben-Teil kommen würde. ‚Time‘, ‚Breathe Reprise‘ und ‚Comfortably Numb‘ rundeten diesen musikalischen Leckerbissen ab. Als privilegiert durften sich die Zuschauer in der Royal Albert Hall fühlen, da die Lasershow bisher nur hier zum Einsatz kam. Dies ließ bis zum Zugaben-Teil auf sich warten. Aber dann erhellte sich die Halle in Grün und später in Orange und Rot.

Der Gig dauerte über 2,5 Stunden. Und jeder in der Halle war von der Spielfreude des Ensembles absolut angetan. Die Garnitur der glasklar wiedergegebenen Songs, mit einer wunderbar strukturierten Lightshow und der Leinwand alter Pink Floyd-Tage waren ein echtes Pfund. Und jedes Pfund wert, was im Königreich England für diese Show bezahlt werden durfte.

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Fotos von Werner Haider, mit freundlicher Genehmigung von Pulse & Spirit

 

 

 

 

 

 

 

Surftipps:
Davids Webauftritt
Royal Albert Hall @ Wikipedia
die Halle für Engländer
Die Geschichte der „Champignons“ an der Hallendecke
das WWW ist pink
Homm(p)age von der Texterin
Fotos von Pulse & Spirit vom RAH Konzert

 

Setlist
Teil Eins:

    1. 5 A.M.
    2. Rattle That Lock
    3. Faces of Stone
    4. Wish You Were Here
    5. A Boat Lies Waiting
    6. The Blue
    7. Money
    8. Us And Them
    9. In Any Tongue
    10. High Hopes

Teil Zwei:

    1. Astronomy Domine
    2. Shine On You Crazy Diamond (Parts I-V)
    3. Fat Old Sun
    4. On An Island
    5. The Girl In The Yellow Dress
    6. Today
    7. Sorrow
    8. Run Like Hell

Zugaben:

  1. Time
  2. Breathe Reprise
  3. Comfortably Numb
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Über den Autor

Klaus Bornemann

mit 12 Jahren wurde ich so langsam an die Art-Rock Beatmusik geführt (so hieß das damals, ehrlich). Im Radio gab es noch die legendäre „LP-Hitparade“ auf „SWF3“. Deep Purple, Emerson, Lake and Palmer und die Earth Band waren meine ersten Lieblingsgruppen. Später folgten Pink Floyd und Queen. Anfang des neuen Jahrtausends war klar, die Ära der intelligenten Rockmusik mit längeren Stücken ist vorbei. Aber weit gefehlt. Bei einem YES-Konzert bekam ich einen Empire/InsideOut-Sampler in die Hand. Dort waren unter anderem Spocks`s Beard und Flower-Kings Stücke drauf. Seitdem bin ich neu infiziert und freue mich über die Kreativität der „neuen“ Bands.

3 Kommentare

  1. Thomas van Heek am

    Ich kann diesem tollen Bericht in allen Punkten zustimmen, obwohl es für mich fast aufregender war die Royal Albert Hall erleben zu dürfen.
    War ein sehr spezieller Wochenendtrip ! Dank an alle Mitreisenden.

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von Klaus Bornemann Artikel-Lesezeit: ca. 4 min
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