TYA – Echoes

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Tya---Echoes(67:22, CD, Prudence/BSC Music, 2015)
Es gibt Alben, da tut man sich mit Beschreibungen und Bewertungen sehr schwer. Dieses gehört sicherlich in diese Kategorie, was wesentlich auch damit zu tun hat, dass die hier präsentierte Art von Musik nur sehr begrenzt in das übliche Beuteschema dieser Seite passt. Das soll uns aber nicht davon abhalten, dieses recht eigenwillige Werk vorzustellen.

Der Name Tya kommt aus der Sprache der Aborigines Australiens und bedeutet so viel wie „Mutter Erde“. Ausgesprochen: “t:sch:ya“. Hinter dem Namen verbirgt sich der Nürnberger Musiker Martin Scherl. 2001 veröffentlichte er sein Debütalbum „Tribal Sutras“, dem in jeweils Drei-Jahres-Abständen „Akwaba“ und „Atma“ folgten. Die deutlich größere Zeitspanne bis zum Erscheinen des nächsten Albums erklärt sich unter anderem dadurch, dass Scherl viele Ideen angesammelt hatte, dann aber doch immer wieder verwarf bzw. an den Ausarbeitungen feilte.

Herausgekommen ist dabei letztendlich ein Album, dem man die Liebe zum Detail durchaus anmerkt. Allerdings setzt es ein Faible für gewisse musikalische Ausrichtungen voraus, ansonsten dürfte das Interesse eher schwerlich geweckt werden.

Insgesamt 11 Songs finden sich auf dem aktuellen Album, wobei die Spielzeiten nur wenig Streuung aufweisen, meist pendelt es sich bei etwa 6 Minuten ein. Der Opener ‘Long Open Road‘ ist mit knapp acht Minuten Spielzeit der längste Titel. Und das trifft sich gut, denn für meinen Geschmack ist dies mit Abstand die beste Nummer des Albums. Es handelt sich um einen Ambient-Titel auf höchstem Niveau, der bestimmt wird durch wunderbare Klavierlinien und fein abgestimmte Perkussion und Synthesizerflächen. Der Song besitzt eine sehr intensive Atmosphäre und zieht sofort in den Bann. Das Grundthema dieses Titels taucht in ‘Echoes‘ wieder auf. Doch dieser Song zeigt mustergültig auf, was dann auch für alle restlichen Titel gilt. Die Grundmelodie wird hier in flotterem Gewand präsentiert, was gut gelingt. Allerdings werden hier lautmalerische Gesänge eingestreut, die sicherlich nicht Jedermanns Sache sein dürften. Ein wesentlicher Faktor von Scherls Musik ist nämlich genau dieses Einflechten von Stimmen, und so kommt der im Inlet angegebenen Information „songs contain samples from Trinovox, Sergey Starostin’s Vocal Family and Les Anges Compagnie“ eine recht hohe Bedeutung zu. Meist heißt es ja eher, dass ein album Gitarren- oder keyboardlastig daher kommt, in diesem Fall ist es samplelastig. Der Titelsong taugt als guter Test dafür, inwieweit man mit dem Album klar kommen kann. Der gesampelte Gesang ist grenzwertig, andererseits sind die instrumentalen Arrangements sehr gut gelungen, am Ende kommt gar kurz ein bisschen Oldfield-Stimmung wie zu „Incantations“ Zeiten auf.

TYA zeigt sich beeinflusst von diversen Kulturen, das ist nicht nur die bereits oben angesprochene australische Kultur, auch afrikanische Einflüsse sind zu hören. Es wird sehr viel Wert auf ausgefeilte Rhythmus-Arbeit gelegt, und auch die Keyboardarrangements sind geschmackvoll und variabel gestaltet. Diesbezüglich gibt es nichts zu beanstanden. Diese Mischung aus Ambient und Ethno bzw. World Music hat einige reizvolle Momente zu bieten. Eine höhere Benotung scheitert bei mir am gehäuften Einsatz der gesampelten Stimmen, der mir in dieser Form einfach gar nicht zusagt. Wer aber damit keine Probleme hat und gerne eine mit gelegentlichen Ambient-Passagen durchsetzte World Music mag, legt hier gut und gerne mindestens 3 Punkte drauf. Keine schon x-mal gehörte 08/15-Ware, sondern ein sehr eigenständiges Werk, bei dem es einiges zu entdecken gibt.
Bewertung: 8/15 Punkten

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TYA – Echoes

von Juergen Meurer Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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