Dungen – Allas Sak

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Dungen - Allas sak(41:42, CD, Smalltown Supersound/Rough Trade, 2015)
Auch wenn die schwedische Band Dungen bereits seit Ende der Neunziger existiert, so sind sie doch in unseren Breiten nie über einen (kultigen) Geheimtipp-Status herausgekommen, während man schon mehrfach in den USA spielte und dort, neben den skandinavischen Nachbarländern, auf eine gewisse Fanbasis bauen kann. Vielleicht funktioniert es bei uns einfach nicht, dass sich die Formation gesanglich konsequent ihrer Muttersprache verpflichtet fühlt. Oder es hängt einfach auch damit zusammen, dass Dungen sich nicht so einfach in eine Schublade pressen lässt. So soll der Band wenigstens hier die verdiente Aufmerksamkeit geschenkt werden.

Vom Grundsatz waren Dungen von Anfang an Retro, doch nach den anfänglich noch auftretenden ProgRock-Einflüssen, hat man mittlerweile einen sehr eigenständigen Stil zwischen Psychedelic, schwedischer Folklore und 60s Pop, sowie einiges an Improvisation kultiviert. Das wirkt oftmals zu Beginn etwas unspektakulär und klanglich antiquiert, doch Dungens Mastermind und Sänger Gustav Ejstes kreiert mit seinen Mitstreitern (u.a. Reine Fiske, Gitarre; Ex-Landberk, Motorpsycho) einen verspielten, verqueren Mikrokosmos, der auf Dauer doch mitreißt.

So beginnt auch der aktuelle Longplayer „Allas Sak“ mit kürzeren Pop-Perlen im Sound der 60s und 70s, die nett anzuhören und fein arrangiert sind, doch es braucht eben eine gewisse Zeit, bis man als Hörer in die Musik hineingezogen wird. Doch spätestens wenn Dungen vermehrt auf Flötentöne vertraut, hin und wieder Saxophoneinschübe zu hören sind, aber vor allem die Gitarre verzerrt heult und eine ganz eigene rückwärts gerichtete Klangmagie in die Songs Einzug hält, dann wird diese Zeitreise zu einem vollen Erfolg. Das Werk gewinnt immer mehr an Schwung, was vielleicht auch daran liegt, dass man für dieses Album den Ansatz wählte, mit fertigen Songs ins Studio zu kommen, anstatt vieles im Live-Kontext spontan entstehen zu lassen. Die gewisse Spontaneität geht dennoch nicht verloren, da man alles direkt live im Studio aufnahm. Dabei tut es dem Songmaterial hörbar gut, dass es komplett durcharrangiert und mit subtilen Zwischentönen versehen, aufgenommen wurde. So gelingt eine wunderbare Balance zwischen schwebenden Instrumentalnummern und verträumten Titeln mit Gesang.

„Allas Sak“ ist einmal mehr ein musikalisches Kleinod, das eine spannende Symbiose aus Urbanität und folkiger Weitläufigkeit eingeht. Richtig retro, richtig gut!
Bewertung: 12/15 Punkten (KR 12, KS 12)

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Über den Autor

Kristian Selm

Höre eigentlich alles quer durch den bunten Gemüsegarten des Progressive Rocks, vergesse dabei aber auch nicht den Blick über den Tellerrand hin zu "normaler" Rock- und Popmusik, auch wenn mir vom aktuellen Mainstream leider immer weniger gefällt.

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Dungen – Allas Sak

von Kristian Selm Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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