Hands – Caviar Bobsled

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Hands(72:31, Shroom Angel Records/JustForKicks, 2015)
Bei manchen Bands dauert es einfach etwas länger, bis etwas Neues auf den Markt kommt. Man denkt, sie haben sich schon längst wieder aufgelöst, doch plötzlich sind sie einfach ohne viel Aufheben wieder da. Bei der kürzlich besprochenen neuen Scheibe von Advent war dies so, und auch die vorliegende Veröffentlichung gehört in diese Kategorie. Zugegeben, eine Knallermeldung wie die Neuigkeit über eine Happy the Man Reunion ist es nicht, wenn man liest, dass die amerikanische Formation Hands sich mit einem neuen Album zurück meldet. Was aber nicht ganz fair ist, denn Hands – wie auch Advent – haben zwar nicht den großen Namen in der Prog-Szene, doch sie können durchaus auf beachtliche Veröffentlichungen verweisen. Was dem kleinen, aber feinen amerikanischen Label Shroom Productions zu verdanken ist, die das titellose Debüt im Jahre 1996 herausbrachten. Wobei die Musik aus den 70ern stammt und erst mit deutlicher Verspätung dem Publikum zugänglich gemacht wurde. Es folgten weitere ältere Aufnahmen und in 2002 mit “Twenty Five Winters“ erstmals ein zeitnah veröffentlichtes neues Werk der Band, mit dem sie viel Anerkennung erreichten. Sechs Jahre später erschien “Strangelet“ und es sollte weitere sieben Jahre dauern, bis nun wieder neues Material von ihnen vorliegt, das mit dem seltsamen Titel “Caviar Bobsled“ frisch auf den Markt kommt.

An der Besetzung hat es im Laufe der Zeit zwar die eine oder andere Veränderung gegeben, doch im Kern ist die Truppe zusammen geblieben. Und auch der auf den Vorgängern gepflegte musikalische Stil ist im Wesentlichen beibehalten worden, was bedeutet, dass den Hörer ein buntes Klangbild erwartet, das von Retroprog durchsetzt ist und ebenfalls Ausflüge in jazzrockige wie auch Canterbury-Gefilde beinhaltet.

Das Album enthält 13 Songs mit Spielzeiten zwischen einer und 11 ½ Minuten. Zu ihren Stärken zählt ganz gewiss nicht der Gesang von Gitarrist Ernie Myers, aber sie sammeln Pluspunkte durch die vielen kleinen Feinheiten, die sie in den Songs untergebracht haben. Dazu zählen zum Beispiel die abwechslungsreichen Einlagen von Skip Durbin, der schönes Flötenspiel ebenso einbringt wie kraftvolles Saxophon oder feine Oboe. Und auch Warr Gitarre und Chapman Stick gehören zum Repertoire, ebenso wie Streichinstrumente. Bassist Rex Bozarth bringt gelegentlich sein Cello ein, das im kurzen Instrumental ‘Into The Night‘ auch mal eine Portion Neo-Klassik ins Spiel bringt. Insgesamt gilt, dass neben symphonischem Wohlklang und partiellen leichten Beatles Einflüssen auch moderat schräge Töne zu vernehmen sind. Kein Zufall, dass es Passagen gibt, bei denen man an Gentle Giant denken muss – wenn auch nicht zwingend so offensichtlich wie bei den oben erwähnten Advent. Und auch Jethro Tull oder King Crimson klingen mal kurz an. So darf das knapp 5-minütige ‘Alis Volat Propiis‘ als Highlight genannt werden – nicht nur, da es sich um ein Instrumental handelt, sondern da hier feinster Retroprog mit Frippiger Gitarre geboten wird. Erstaunlich übrigens an dieser Stelle: es handelt sich um einen Solotitel, denn alles ist hier von Mark Cook eingespielt worden – Respekt! Und auch das abschließende ‘Busy Signal‘, der längste Song des Albums, weiß durch großen Abwechslungsreichtum zu überzeugen. Shannon Day sorgt mit seinen “vintage and contemporary keyboards“ für dezentes, aber sehr effektives Tastenspiel, gelegentlich unterstützt durch Mark Cook, der zusätzlich auch Warr Gitarre, Bass, Gitarren, Drums, Percussion spielt, sowie Steve Powell, ebenfalls Bass und Tasten, sowie Gitarre. Die Schlagzeugparts teilen sich John Rousseau und Martin McCall.

Auch wenn es zwischendurch mal etwas behäbig wirken mag und der Solo-Gesang nicht immer sattelfest erscheint, so versöhnen schließlich doch die vielen feinen Arrangements und machen das Album letztendlich für den Retroprog Fan interessant. Und bei der Bewertung drücke ich mal beide Augen bzw. Ohren zu, was den Solo-Gesang betrifft, zumal sie bei den mehrstimmigen Passagen deutlich besser klingen.
Bewertung: 11/15 Punkten (JM 11, KR 9)

Surftipps zu Hands:
Homepage – Aber Obacht: Die Seite verhält sich merkwürdig, Besuch (wie stets) auf eigene Gefahr
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Hands – Caviar Bobsled

von Juergen Meurer Artikel-Lesezeit: ca. 3 min
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