(45:54, Download, Rillbar, 2017) Musik wie heimelige Schatten. Also nicht die grauen, unheimlichen, die um uns herumschleichen. Nein, die Schatten von Anders Holst, die er uns mit seinem Soloprojekt Shadow Ray veräußert, sind eben nicht von der todtraurigen Sorte. Sie sind, wenn auch nicht gleich farbenfroh, so doch mit pastellenen Nuancen ausgestattet, die uns wenig zum Träumen animieren. Wenn man den elektronischen Überbau dieser Musik akzeptiert, dann kann man das, was hier auf „Eyes, Gleaming Through The Dark“ zu hören ist, als Freaky Folk abhandeln. Die Sounds sind trotz ihrer Transparenz beeindruckend dicht und fordernd, wobei in aller Übersichtlichkeit dann…
Autor: Carsten Agthe
(48:00, CD, FinalTune/Broken Silence, 2017) Wieder einmal eine der Bands, bei welcher man die Rezension zum letzten Album herauskramen und auf den neuen Stand pimpen könnte. Soweit, so gut. "Gut" oder besser: "hervorragend" wäre auch der richtige Aufhänger für ein Album wie „The Fallen Ones“, da es wieder mit Superlativen aufwartet, die nun einmal nicht höher anzusetzen sind. Also bleibt dann auch bei CUTE alles beim Alten. Mehr oder weniger, jedenfalls. Nach dem thematischen Doppel „Shoulders & Giants“ und „Sacrifice & Isolation“ sowie dem Interimsalbum „Fragments Of A Prayer“ hauen Chris Burda und Martin Grimm weiterhin in die schon mächtig…
(42:00, Download, n5MD, 2017) Am Anfang kommt das Ende, das bei To Destroy A City nicht unbedingt ein dickes sein muss. Mit 'Final Kiss' startet das Chicagoer Cinematic-Rock-Trio in sein drittes Album, das so etwas wie ein Paradigmenwechsel, da das erste mit Gesang ist. Aber auch sonst ist bezüglich Drama, Suspensen und Atmos eine Steigerung erlebbar, welche das Album mi Vollspann in den Olymp schießt. Besagtes 'Final Kiss' wirkt erst einmal, als hätte eine Band wie Pink Floyd es geschafft, einen Song für das 21. Jahrhundert einzuspielen. Wuchtige, zum Teil elektronisch eingefärbte Drums, Gitarren in Moll, welche zu schweben und…
(60:22, Download, Art As Catharsis, 2017) Postrockfolktronica nennt sich das, was Peter Hollo mit seinem Soloprojekt raven inszeniert. Kann man so stehen lassen, muss man aber nicht. Denn „The Night Is Dark…“ kommt als facettenreiche Studie, was so alles vor allem mit einem Cello möglich ist. Über Effektgeräte und Delays um eine vielfache Klangdichte bereichert, geloopt und wieder entdröselt klingen die musikalischen Studien/Songs/Tunes oder was auch immer manchmal wie von einem kompletten Orchester eingespielt, manchmal, bis auf die Grundstruktur entblößt, melancholisch karg und verletzlich. Da sind zum Beispiel die transparent/transzendenten Sücke 'End' und 'Coda', die der Multiinstrumentalist, der vor allem…
(31:32, Download, Art As Catharsis, 2017) Aller guten Dinge sind drei - auch bei Simeon Bartholomew, der mit seinem Projekt Seims seine vielfältigen musikalischen Vorstellungen umzusetzen versucht. Bei solch einem abenteuerlichen Crossover macht es sich sicher gut, kein anderes Mitglied mit Mitspracherecht in der Band zu haben, weswegen Seims schon als das Soloprojekt des Multiinstrumentalisten durchgeht. Einzig in Schlagzeuger Chris Allison, der das Projekt bisher live unterstützte, fand Bartholomew bei seinem dritten Album beständige Unterstützung. 3 by SEIMS Vier Tracks ist „3“ nun schwer. Beziehungsweise leicht, da diese es gerade mal auf knapp eine halbe Stunde bringen. Was aber vollkommen…
(68:15, CD, Everest, 2017) „Ich lag einmal an einem Sommerabende vor der Sonne auf einem Berge und entschlief. Da träumte mir, ich erwachte auf dem Gottesacker. Ich suchte im ausgeleerten Nachthimmel die Sonne, weil ich glaubte, eine Sonnenfinsternis verhülle sie mit dem Mond. Alle Gräber waren aufgetan, und die eisernen Türen des Gebeinhauses gingen unter unsichtbaren Händen auf und zu.“ Blixa Bargeld von den Einstürzenden Neubauten will es mal wieder wissen. Lange ging er mit der Idee schwanger, den Jean Paul-Text „Rede des toten Christus vom Weltgebäude herab, dass kein Gott sei“ irgendwann einmal in eine entsprechende musikalische Form zu…
(54:12, Download, Art As Catharsis, 2017) Der Opium Eater spiegelt nun einmal voll und ganz den Zeitgeist wider. No animals were hurt during the making of this record. Einen zünftigen Rausch vorausgesetzt. Aber vegan ist das neue Schnitzel, und da kann man sich schon einmal ein paar das Bewusstsein erweiternde Psychoaktivitäten hinter die Kiemen pressen. Das ist korrekt und man belastet sich eben nicht mit einem schlechten Gewissen. Nach der EP *Canis Major (The Greater Dog)' mit dem gleichnamigen knapp 20-minütigen Track wagten sich die Neuseeländer nun an ihren Debüt-Langspieler. Aber, was heißt hier wagen? Das Kollektiv aus Wellington kommt…
(42:17, CD, Elusive Sound, 2017) Fulminanter Postrock aus dem katalonischen Roda de Ter: „Between Darkness And Light“ ist das beeindruckende Debüt einer faszinierenden Band. Mit „Between Darkness And Light“ erschufen BLAK die Blaupause des modernen Postrock, da hier alles das wirkt, was uns bei Artverwandten wie God Is An Astronaut, Explosions In The Sky, Collapse Under The Empire, This Will Destroy You, And So I Watch You From Afar, Godspeed You! Black Emperor, We Lost The Sea, Maybeshewill oder Sleepmakeswaves gut und teuer ist. Der einzige Unterschied, der hier auszumachen ist – BLAK brauchen keinen für Kopfkino sorgenden Namen, weil…
»Die Chemie muss stimmen!« Marco Minnemann gilt gemeinhin als Hansdampf in allen Gassen. Seine Karriere begann der Hannoveraner immerhin bei den Freaky Fuckin Weirdoz sowie den H-Blockx. Mit den Illegal Alliens gründete der Schlagzeuger Mitte der 90er seine erste eigene Band und offenbarte hier schon eine Vorliebe für den Progressive Rock. Dieser wurde ein wichtiger Eckpfeiler seiner Karriere, die ihn als Live-Drummer auch in die Bands von Nena, Udo Lindenberg, Mike Keneally sowie zu Kreator(!) brachte. Da wären aktuell erst einmal The Aristocrats, die er zusammen mit Guthrie Govan (GPS, Steven Wilson, Asia) und Bryan Beller (Steve Vai, Dzweezil Zappa)…
(40:44, CD, The Sign/Cargo, 2017) Hier wird einem schon eine ganze Menge abverlangt. Progressive-Death-Pop nennt sich das wuchtig-energetische Konglomerat aus Metal, Prog, Darkwave und Operette, bei dem immer und überall Sängerin Sonja "Fia" Kempe im Vordergrund steht. Weil an dieser Walküre niemand vorbeikommt, der sich mit The Great Discord einlässt oder einlassen möchte. Dabei macht die Akteuse und Diseuse von Anfang an klar, dass sie eben nicht die Unschuld einer Alice besitzt, auch wenn sich die Band auf ihrem neuen, zweiten Album tief hinab in den Kaninchenbau begibt. Die Schweden geben, das Intro 'Dimman' einmal ausgenommen, von Anfang an Vollgas, was wieder…
(44:25, CD, Sireena/Broken Silence, 2017) Vater und Sohn, die, auf ihre musikalische Karriere bezogen, bisher vollkommen unterschiedliche Wege gegangen sind. Während Dad Andreas "Bubi" Hönig bisher bei Extrabreit, Faithful Breath, Green sowie Symphonic Floyd mitmischte und somit eher die NDW-/Kraut- und Progrock-Ecke abdeckte, produzierte Sohnemann Clitko Rapper wie Too Strong, Brenna und Fard. Die Gegensätze ziehen sich bei ihrem gemeinsamen Projekt Human wie magisch an. That’s family Business. Hier finden die musikalischen Vorlieben beider Musiker einen gemeinsamen Nenner - eine Art Trip Rock beziehungsweise Kraut Hop, der fast schon endemisch die hiesige musikalische Landschaft bereichert. Hypnotische elektronische Klangflächen à la Massive Attack bilden die Basis für einen…
(44:52, CD, Freia/FMLS, 2017) 'Wrong Turn' heißt der Opener des zweiten Fulltimers von Jet Black Sea, und es scheint tatsächlich, dass uns dieser Track auf eine komplett falsche Fährte locken soll. Elektronische Beats im NIN-Industrialformat verschmelzen mit crimsoneskem Mellotronsound, wobei diese Symbiose in einem kurzen Anflug von Progressive Metal zu kollabieren scheint. Aber danach wird (fast) alles anders. Das aus dem ehemaligen Nine Stones Close-Gitarristen Adrian Jones und Programmer Michel Simons gebildete Duo versteift sich auf weitflächige Extravaganzen, die oft in Pink Floyd’sche Wohlfühlebenen aufsteigen. Andererseits ist da noch ein Track wie 'The Sixth Wheel', der uns Neoprog-Ausflüchte liefert, und 'Cathedral', das…
(45:50, CD, Broken Silence, 2016) Was geographisch unmöglich ist, nämlich dass der Neckar in den Ganges fließt, nimmt auf musikalischer Ebene jetzt hörbare Form an. NeckarGanga verschmelzen die Komplexität indischer Musik mit europäischem Jazzrock und setzen mit ihrem Debütalbum „Innaad“ dort an, wo Ravi Shankar einst für Furore sorgte. 2014 reisten der Percussionist Peter Hinz und der Saxophonist Steffen Dix nach Varanasi, einer der ältesten Städte der Welt, die 2000 vor Christus angeblich von Shiva selbst gegründet wurde. Dort traf das Duo auf den Tabla-Meister Kesahva Rao Nayak, der es in klassischer indischer Musik unterrichtete. Die hieraus entstandene Bindung wurde dermaßen stark, dass sich hieraus ein Projekt mit…
(42:07, CD, Eigenvertrieb, 2017) Was lange währt, wird gut? Im Fall von Synopsys dann aber auch richtig. Ganze vier Jahre lang werkelten die Postrocker aus Avignon an ihrer ganz speziellen ‚Traumzeit‘, ihrem Debütalbum, das auf die EP "Timeless" (2013) und die Single "Synopsys" von 2012 folgt. Man merkt sofort, dass die Band hiermit alles richtig machen und ein Album aus dem Stand ganz weit hinauf hieven wollte, das man so schnell nicht vergessen sollte. „Le Temps Du Rêve“ wartet mit allen Grundelementen auf, die dieses Genre moderner Musik für Viele so angenehm machen. Sanfte, durch verhuschtes Gitarrenflimmern bestimmte Soundbrisen stehen…
(52:50, CD, Fluttery, 2017) In manchen Sparten scheint es verführerisch, ein Review-Muster zu erstellen, wo hinein man dann nur noch den Namen der jeweiligen Band, des Albums und wahlweise einiger Tracks einträgt. Weil, kennst du ein Album, kennst Du alle – und auch die aller anderen Bands eben dieses Genres. Oder? Kenner können sicher schon in etwa erahnen, dass es sich hierbei um das überaus sympathische Genre Postrock handelt - eines, das nicht nur durch weitläufige und üppig ausgestattete Soundlandschaften überzeugt, sondern auch (und - so sagen Spötter: vor allem) dadurch, dass die hier tätigen Protagonisten auch hinsichtlich ihrer Namenswahl mächtig Fantasie beweisen.…
(35:30, CD, Art As Catharsis, 2017) Aus dem sonnigen Melbourne kommend, lassen Cascades mit ihrer ersten Lautäußerung auf Albumlänge Wasserfälle zu Gletschern gefrieren und gleißendes Sonnenlicht abrupt in stockdunkle Finsternis abstürzen. Der Winter naht. Und das mit einem Postrock, der auch in metallische Bereiche abdriftet, wo er sich hin und wieder mit Hardcore- und Sludge-Ingredienzen mischt. So ist „Cold Bloom“ mit seinen gerade einmal dreieinhalb Minuten der kürzeste und auch überaus Single-kompatibelste Track des Albums, schafft dieser es in seiner Kürze doch, das abzuarbeiten, wofür Cascades sonst acht bis neun Minuten brauchen. So zum Beispiel beim erbarmungslosen 'Whitewater. Länge ist den harschen Soundskulpturen,…
(61:14, CD, Long Branch / SPV, 2017) Sie sind jung und brauchen das Geld. Was sich in den letzten Jahren bei ihrer „Holon“-Trilogie angestaut hat, bricht sich nun endgültig Bahn. Dabei wird es nun klar, worum es sich beim sogenannten Hirsch-Effekt im Eigentlichen handelt – nämlich die Begegnung mit der brachialen Wucht einer Stampede dieser Geweihträger. Und die trifft schon mit den ersten Takten des Openers 'Lifnej' auf den Delinquenten, der die Sache eigentlich vollkommen freiwillig über sich ergehen lässt. „Warum nur tu‘ ich mir das an? Wieso erneuert dieser Zyklus das Muster jedes Lebens, das ich nahm…“. Au weia. Hier gibt…
(46:58, CD, Omnichord, 2015/2017) Ginge es darum, welche "Post"-Band sich den cleversten Namen ausgesucht hat, dann wären First Breath After Coma ein Anwärter auf den Siegertitel. Allerdings haben sie ihn sich bei einem Song von Explosions In The Sky geborgt - was nicht die einzige Parallele ist. Mit "Drifter“ wagten sich die Portugiesen an ihr zweites Album, das ob seiner Souveränität aber gar kein Wagnis darstellt. Es wurde bereits 2015 via Bandcamp veröffentlicht und mit ihm könnte die Band für Furore sorgen. Dabei haben es die Twentysomethings wieder mit den ganz großen Gesten. Auffällig am hymnischen Stil von FBAC: Diese Band kann es…
(40:32, CD, Geenger/Rough Trade, 2017) Was verhalten und lieblich beginnt, steigert sich nach und nach in den ausufernden Wahnsinn. Emphasis fahren auf ihrem zweiten Album die (un-)helige Zweifaltigkeit und setzen ihren Albumtitel, den sie von einem Roman des kroatischen Autors Kristian Novak entlieh („Črna mati zemla“), dann auch voller dunkler Macht in die Tat um. Weil dem durch female Vocals fast schon sakral anmutenden Intro 'Muna' das Chaos in Form von „Iam“ folgt, bei dem Emphasis alles, wirklich alles geben. Sänger Danko Žganec wälzt sich in hingebungsvoller Empathie, der Vierer an sich baut einen Wall of Sound, der gut genug…
(47:59, CD, Karisma/Rough Trade, 2017) Wieder einmal wird bewiesen, dass es Progressive Rock und Progressive Rock gibt - dazwischen liegen Universen. Einmal sind da, frei nach dem Motto "Hören mit Schmerzen" endlose Gniedelorgien mit selbst auferlegten "Höher, weiter, schneller"-Ansprüchen, die, ohne jegliches Gefühl für Songwriting, aus eigener Hybris den Hörer außen vor lassen. Dann gibt es da Musiker wie Bjørn Riis, die voller Feingefühl und mit dem Sinn für die Sache an sich, nämlich großzügige Atmosphären und Spannungsaufbauten, Meisterwerke erschaffen. „Forever Comes To An End“ nun ist das zweite Soloalbum des Airbag-Gitarristen. Und was eben dort, bei seiner Stammband, nicht…