
Fusion
(45:10; Digital; Eigenveröffentlichung; 24.10.2026)
Morgan Ågren veröffentlicht ein Album, an dem er drei Jahre lang gearbeitet hat. Zwei Jahre davon verbrachte er mit der Sammlung tausender Beats und dem "Herumschlagen auf Saiten" (mehr dazu später). Das letzte Jahr nutzte er für das Editieren und Overdubs. Was im Einzelnen passiert ist, wird sich vermutlich nur durch ein Interview herausfinden lassen.
Entstanden sind 21 Songs – jeder für sich das Resultat jahrelanger Experimente mit Instrumenten, Rhythmen und Elektronik. Unterstützt wird er dabei von insgesamt 22 Gastmusikern, darunter Andreas Kleerup, Henrik Linder (Dirty Loops), Stella Vander (Magma) und natürlich Mats Öberg.
Die Musik oder deren Stil zu beschreiben, ist schwierig. Werden doch eine Vielzahl von bekannten und auch skurrilen Stilen quer durcheinandergewürfelt. Doch manche musikalischen Elemente tauchen in mehreren Songs auf. Dazu gehört der "Bass", den Morgan selbst "schlägt", denn es handelt sich um selbstgebaute Saiteninstrumente, auf denen er direkt mit den Sticks schlägt. Dieser Bass ist so prägnant, so tief, so heavy. Es empfiehlt sich, beim Hören auf jegliche zusätzliche Equalizer-Anpassungen zu verzichten. Der Bass wummert schon in neutraler Einstellung mehr als genug.
Sehr markant sind auch die Chorsamples, die durch das "ben_otrone"-Gerät von Benoit Piccand erzeugt wurden. Was man aber so nicht erwartet hätte, sind die Rap-/Spoken-Word-Einlagen in mehreren Songs, z. B. in "jazzaman", die so dermaßen cool sind. Die zweite Hälfte von "grid modul x" hätte von Public Enemy und Terminator X in "Welcome to the Terrordome" nicht heftiger gemixt werden können.
Morgan Ågren steht definitiv eine erfolgreiche Karriere als Hip-Hop-Produzent bevor, falls es mit dem Fusion/Jazz mal nicht mehr klappen sollte.
Ebenfalls auffallend ist der Wechsel der wahrgenommenen Stimmung. Zwar gab es früher auch schon mal Ausflüge in die metallastige Welt, wie z. B. "Russinläsk" (von 1996, siehe unten), doch war die Stimmung meist eher fröhlich und verrückt.
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Auf "Sorry I'm Late, I Saw a Dog" sind nun aber schon fast düstere Stimmungen wahrzunehmen. "sense of vibration" hätte so auch dem wohl niemals erscheinenden "Sol Niger Within 2.0" von Fredrik Thordendal entstammen können.
Zwei Songs sind zurzeit frei verfügbar. Einer davon ist "beche bb".
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Was hier sofort auffällt: der Bass. Und dieser Bass verleiht dem Song einen tiefen, grummeligen und groovigen Flair. In diesem YouTube-Video sieht man ein paar Varianten, wie dieser Bass möglicherweise entstanden ist.
In "beche bb" leiten hypnotische Chorsamples und Hip-Hop-artige "Spoken Words" von DJ Fetisov ein irrwitziges Gitarrensolo von Per Nilsson ein. Per Nilsson ist bekannt als Gründungsmitglied von Scar Symmetry und Ersatz-Gitarrist für Fredrik Thordendal im Zeitraum von 2017 bis 2021. Das nachfolgende Akkordeon-Solo erinnert dann eher an die deutlich jazzigen und verspielten Einlagen, die man von vergangenen Veröffentlichungen von Morgan Ågren zusammen mit Mats Öberg kennt. Und das alles innerhalb von drei Minuten. Die Musik ist vollgepackt, aber nicht überladen.
"sleeper" hingegen ist ein einminütiges Gewitter an versetzt eingespielten Synths und Gesangsfragmenten aus dem ben_otrone, unterlegt mit einem treibenden, fast elektronischen Beat, der aber selbstverständlich von Morgan selbst auf einem richtigen Schlagzeug gespielt wird. Seine Breaks sind hier verrückt, aber stets 4/4. Für jemanden, der mit 20 schon mit Frank Zappa (38 years since Zappa met Mats/Morgan) gespielt hat, gibt es keine rhythmischen Grenzen.
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Im Schnitt sind die Songs zwei Minuten lang. Das sagt natürlich nichts aus, zeigt aber doch, dass es sich hier nicht um ein klassisches 8- bis 10-Track-Album mit Single-Auskopplungen handelt, sondern vielmehr um das Ergebnis einer mehrjährigen Sammlung vieler Ideen und Fragmente, für die wir viel Zeit brauchen werden, um sie zu verstehen. Ein wunderbares Album, bei dem es viel zu entdecken gibt und zahlreiche Überraschungen auf einen warten.
Bewertung: 14/15 Punkten
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Besetzung:
Morgan Ågren - Alle Instrumente, Kompositionen, Aufnahme/Engineering und Mix
Gastmusiker:
• Simon Steensland - Keyboards, Gitarre, Klavier, Gesang, Glockenspiel (Track 3, 7, 10, 14)
• Ben_otrone - Gesang, Spoken Words, Chöre (Track 1, 3, 4, 5, 6, 9, 10, 12, 13, 14, 15, 16, 18, 20, 21)
• Benoit Piccand - Sampler (Track 9)
• Tina Ahlin - Chor (Track 2, 8, 21)
• Stella Vander - Spoken Words (Track 2)
• Mats Öberg - Keyboard-Solo (Track 10)
• Henrik Linder - Bass (Track 13)
• Neyveli Radhakrishna - Violine (Track 8)
• Tyler Bartram - Gitarre (Track 17)
• Robert Elovsson - Keyboards (Track 17)
• Efim Braylovskiy - Saxofon, Keys (Track 12)
• Matte Henderson - Gitarrensolo (Track 5)
• Andreas Hourdakis - Gitarrensolo (Track 13)
• Per Nilsson - Gitarrensolo (Track 20)
• Carl Mörner Ringström - Gitarrensolo (Track 10)
• Freddie Wadling - Gesang (Track 3)
• Andreas Kleerup - Chor-Dub (Track 6)
• Stina Ágústsdóttir - Spoken Words (Track 4)
• Aman Khosla - Soundscape-Gitarre (Track 9)
• Daedelus - Live-Sampling (Track 19, 21)
• Janek Gwizdala - Bass (Track 21)
• DJ Fetisov - Spoken Words (Track 7, 20)
• Mamadou Sene - Spoken Words (Track 11)
• Lelo Nika - Akkordeon-Solo (Track 20)
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Abbildungen: Morgan Ågren/Bandcamp

